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Auf dem Weg zur Fahrradstadt : Rot-Grün schafft 50 Kilometer neue Radwege in Hamburg

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Einige Straßen werden zu Fahrradstraßen umbenannt. Zudem wird deutlich ausgebaut.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2017 | 14:25 Uhr

Hamburg | Wie macht man aus einer Millionenmetropole eine Fahrradstadt? Anjes Tjarks glaubt, die Lösung gefunden zu haben. „Step by Step“, erklärt der Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bürgerschaftsfraktion die Nach-und-Nach-Strategie des rot-grünen Senats. Der hat auf Drängen der Ökopartei im Koalitionsvertrag versprochen, die Hansestadt so umzugestalten, dass sich der Anteil des Radverkehrs bis etwa 2030 auf 25 Prozent verdoppelt. Heißt: Mehr und bessere Radwege, im Zweifel auch zu Lasten des Autoverkehrs.

Dichter als das U-Bahnnetz: Geplantes System von 14 Velorouten in Hamburg.

Dichter als das U-Bahnnetz: Geplantes System von 14 Velorouten in Hamburg.

Foto: FHH
 

Der beispiellose Umbau großer Teile des Straßensystems hat begonnen. Und er zeigt erste Fortschritte, so jedenfalls lautet die Zwischenbilanz von Tjarks und des SPD-Verkehrsexperten Lars Pochnicht. Im Jahr 2016 habe die Stadt 45 Kilometer „Radverkehrsanlagen“ neu geschaffen, ein Drittel mehr Zubau als im Jahr zuvor. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, urteilte der Grünenchef, kündigte aber an, das Tempo weiter zu erhöhen. „Jetzt geht's erst richtig los. 2017 werden wir unser Ziel von 50 Kilometern neuer Radwege im Jahr deutlich übertreffen.“

150 der bis 2020 geplanten 280 Kilometer Velorouten seien bereits fertig. Nach Senatsangaben wurden im vergangenen Jahr 6,5 Kilometer klassische Radwege gebaut, nach knapp neun Kilometern im Vorjahr. Die Strecke an neuen gemeinsamen Geh- und Radwegen summierte sich in 2016 auf fast 14 Kilometer, nach knapp einem Kilometer in 2015. Der Anstieg sei vor allem auf Maßnahmen im Hafengebiet zurückzuführen, hieß es.

Die Ausgaben in die Radverkehrsinfrastruktur sanken von 8,2 Millionen auf 7,7 Millionen Euro. Tjarks und Pochnicht betonten, dass weitere Mittel für den Radverkehr in anderen Verkehrsprojekten enthalten seien. Einschließlich des Busbeschleunigungsprogramms und des Straßenerhaltungsmanagements komme man auf annähernd 30 Millionen Euro, erklärte Pochnicht.

Insgesamt gibt es in der Stadt etwa 1800 Kilometer Radwege. Der Begriff Neubau klingt allerdings nach mehr als er halten kann. Laut Senatsdefinition fallen darunter auch neue Radstreifen auf der Straße sowie die Umdeklarierung von Straßenzügen zu „Fahrradstraßen“, ein Kernvorhaben. 20 Kilometer seien im vergangenen Jahr instandgesetzt oder ausgebaut worden. Auf Strecken mit starkem Schwerlastverkehr wie im Hafen sei die Trennung von Rad- und Autoverkehr nach wie vor sinnvoll.

Wie solch eine Umwidmung in der Praxis aussieht, präsentierten die Senatspolitiker am Mittwoch zufrieden im Leinpfad in Winterhude. Die von Villen gesäumte „Fahrradstraße“ am Alsterlauf ist ein kleines Paradies für Pedaleure geworden. An den Zufahrten mahnen Schilder, dass motorisierter Verkehr nur von Anliegern erwünscht ist; ein Durchfahrtsverbot besteht freilich nicht. Große Radler-Piktogramme auf dem Asphalt machen auch dem stursten Autofahrer klar, dass Radfahrer im Leinpfad grundsätzlich „Vorrang“ genießen. Und so schleichen Autos in aller Regel brav hinter den Radlern her. Der Abschnitt ist Teil der Veloroute 4, einer Achse, die einmal vom Jungfernsteig durchgängig bis nach Langenhorn führen soll. Tjarks: „Die wohl schönste Veloroute Hamburgs.“

Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks (r.) und SPD-Verkehrsexperte Lars Pochnicht im Leinpfad, eine „Fahrradstraße“ mit eingebauter Vorfahrt für Radler.

Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks (r.) und SPD-Verkehrsexperte Lars Pochnicht im Leinpfad, eine „Fahrradstraße“ mit eingebauter Vorfahrt für Radler.

Foto: Markus Lorenz

Münster oder Amsterdam als Vorbild?

Insgesamt will Rot-Grün ein Netz von 14 solcher Magistralen schaffen, die sternförmig vom Stadtrand in die City führen und das tägliche Pendeln per Pedale wesentlich erleichtern sollen. Teil der Rad-Offensive ist laut Pochnicht zudem der weitere Ausbau des Leihradangebots Stadtrad, das boomt wie nie. 400.000 Kunden für die roten Flitzer sind registriert, drei Millionen Fahrten wurden 2016 gebucht. Und: Für einen besseren Umstieg vom Rad auf die Bahn erweitert die Stadt das Bike-and-Ride-Angebot, schafft an Schnellbahnhöfen Zehntausende zusätzlicher Abstellplätze.

Kritik der Opposition an einer angeblich „ideologischen“ Radpolitik widerspricht Tjarks und verweist auf die Reaktionen aus der Bevölkerung. Der Widerstand gegen den Straßenumbau falle jedenfalls deutlich geringer aus als erwartet. „Die allermeisten Autofahrer sind eben auch vernünftige Menschen.“ Nur: Wo hat das Konzept seine Grenzen? Eignet sich die Hansestadt als ein zweites Münster oder Amsterdam? „Nein“, räumt der begeisterte Radler Tjarks ein. Aber: „Es geht sehr viel mehr als jetzt. 25 bis 30 Prozent Radanteil sind drin.“

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