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Hells Angels gegen Mongols : Schlagring, Messer, Fessel: Darum geht's beim Rocker-Prozess in Hamburg

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Hells Angels sollen einen Mongols-Rocker in eine Falle gelockt haben. Seit Monaten kämpfen die Rocker. Ein Überblick.

shz.de von
erstellt am 13.Jun.2016 | 12:15 Uhr

Hamburg | Weil sie einen Rocker der rivalisierenden Mongols in eine Falle gelockt und schwer misshandelt haben sollen, müssen sich sieben mutmaßliche Unterstützer der Hells Angels von Montag an vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Der Prozess startet um 16.15 Uhr. Drei Männer im Alter zwischen 21 und 24 Jahren sind wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung angeklagt. Zwei weiteren Männern und zwei Frauen, alle ebenfalls Anfang zwanzig, wird Beihilfe zu den Taten vorgeworfen.

Die Mongols und die Hells Angels kämpfen seit Monaten in Hamburg um die Macht im Rotlichtmilieu. In Schleswig-Holstein sind die Hells Angels Flensburg und Kiel sowie die Bandidos Neumünster verboten. Seitdem ist es etwas ruhiger im Land. In Hamburg sind die „Hells Angels“ seit 1986 verboten - weitgehend ohne Konsequenzen.

In der Nacht zum 2. Januar sollen sie das damals 26 Jahre alte Opfer mit sexuellen Versprechungen in eine Kleingartenanlage im Stadtteil Horn gelockt haben. Die Hauptangeklagten seien zusammen mit einem noch unbekannten Mittäter maskiert in die Laube gestürmt und hätten ihr Opfer mit Tritten, einem Schlagring und einem Messer schwer verletzt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie sollen ihr stark blutendes Opfer gefesselt und in einer Straße in der Nähe des Tatorts zurückgelassen haben.

Auf die Eskalation der Gewalt reagierte die Hamburger Polizei Anfang Januar mit der Gründung der „Soko Rocker“.

Nur wenige Tage zuvor, am 28. Dezember 2015, hatte sich eine Schießerei auf der Reeperbahn abgespielt: Mehrere Mongols wurden von Mitgliedern der Hells Angels auf der Straße angegriffen. Zwei Männer wurden angeschossen, ein weiterer brach sich bei einem Sturz während der Flucht ein Bein. „Um sich zu retten, sind drei Männer in ein Taxi gesprungen“, sagte damals ein Polizeisprecher. Anschließend durchsiebten mindestens sieben Geschosse das Fahrzeug.

Im Dezember wurden zwei Mongols-Mitglieder in einem Taxi angeschossen, Anfang Januar dann wurde die Soko 'Rocker' gebildet. 

Im Dezember wurden zwei Mongols-Mitglieder in einem Taxi angeschossen, Anfang Januar dann wurde die Soko „Rocker“ gebildet. 

Foto: dpa
 

Ende Oktober hatte eine Explosion am Sportwagen des Chefs der Mongols, Erkan U., in Hamburg für Aufsehen gesorgt. Ein Sprengsatz war unter dem Lamborghini detoniert, als der Mann das Auto ausparken wollte. Er blieb unverletzt, aber der Wagen, umliegende Fensterscheiben und eine Stahltür wurden beschädigt. Im Dezember wurde er in einer spektakulären Aktion in seiner Penthouse-Wohnung verhaftet. Seit Anfang Mai muss sich der ehemalige Mongols-Chef vor dem Hamburger Amtsgericht wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und Besitzes von Betäubungsmitteln verantworten.

Am 4. Dezember wird der Chef der Rockergruppierung Mongols in Hamburg abgeführt.

Am 4. Dezember wird der mutmaßliche Chef der Rockergruppierung Mongols in Hamburg abgeführt.

Foto: Paul Weidenbaum/dpa
 

Bei zwei spektakulären Razzien von Spezialeinheiten und Polizei im Juli und Dezember 2015 waren halb automatische Waffen sowie Kokain, teilweise auf Kuchentellern, und Marihuana in der Wohnung des 37-Jährigen in Hamburg-Hoheluft gefunden worden. Laut Anklage soll er zudem Pistolen in der U-Bahn sowie in einem Tattoostudio mitgeführt haben. Die Festnahme hat Erkan U.'s Milieukarriere jäh beendet. Noch am selben Tag suchten sich die einen anderen Anführer.

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