zur Navigation springen

Internet-TV aus Hamburg : „Rocket Beans TV“ – 24 Stunden Gaming, Fußball und Kino

vom

Webvideopreis, Deutscher Fernsehpreis: Die jungen Hamburger Medienmacher sind dank innovativer Formate erfolgreich.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 07:43 Uhr

Hamburg | „Oh Scheiße! Das war knapp“, schallt Florentin Wills Stimme durch das Studio des Web-Senders „Rocket Beans TV“ in Hamburg. Was bei anderen Sendern ein No-Go wäre, ist bei den jungen Medienmachern kein Problem. Vor allem wenn am Computer gezockt wird, darf es auch mal emotional werden. „Wir sind hier sehr viel flexibler, spontaner, chaotischer und es ist so viel weniger bürokratisch, dass die Kreativität viel schneller zur Entfaltung kommt“, erklärt Moderator und Mitgründer Nils Bomhoff.

 

Gerade wird ein sogenanntes Let's Play aufgezeichnet. Ein Format bei dem der Zuschauer mit ansieht, wie zum Beispiel mehrere Spieler gegeneinander antreten. Das sogenannte Gaming macht einen großen Teil des Senderprofils aus. Aber auch Fußball- oder Kinosendungen werden ausgestrahlt. Und das Programm kommt an: Unter anderem wurde das Projekt mit dem Webvideopreis 2014 und 2015 sowie dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Moderator Nils Bomhoff.
Moderator Nils Bomhoff. Foto: dpa
 

24 Stunden am Tag sendet „Rocket Beans TV“ im Internet. Die fünf Gründer haben früher mit „Game One“ eine gemeinsame Sendung gemacht, die bei MTV ausgestrahlt wurde. Kurz nachdem „Game One“ 2014 abgesetzt wurde, startete 2015 dann das 24-stündige Live-Programm. Zunächst auf der Streamingplattform Twitch, aber mittlerweile ist der Sender auch bei YouTube.

„Das klassische Fernsehen hat immer noch ein wesentlich höheres Budget“, sagt Bomhoff. Für ihn sei dies einer der größten Unterschiede. Bei den Sendungen der Hamburger müsse viel Sendezeit gefüllt werden. Dadurch entstehe aber auch Platz für neue und innovative Formate. „Wir haben wunderbare, kreative Leute, die mit unglaublich viel Herzblut arbeiten“, das mache den Sender besonders, ergänzt Sprecherin Lisa Handirk. Rund 90 Mitarbeitern stemmen bei „Rocket Beans“ das gesamte Programm.

Dabei kann jeder der Lust hat, eigene Formate auf den Sender bringen. Zwei Mitarbeiter, die eigentlich hinter den Kulissen arbeiten, hätten zum Beispiel jeden Morgen eine Stunde privat gespielt und seien dann auf die Idee gekommen, ihre Partien live zu streamen. Aber nicht alles ist bei den „Rocket Beans“ laissez-faire und spontan.

Jeden Morgen gibt es ein klassisches Meeting, bei dem die Redaktion, Aufnahmeleitung und Regie das Tagesprogramm besprechen. Daneben gibt es wöchentliche Redaktionskonferenzen. Weil neben dem Live-Programm auch einzelne Videos hochgeladen werden, sei es schwierig, eine Gesamtreichweite zu ermitteln. Der Sender gibt an, dass pro Woche alle Zuschauer zusammengerechnet eine Millionen Stunden des Programms sehen würden. Diese Zahl ergebe sich aus den Live-Zuschauern sowie den abgerufenen Videos. Zudem gebe es etwa 650.000 Abonnenten auf den verschiedenen YouTube-Kanälen und 316.000 Follower auf Twitch.

In der Spitze würden 50.000 Zuschauer das Live Programm gucken. Dabei erreichen die Hamburger verglichen mit linearen Fernsehsendern, ein sehr junges Publikum. Die Zuschauer sind nach Angaben von „Rocket Beans“ durchschnittlich 25 Jahre alt. Die Finanzierung des Senders ist dabei ein ständiges Thema. „Als wir angefangen haben, wussten wir, dass man dieses Senderprojekt jetzt drei Monate machen kann und dann müssen wir weitersehen“, erzählt Sprecherin Lisa Handirk. Damals wurde die Startsumme über einen Spendenaufruf in der Fangemeinde akquiriert.

Mittlerweile gibt es zwei Säulen, die das Projekt am Leben halten. Einerseits gibt es klassische Einnahmen durch Werbespots, Produktplatzierungen oder Auftragsproduktionen. Andererseits finanziert sich der Sender durch Geld, dass die Fans ausgeben. Das sind zum Beispiel Spenden, Merchandise oder Amazon Affiliate-Links.

Was die Zukunft bringt, sei ungewiss. Gerade würden die Verhandlungen für 2018 laufen, darüber hinaus könne man noch nichts planen. „Eines unser größten Ziele ist es aber selbstverständlich, für einige Jahre Planungssicherheit zu erlangen“, sagt Handirk.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen