Hamburg : Renaissance für den Linienverkehr auf der Alster?

Ein Dampfer schippert über die Alster. Hamburg sehnt sich wieder nach mehr als nur Ausflugsschifffahrt.
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Ein Dampfer schippert über die Alster. Hamburg sehnt sich wieder nach mehr als nur Ausflugsschifffahrt.

1984 wurde der Linienbetrieb eingestellt. Jetzt werden die Möglichkeiten eines Neustarts ausgelotet.

shz.de von
21. März 2017, 16:26 Uhr

Hamburg | Mit der Linienfähre über die Alster schippern? Als tägliches Verkehrsmittel  für den Weg ins Büro? Ganz aussichtslos ist die Idee eines regelmäßigen Liniendienstes auf dem Stadtsee plötzlich nicht mehr. Hatte die rot-grüne Bürgerschaftsmehrheit noch Ende 2016 einen CDU-Antrag für eine Pilot-Verbindung vom Mühlenkamp (Winterhude) zum Jungfernstieg abgelehnt, könnte eine andere Strecke den Durchbruch bringen. „Wir verschließen uns keinen Ideen zur Wiedereinführung des Schifffahrtsbetriebs und werden die Gespräche mit Verantwortlichen suchen“, lockerte Alexander Kleinow von der SPD im Bezirk Nord jetzt die Blockadehaltung seiner Partei. 

1984 hatte die Stadt den Linienbetrieb nach 125 Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Waren in der Blütezeit der Alsterfähren in den 1950ern jährlich noch drei Millionen Fahrgäste an Bord gegangen, hatten die Einnahmen zuletzt nur noch zehn Prozent der Kosten gedeckt. Inzwischen gibt es Alstertouren ausschließlich für Ausflügler, und das auch fast nur im Sommerhalbjahr.

Dabei denken die Nord-Sozis jedoch nicht an die Nord-Süd-Route zum Jungfernstieg, sondern an eine West-Ost-Verbindung, beispielsweise zwischen Fährdamm und Uhlenhorster Fährhaus. Die Alstertouristik GmbH hat diese Strecke voriges Jahr bereits an Feiertagen und Wochenenden bedient. Allerdings dürfte nicht das städtische Unternehmen, sondern eher der Verein Alsterdampfschifffahrt e.V. als Betreiber in Frage kommen. Denn unverändert bestehen SPD und Grüne darauf, dass etwaige Verluste nicht zulasten der Stadtkasse gehen. Kleinow: „Der Verein für Alsterdampfschifffahrt hat gezeigt, dass durchaus Potential bei privatem Engagement und Schiffslinien auf der Alster vorhanden ist.“ 

Matthias Kruse, Vorsitzender der Alsterdampfschifffahrt e.V., zeigte sich erfreut über die Wende, die bei einer Expertenanhörung im bezirklichen Fachausschuss zustande kam. „Das ist eine Revolution“, sagte der Vereinschef dem „Hamburger Wochenblatt“. Seit Jahren setzen er und seine Mitstreiter sich für Linienverkehr auf der Alster ein. In den kommenden Wochen will der Verein mit allen Beteiligten die Möglichkeiten ausloten, vor allem eine geeignete Strecke finden und die Finanzierung klären. Denn Letztere markiert den Knackpunkt aller Pläne.

Angesichts des notorisch überfüllten Hamburger ÖPNV hält CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering die Zeit für eine Wiederbelebung des Angebots für gekommen. Sein Motto: „Alsterschippern statt Bus-Mief und Stau-Frust.“ Die Alster sei ein weißer Fleck auf dem Streckenplan des öffentlichen Nahverkehrs, was liege für eine Wasserstadt näher, als diese Fläche für Linienverkehr nutzbar zu machen, fragt Thering. So würde eine Linie Mühlenkamp-Jungfernstieg die Situation auf der überlasteten Metrobuslinie 6 entschärfen. Übermäßige Kosten fallen nach Überzeugung des CDU-Politikers nicht an, für einen Pilotversuch könnten vorhandene Ausflugsbarkassen genutzt werden. „Die sind leistungsfähig, umweltschonend und kosteneffizient.“

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