Deutsche Zulieferindustrie : Schiffbau-Zulieferer halten sich stabil trotz des schwächelnden Weltmarktes

Die deutsche Schiffbau-Zulieferindustrie ist rund dreimal so groß wie der Schiffbau selbst und auch im Binnenland stark vertreten.

Die deutsche Schiffbau-Zulieferindustrie ist rund dreimal so groß wie der Schiffbau selbst und auch im Binnenland stark vertreten.

Der Auftragseingang ist um 2,7 Prozent gestiegen. In der Branche sind rund 63.500 Mitarbeiter beschäftigt.

shz.de von
10. Juli 2018, 14:50 Uhr

Hamburg | Der Abwärtstrend der vergangenen Jahre bei den deutschen Schiffszulieferern scheint gestoppt. Zwar reduzierte sich der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr nochmals um vier Prozent auf 10,6 Milliarden Euro, doch war der Auftragseingang mit einem Plus von 2,7 Prozent erstmals seit Jahren wieder leicht positiv, wie die Arbeitsgemeinschaft Marine Equipment and Systems des Verbandes VDMA am Dienstag in Hamburg mitteilte. Damit haben die Zulieferer in den vergangenen drei Jahren mehr als eine Milliarde Euro Umsatz verloren.

Für das laufende Jahr sei mit einem stabilen Umsatz und einer leicht positiven Entwicklung beim Auftragseingang zu rechnen. „Wegen des hohen Service-Anteils ist unsere Industrie weniger schwankend als der Schiffbau“, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Alexander Nürnberg. Besonders Südkorea, eines der drei weltweit führenden Schiffbauländer neben China und Japan, bemühe sich jedoch, seine Zulieferungen zunehmend aus lokaler Produktion zu beziehen.

Die zunehmenden protektionistischen Tendenzen an vielen Orten der Welt bereiten der Branche Sorgen. „Unsere Unternehmen sind Teil einer globalen Wertschöpfungskette“, sagte Nürnberg. „Wir betreuen unsere Komponenten und Systeme über den gesamten Lebenszyklus des Schiffes hinweg. Da sind Zollschranken, Einreisebeschränkungen und komplizierte Exportkontrollen Gift für den wieder anziehenden Markt.“ Die deutsche Schiffbau-Zulieferindustrie ist ungefähr drei Mal so groß wie der Schiffbau selbst und exportiert rund 74 Prozent ihrer Produktion. Die Branche beschäftigt rund 63 500 Mitarbeiter, das sind 2,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Ungefähr die Hälfte der Industrie ist nicht an der Küste angesiedelt, sondern im Binnenland, vor allem in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen. Die Unternehmen liefern große Antriebsmaschinen, hydraulische und elektronische Systeme für Navigation und Steuerungen oder Schiffspropeller. Die Neubau-Aufträge hängen dabei stark von der Anzahl neuer Schiffe ab, weniger von deren Größe. Und der weltweite Schiffbau erholt sich gerade von einer tiefen Auftragsdelle. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden weltweit 292 Seeschiffe bestellt, gegenüber 223 in gleichen Quartal des Vorjahres. Der Auftragsbestand ging damit von 4840 auf 4705 Schiffe zurück.

Ab 2020 treten für alle Seeschiffe strengere Umweltvorschriften in Kraft und sie müssen Schadstoffe in ihren Abgasen reduzieren. „Wir können noch nicht so richtig sagen, wie die Reeder darauf reagieren und wohin der Trend geht“, sagte Nürnberg. Es gebe auf jeden Fall einen starken Innovationsdruck. Die Branche forsche sowohl an Hybrid- und Multi-Fuel-Antrieben, die verschiedene Kraftstoffe nutzen könnten, als auch an optimierten konventionellen Motoren, elektrischen Systemen oder der Verwendung von flüssigem Erdgas und synthetischen Treibstoffen.

„Die optimale ökonomische und ökologische Lösung hängt oft von dem Schiff und dem Einsatzzweck ab“, sagte Vorstandsmitglied Lex Nijsen. „Was bei Fähren gut funktioniert, ist bei Übersee-Container-Transporten nicht möglich.“

Auch für die Reeder sind Umweltthemen in den Mittelpunkt gerückt. „Die maritime Energiewende weg vom Schweröl hin zu klimaneutralen Antrieben ist eine enorme Herausforderung für die gesamte maritime Industrie“, sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR). „Die deutschen Reeder begrüßen die intensive Forschung der Zulieferindustrie für alternative Antriebe. Wir brauchen eine technologische Revolution, um bis zum Ende des Jahrhunderts das Klimaziel der CO2-neutralen Schifffahrt zu erreichen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen