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Prozess in Hamburg : Säureangriff im Jobcenter: Angeklagter räumt Tat ein

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Es habe sich um eine Kurzschlussreaktion gehandelt, sagte der 56-Jährige.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 14:08 Uhr

Hamburg | Im Prozess um einen Säure-Angriff auf eine Mitarbeiterin des Jobcenters hat der Angeklagte die Tat am Freitag vor dem Hamburger Landgericht gestanden. Der 56-Jährige gab an, es sei ihm „psychisch absolut schlecht gegangen“. Laut Anklageschrift soll er am 7. November 2016 seine von ihm getrennt lebende Ehefrau an ihrem Arbeitsplatz aufgesucht haben. Als sie abgelenkt war, soll er ihr mit den Worten „damit Du auch mal weißt, was Schmerzen sind“ ein Honigglas voll Salzsäure über ihr Gesicht und ihren Oberkörper geschüttet haben. Er habe seine Frau absichtlich verunstalten wollen und habe eine Erblindung des Opfers in Kauf genommen - davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt.

Der Angeklagte selbst gab an, er sei bereits ein Jahr vor der Tat wegen eines Burnouts in einer psychiatrischen Klinik untergebracht gewesen. Noch während ihrer Beziehung habe seine Frau eine Affäre mit einem befreundeten Arzt begonnen. „Ich fühlte mich einsam und verlassen“, sagte der Beschuldigte aus. Bei einem erneuten Aufenthalt in einer Klinik habe er eine neue Frau kennengelernt. Am Abend vor der Tat habe sie jedoch mit ihm Schluss gemacht. Daraufhin habe er viel Alkohol getrunken und vergessen, seine Beruhigungstabletten zu nehmen.

Am Tattag sei er mit einem Antwortschreiben des Rechtsanwaltes seiner Frau in das Jobcenter gefahren, um herauszufinden, „warum mich meine Frau finanziell ruinieren wollte“, gab er an. Das „Reinigungsmittel“ habe er mit ins Jobcenter genommen, damit es im Auto nicht auslaufe und um es eventuell vor den Augen seiner Frau zu trinken. Er sagte aus, sie habe ihn angesehen, als habe sie ihm sagen wollen: „Ich habe das Sagen. Du bist mir nicht gewachsen“. Als Kurzschlussreaktion habe er sie dann mit der Säure überschüttet und sei danach aus dem Gebäude geflohen.

Die Angaben des Angeklagten widersprechen jedoch der Aussage, die er kurz nach der Tat vor dem Haftrichter machte. Laut Vernehmungsprotokoll sagte er auf die Frage, warum er die Säure mit ins Jobcenter genommen habe: „Wenn sie mir blöd kommen würde, dann könnte ich sie damit bedrohen.“ Des Weiteren wurde ein Mithäftling des Beschuldigten als Zeuge gehört. Er hatte in einem Brief an seine Frau Ende November 2016 geschrieben, der Angeklagte habe ihm gegenüber geäußert „dass er sie umlegen wollte. Sobald er draußen ist, hat er gesagt, fährt er nach Köln und schnappt sich den Neuen seiner Frau. Der ist richtig gestört.“ Vor Gericht konnte der Mithäftling sich jedoch nicht mehr genau daran erinnern und sagte aus, es könne sein, dass der Angeklagte lediglich übertrieben habe.

Am kommenden Prozesstag, den 10. Mai (9.30 Uhr) soll die Frau als Zeugin aussagen. Ihr Anwalt sagte, dass sie „bleibende Schäden davongetragen“ habe, insbesondere im Bereich der Stimmbänder und psychisch.

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