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Inbetriebnahme in der Nordsee : Rekord-Entfernung: Windpark Global Tech I ist am Netz

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140 Kilometer vor Emden: Der neue Windpark liegt so weit offshore wie noch nie. Die Betreiber sprechen von Pionierarbeit.

Hamburg | Mit einer Feier in der Hamburger Hafencity ist am Mittwoch der bislang am weitesten von der Küste entfernte Windpark Deutschlands in Betrieb genommen worden. Die Betreiber bezeichneten das mehr als 140 Kilometer vor Emden liegende Kraftwerk aus 80 Windanlagen als „Pionierprojekt“. „So weit hat vor uns noch keiner vor der Küste gebaut“, sagte der technische Geschäftsführer Jan Podbielski.

Die Bundesregierung plant, dass die Offshore-Windenergie bis 2020 eine Leistung von 6500 Megawatt erreicht, zehn Jahre später sollen es 15.000 Megawatt sein. Das entspräche ungefähr der Leistung von neun Kohlekraftwerken in der Größe des neuen in Hamburg-Moorburg. Der Ausbau der Windenergie wird zum größten Teil über die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz finanziert. Danach erhalten die Betreiber für jede Kilowattstunde Strom 19 Cent. An der Strombörse kostet die Kilowattstunde derzeit etwa drei Cent.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, sein Bremer Amtskollege Carsten Sieling und der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (alle SPD) drückten gemeinsam mit Gesellschaftern und Geschäftsführern der Projektgesellschaft den symbolischen Knopf. „Global Tech I ist ein Teamwork der Spitzenklasse“, sagte Scholz. Über Bundesländer und Landesgrenzen hinweg sei das Projekt geplant, finanziert und realisiert worden. Der Windpark sei ein hervorragendes Beispiel dafür, dass das Zentrum der Offshore-Windindustrie an der deutschen Nordseeküste liege, meinte Sieling. Niedersachsens Wirtschaftsminister Lies zeigte sich beeindruckt von der technischen und logistische Leistung, „die mich als Elektroingenieur begeistert“.

Die Fünf-Megawatt-Turbinen und die Umspannstation wurden auf einer 41 Quadratkilometer großen und bis zu 40 Meter tiefen Meeresfläche errichtet. Global Tech I kann bis zu 400 Megawatt Strom produzieren. Rein rechnerisch können damit 445.000 Haushalte versorgt werden. An dem Projekt mit einem Investitionsvolumen von 1,8 Milliarden Euro sind die Stadtwerke München, die Darmstädter Entega AG, die Schweizer Axpo International S. A. und sieben weitere Gesellschafter beteiligt.

Auf der Umspannstation des Windparks werden 37 Mitarbeiter von Global Tech I jeweils zwei Wochen lang tätig sein. Für sie wurde eine „autarke Kleinstadt“ auf See gebaut. Die Station ist nicht nur Logistikstandort mit 3500 Ersatzteilen, sondern verfügt auch über Wohnräume, einen Helikopterlandeplatz mit Tankstelle, eine Wasseraufbereitungsanlage und eine Brandabwehr. Zur medizinischen Versorgung gibt es eine Krankenstation mit telemedizinischen Geräten.

Mit den Betreibern der benachbarten Windparks alpha ventus, Riffgat und Trianel wurde ein gemeinsames Rettungskonzept vereinbart. Die Betriebsleitstelle des Windparks befindet sich in der Hamburger Hafencity.

Schwierigkeiten beim Bau ergaben sich durch eine Verzögerung des Netzanschlusses um zwei Jahre. Die Kosten seien deshalb von 1,6 auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen, sagte der für den Betrieb verantwortliche Geschäftsführer Detlef Schmeer. Die Windverhältnisse in dem Meeresgebiet sollen erlauben, dass Global Tech I 4000 von 8760 Stunden im Jahr im Volllastbetrieb Strom liefert. Das sei doppelt so viel Volllast wie ein Windpark an Land.

Bis Ende des Jahres will die Windenergiebranche Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3300 Megawatt vor den deutschen Küsten betreiben. Am 30. Juni produzierten 668 Windräder bereits fast 2800 Megawatt, teilte die Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie am Mittwoch mit. In der Nordsee drehten sich 574 Windräder mit einer Gesamtleistung von annähernd 2500 Megawatt, in der Ostsee 94 Turbinen mit gut 300 Megawatt.

Wo gibt es in Nord- und Ostsee noch Offshore-Windparks oder sind in Planung? Die Antwort finden Sie in unserer interaktiven Karte.

 

 

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erstellt am 02.Sep.2015 | 15:21 Uhr

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