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Nach Urteil zu Elbvertiefung : Schierlings-Wasserfenchel: Hamburg findet Ersatzfläche für bedrohte Pflanze

vom

Ein Meilenstein auf dem Weg zur Elbvertiefung: Die Wasserpflanze soll auf die Billwerder Insel umziehen.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2017 | 11:07 Uhr

Hamburg | Die Behörden haben in Hamburg eine Fläche gefunden, auf der künftig die seltene Wasserpflanze Schierlings-Wasserfenchel wachsen soll. Das sei ein Meilenstein auf dem Weg zur Elbvertiefung, teilten die Wirtschaftsbehörde und die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt am Freitag in Hamburg mit. „Es ist nun Aufgabe der Planer, diese Maßnahme planerisch rasch weiter zu konkretisieren“, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). Die EU-Kommission werde ebenso unterrichtet wie die Naturschutzverbände, die zudem zu einem Gespräch eingeladen würden.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte in seinem Urteil zur Elbvertiefung im Februar eine vorgesehene Ausgleichsmaßnahme zum Schutz des Schierlings-Wasserfenchel nicht akzeptiert, so dass die Behörden eine neue Fläche finden mussten. Die Elbvertiefung ist seit 15 Jahren juristisch und politisch umstritten..

Hintergrund: Der Schierlings-Wasserfenchel

Er ist ein Hamburger Original: Der Schierlings-Wasserfenchel kommt nur noch im Tidebereich der Elbe vor. Am Unterlauf des Flusses nordwestlich der Hansestadt bieten die Schlickböden, die durch Ebbe und Flut periodisch überschwemmt werden, dem Doldengewächs das weltweit letzte Refugium. Daher trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für seine Erhaltung.

Das Bundesamt für Naturschutz zählt die ungiftige Sumpfpflanze, die bis zu zwei Meter hoch wachsen kann, zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Umweltschützer befürchten, dass mit der Elbvertiefung verbundene Veränderungen der Population schaden könnten.

Nun sollen mehrere alte, nicht mehr genutzte Absetzbecken der Hamburger Wasserwerke auf der Billwerder Insel so gestaltet werden, dass sie auf einer Fläche von 14 Hektar gute Lebensbedingungen für den Schierlings-Wasserfenchel bieten.

Die ehemalige Trinkwassergewinnungsanlage auf der Billwerder Insel wurde 1892 errichtet, ist seit 1990 stillgelegt und steht unter Denkmalschutz. Von den vier vorhandenen Becken sollen geeignete an die Tide angeschlossen und umgestaltet werden, heißt es in der Mitteilung der Behörden. Die Tide werde vom Holzhafen durch einen bereits vorhandenen Graben unter der Autobahn A1 einströmen. Die Becken würden weitgehend entsiegelt und mit Prielen, Wattflächen und Gehölzinseln so gestaltet, dass für den Schierlings-Wasserfenchel optimale Ansiedlungsbedingungen entstehen.

Blick auf die Norderelbe mit dem Zufluss der Dove Elbe (rechts). Die vier Becken nördlich davon auf der Billwerder Insel sollen als Ausgleich für die Elbvertiefung dienen. Direkt über der Fläche verläuft die Autobahn 1 (Lübeck-Bremen).
Blick auf die Norderelbe mit dem Zufluss der Dove Elbe (rechts). Die vier Becken nördlich davon auf der Billwerder Insel sollen als Ausgleich für die Elbvertiefung dienen. Direkt über der Fläche verläuft die Autobahn 1 (Lübeck-Bremen). Foto: FHH
 

Die Elbvertiefung soll Schiffen mit einem Tiefgang bis 13,50 Metern tideunabhängig und bis 14,50 Metern tideabhängig die Zufahrt zum Hamburger Hafen ermöglichen. Während die Hafenwirtschaft und die Reedereien die Maßnahme für unerlässlich halten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens zu sichern, befürchten die Umweltverbände schwere Nachteile für den Naturraum Elbe.

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