zur Navigation springen

Prozess in Hamburg : Schlagstock-Attacke auf Iraner: Afghane wegen Totschlags vor Gericht

vom

Weil er zum Christentum konvertiert war, wurde ein Iraner fast totgeschlagen. Ein Afghane muss sich verantworten.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2016 | 07:55 Uhr

Hamburg | Aus Verärgerung über die Konversion eines Iraners zum Christentum soll ein Afghane ihn in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft angegriffen und schwer verletzt haben. Der etwa 23 Jahre alte Afghane muss sich von Donnerstag (13 Uhr) an vor dem Landgericht verantworten, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag.

In zahlreichen islamischen Ländern werden Konvertiten verfolgt. Nach islamischen Recht wird der Abfall vom Glauben (Apostasie) mit dem Tode bestraft.

Der Afghane soll am Abend des 18. Oktober 2015 vor dem Gebäude der Unterkunft - einem ehemaligen Baumarkt in Hamburg-Eidelstedt - auf den Iraner zugegangen sein und ihm unvermittelt mit einem Teleskopschlagstock zwei wuchtige Schläge auf den Kopf versetzt haben. Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma konnten den Angreifer von weiteren Schlägen abhalten. Der Iraner, nach Polizeiangaben damals 24 Jahre alt, erlitt schwere Kopfverletzungen und musste im Krankenhaus operiert werden.

Wenige Tage vor der Tat soll er dem Afghanen berichtet haben, dass er zum Christentum übergetreten sei. Daraufhin habe der Afghane erklärt, dass es in dem Fall keine Sünde sei, den 24-Jährigen zu töten, hatte die Polizei seinerzeit mitgeteilt.

Den Angaben zufolge hatten Bewohner des Flüchtlingsheims den Afghanen nach dem Angriff zunächst festhalten können. Dann konnte ihn aber eine andere Gruppe von 15 bis 20 Personen befreien. Er flüchtete und tauchte unter. Wenige Tage später wurde ein Haftbefehl erlassen. Die Polizei schrieb ihn öffentlich zur Fahndung aus.

Mitte Dezember wurde er in einer Erstaufnahmeeinrichtung im Stadtteil Bahrenfeld wiedererkannt und verhaftet. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das genaue Alter des Afghanen ist unklar. Den Behörden liegen auch zwei Alias-Namen vor.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert