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Schüsse auf der Reeperbahn : Rocker-Mythos: Was Hamburg von SH lernen kann

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf St. Pauli tobt ein Machtkampf zwischen den Hells Angels und den Mongols. In SH ist das Geschichte, kommentiert Eckard Gehm.

In Hamburg sind die „Hells Angels“ seit 1986 verboten, bestätigt durch das Bundesverwaltungsgericht. Das erste deutsche Chapter hatte in den 70er Jahren in großem Stil Bordelle übernommen und schreckte dabei vor Gewalttaten nicht zurück. So sollen führende Mitglieder der Hamburger „Angels“-Hierarchie an der brutalen Tötung eines Discobetreibers auf Sylt beteiligt gewesen sein.

Zu glauben, die Rocker seien mit dem Verbot auf ewig vertrieben worden, ist jedoch ein Fehler. Der Kiez rund um die Reeperbahn ist mittlerweile wieder ihr Revier. Über die Jahre sind sie eingesickert – und nun, da ihnen eine verfeindete Gruppierung diese Position streitig macht, wird sogar wieder zur Waffe gegriffen. Der Konflikt mit den „Mongols“ und die filmreife Schießerei am Montag auf der Reeperbahn sind der Beweis dafür.

Die Hamburger Politik muss jetzt schnell reagieren, denn ein Rockerclub dient als Deckung für kriminelle Machtentfaltung und für Straftaten. Den Rockern geht es immer ums Geld. Und es kann viel davon verdient werden, wenn die Konkurrenz im Rotlichtmilieu ausgeschaltet wird. Vielleicht hilft den Entscheidern ein Blick nach Schleswig-Holsteiner. Vor fünf Jahren tobte im Norden ein Machtkampf mit vielen Verletzten. Die „Bandidos“ waren angetreten, um den alteingesessenen „Hells Angels“ Teile ihres Territoriums abzunehmen. Das Innenministerium griff hart durch und verbot die beteiligten Gruppierungen aus Flensburg, Kiel und Neumünster.

Entscheidend dabei war, beide konkurrierenden Fraktionen, „Hells Angels“ und „Bandidos“, zu verbieten. So konnte sich keine Seite mehr als mächtige Organisation präsentieren. Seit diesen Tagen sind Rocker in Kutten sehr viel seltener geworden, größere Gewalttaten hat es nicht mehr gegeben. Natürlich sind hauptsächlich die „Hells Angels“ weiterhin aktiv, wie Ermittler bestätigten. Und vermutlich verdienen sie weiter Geld mit Prostitution, Waffen- und Drogenhandel. Aber der Nimbus, außerhalb des Gesetzes zu stehen, ist gebrochen.

In Schleswig-Holstein sind die Rocker keine Macht mehr, sondern ganz normale Straftäter, die als solche verfolgt werden – ihr Mythos ist gestorben.

 

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erstellt am 30.Dez.2015 | 10:18 Uhr

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