zur Navigation springen

Verdeckte Ermittlerin der Polizei Hamburg : „Rote Flora“, Bier und Sex: Disziplinarverfahren gegen Maria Block

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine Polizistin nannte sich Maria Block und tauchte tief in die linke Szene um die „Rote Flora“ ein. Das hat Folgen.

Hamburg | Als Maria Block schleuste sich eine Hamburger Polizistin in die linke Szene ein, tauschte die Uniform gegen Dreadlocks und ermittelte im Umfeld der „Roten Flora“. Der spektakuläre Uncercover-Einsatz flog im August auf - jetzt laufen laut einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ Disziplinarverfahren gegen die Polizistin und zwei ihrer Vorgesetzten.

Maria Block ist nicht die erste Undercover-Polizistin, die von der Hamburger linken Szene erwischt wird. Im vergangenen Jahr räumte der Senat ein, dass eine verdeckt arbeitende Polizistin mit dem Tarnname Iris Schneider über Jahre im Umfeld des linksautonomen Kulturzentrums „Rote Flora“ ermittelt habe. Polizeipräsident Ralf Meyer verteidigte den Einsatz der ersten verdeckten Ermittlerin von 2001 bis 2006. Es habe damals gewalttätige Auseinandersetzungen und schwerwiegende Straftaten gegeben.

Eins macht den Fall für die einen besonders anstößig, für die anderen interessant: Maria Block schloss nicht nur Schein-Freundschaften mit den Linksautonomen, sondern soll auch mindestens eine sexuelle Beziehung eingegangen sein. Das Abendblatt spricht von mehreren. „Solche Mittel wollen wir nicht einsetzen und solche Mittel setzen wir nicht ein“, sagte Polizeipräsident Ralf Meyer schon am 26. September. Damals wurde der Fall öffentlich.

„Sie lud oft auf ein Bierchen im Park ein, organisierte Reiseverbindungen und Theaterkarten für eine ganze Gruppe oder gemeinsame Kochabende“, schreiben die Verfasser eines Blogs zur Aufdeckung des Falls Maria Block. Auf diese Weise habe sie einen umfassenden Einblick in die Wohnungen und das Privatleben der Beteiligten bekommen. „Ein solcher Ein- und Angriff auf die Privatsphäre von Aktivistinnen durch eine Polizeibeamtin ist durch nichts und niemanden zu rechtfertigen".

Maria Block war demnach bei antirassistischen und antifaschistischen Demos, bei „Klimakämpfen" und auch bei „strafrechtlich relevanten Aktionen“ dabei. Unter anderem soll sie bei den Gegenprotesten gegen die Klimakonferenz 2009, beim No Border Camp 2009 auf Lesbos und beim No Border Camp 2010 eine Rolle gespielt haben.

Wie wurde die Frau überhaupt enttarnt? Zufall, heißt es von Gruppen der linken Szene, die nach eigenen Angaben schon seit Monaten an der Aufdeckung der verdeckten Ermittlerin arbeiten.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Okt.2015 | 12:43 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen