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Kulturzentrum im Schanzenviertel : Rote Flora in Hamburg: Seit 25 Jahren besetzt

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Am 1. November 1989 besetzten Linksalternative die Rote Flora im Schanzenviertel. Sie bleibt Streitthema in Hamburg. Wie kam es eigentlich dazu? Antworten und Hintergründe.

Wie fing alles an?

Das Gesellschafts- und Concerthaus Flora eröffnete im Juni 1889. Der Komplex am Schulterblatt 71 bot Gesellschaftsräume, einen Konzertsaal, ein Wiener Café und einen Wintergarten. Außerdem befanden sich unter anderem Mietwohnungen und Räume für das Dienstpersonal im Flora-Theater. Ein Jahr später wurde es um den „Crystallpalast" ergänzt. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Haus unterschiedlich genutzt und umgebaut. 1926 wurde beispielsweise im hinteren Teil des Gebäudes ein Kinovarieté eröffnet. Ab den 1950ern diente das Haus etwa zehn Jahre als Kino, mit einem Saal für 800 Besucher. Anschließend war es bis 1987 die Heimat des Kaufhauses „1000 Töpfe“.

Wie kam es zu den ersten Protesten?

1987 wollte Musical-Produzent Friedrich Kurz das Gebäude im Schanzenviertel als Spielstätte für „Das Phantom der Oper“ nutzen. Der Eingangsbereich sollte erhalten werden, dahinter ein Neubau entstehen. Große Teile des historischen Flora-Theaters wurden abgerissen. Aus Angst vor steigenden Mieten in der Nachbarschaft protestierten Anwohner, Geschäftsinhaber und Autonome. Die Proteste zeigten Wirkung. Auch wegen einer Platz-Besetzung im Juni 1988 und Anschlägen auf die Baustelle gaben die Investoren das Musical-Projekt auf.

Wie kam es zur Besetzung?

Bis zum Sommer 1989 stand das Restgebäude leer. Initiativen aus dem Stadtteil wollten es provisorisch erhalten. Die Stadt Hamburg bot ihnen eine sechswöchige Frist an, um Vorschläge zur alternativen Nutzung zu präsentieren. Nachdem die Rote Flora im September offiziell eröffnet wurde, gilt sie seit dem 1. November 1989 – nach Ablauf der Frist – als besetzt. Sie dient seitdem als kultureller und politischer Treffpunkt der linken Szene in Selbstverwaltung.

Wieso konnten die Aktivisten bleiben?

Dass die anfangs rund 80 Aktivisten nach dem Ablauf der Frist am 1. November 1989 bleiben konnten, verdankten sie unter anderem der Furcht des damaligen SPD-Senats vor Gewalt. Der Grund: Ihm steckten noch die schweren Krawalle rund um die besetzten Häuser an der Hafenstraße in den Knochen. Der damalige Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hatte 1987 nachgegeben und einen Kompromiss mit den dortigen Besetzern geschlossen. Sein Nachfolger Henning Voscherau verzichtete auf die Räumung der Flora. Und dabei ist es bis heute geblieben. Rückblickend sagt Voscherau: „Es ist immer ein Balanceakt für eine Stadtregierung, die Rechtsstaatlichkeit und Verhältnismäßigkeit zu gewährleisten hat, ob sie Recht und Ordnung mit Gewalt durchsetzen kann, wenn sie befürchten muss, dass es dabei Tote geben könnte, das war bei der Hafenstraße damals auch so.“

Wann wurde die Rote Flora verkauft?

Für 370.000 D-Mark verkaufte der Hamburger Senat die Rote Flora an Immobilienhändler Klausmartin Kretschmer – im März 2001. Sein Versprechen damals: Er will am Status der Roten Flora nichts ändern. Später wollte Kretschmer das Gebäude für 20 Millionen Euro verkaufen. Der Bezirk Altona erließ daraufhin eine „Veränderungssperre“ für das Gebäude und legte fest, dass eine dauerhafte kommunale Nutzung gegeben sein muss. Kretschmer hat wegen des Widerstands der Besetzer das Haus noch nie betreten.

Warum sollte die Flora 2013 wieder verkauft werden?

Im August wurden Gerüchte laut, Eigentümer Kretschmer wolle die Flora verkaufen. Die Befürchtung der Besetzer: Ein neuer Besitzer könnte das Gebäude räumen lassen. Sie kündigten Widerstand an. Ende Oktober wurde dann bekannt, dass Kretschmer den Altbau abreißen lassen und ein sechsstöckiges Kulturzentrum mit Konzerthalle errichten lassen will. Die Folge: Der Bezirk Altona beschloss mit dem B-Plan Sternschanze 7, dass die Flora nicht abgerissen werden darf und das Gebäude in seiner jetzigen Form erhalten bleiben muss.

Wie kam es zu den Ausschreitungen im Dezember 2013?

Es begann damit, dass Kretschmer am 10. Dezember von den Besetzern der Flora verlangte, das Gebäude bis zum 20. Dezember zu räumen. Seine Warnung: Nach dem Ultimatum würden 25.000 Euro monatliche Miete fällig. Am 21. Dezember kam es dann zu Randale und Gewalt vor der Flora - eine Demo zum Erhalt des autonomen Kulturzentrums geriet außer Kontrolle. Außerdem ging es um das Bleiberecht für die „Lampedusa“-Flüchtlinge und die „Esso-Häuser“ an der Reeperbahn, die zuvor wegen Einsturzgefahr evakuiert worden waren.

Was passierte bei den Ausschreitungen am 21. Dezember 2013?

Randalierer aus dem „Schwarzen Block“ warfen Böller und Gegenstände in Richtung der Polizisten. Diese reagierten mit dem Einsatz von Wasserwerfern sowie Schlagstöcken und drängten den Demonstrationszug zurück. Viele Menschen wurden verletzt, darunter mehr als 120 Polizisten. Über die Auslöser der Ausschreitungen gingen die Meinungen zwischen Polizei und Vertretern der linken Szene auseinander. Hauptkommissar Andreas Schmidt berichtete damals, er habe als Zivilpolizist bei der Demonstration eine unglaublich hohe Gewaltbereitschaft unter den Demonstranten gesehen. Das einzige Ziel des „Schwarzen Blocks“ sei es gewesen sich „auszutoben“. Auch Hamburgs Polizeipräsident Wolfgang Kopitzsch erklärte: „Das war eine Situation, wie wir sie lange nicht erlebt haben.“ Flora-Aktivisten hatten der Polizei vorgeworfen, die Ausschreitungen ausgelöst zu haben. „Die Polizei hat die Demonstration angegriffen“, sagte Flora-Anwalt Andreas Beuth.

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erstellt am 31.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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