zur Navigation springen

Nachfüllen statt Plastikmüll : „Refill Hamburg“: Hier gibt es Leitungswasser zum Nachfüllen

vom

Die Initiative soll Verbrauchern unterwegs Trinkwasser zugänglich machen. Ziel ist die Reduzierung von Plastikmüll.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2017 | 14:13 Uhr

Hamburg | In Bristol (England) gibt es die Aktion schon seit zwei Jahren. Es ist eigentlich recht einfach: Anhand von Aufklebern oder einer Online-Stadtkarte lassen sich Geschäfte, Restaurants oder Cafés erkennen, die kostenlos Leitungswasser anbieten und abfüllen. Alles was der Verbraucher benötigt, ist eine Trinkflasche. Mittlerweile gibt es in Bristol schon weit über 200 Abfüllstationen, an denen Verbraucher kostenlos Wasser für ihre Trinkflaschen bekommen. „Keiner braucht in Bristol mehr teure Plastikflaschen zu kaufen“, sagt Stephanie Wiermann aus Horst bei Hamburg. Die Aktion will sie auch auf die Hansestadt übertragen. Hamburg ist nun die erste deutsche Stadt, in der das Refill-Projekt umgesetzt wird.

Unterwegs kaufen viele Menschen Mineralwasser in Plastikflaschen. Ist der Durst gestillt, landen die Flaschen im besten Fall im Mülleimer. Das Plastik belastet jedoch die Umwelt und ist teurer, als das Auffüllen einer mitgebrachten Flasche.

Ein halbes Jahr Arbeit steckt in der Idee. Die Grafikerin und Webdesignerin baute eine Homepage, erarbeitete Social-Media-Auftritte, gestaltete das Logo, ließ Aufkleber drucken, und suchte den Kontakt zu Geschäftsinhabern. Drei Verteilerorte hat sie in Hamburg gefunden, dort können Interessierte einen Aufkleber mitnehmen, um ihn selbst in das eigene Schaufenstergeschäft zu kleben, oder um andere Geschäfte von der Idee zu überzeugen.

Sonja Schelbach von Stückgut war von Anfang an dabei. Ihr gefällt die Idee. Ein Aufkleber von „Refill Hamburg“ klebt schon an der Fensterscheibe. „Es passt bei uns natürlich thematisch auch super herein“, so die Unternehmerin. In ihrem kleinen Laden in Ottensen gibt es keinen Plastikmüll, die Verbraucher kaufen die Lebensmittel und transportieren sie in selber mitgebrachten Verpackungen. Hier werden nicht nur Äpfel, Kartoffeln oder Müsli verpackungsfrei angeboten, auch eine ganze Palette an Putz-, Hygiene- und Kosmetikartikeln sowie Essig, Öl und allerlei Trockenkost. Bei ihr im Laden steht auch ein Wasserspender.

 

„Natürlich kann man längst schon so in vielen Läden kostenloses Wasser bekommen“, sagt Stephanie Wiermann. Doch die Hemmschwelle, bei teilnehmenden Geschäften nach Wasser zu fragen, sei nun viel geringer. „Man muss jetzt nicht mehr vorsichtig anfragen, und Angst haben, einen Korb zu bekommen.“ Außerdem sei es auch eine Chance, eine Art Imagekampagne, Menschen, die nicht so vehement auf Plastik verzichten, zum Mitmachen zu animieren. Das Hamburger Trinkwasser ist immerhin von sehr guter Qualität und wird umfassend kontrolliert. Das Leitungswasser enthält weder Blei noch Kupfer.

Die Resonanz in Hamburg ist seit dem Start positiv. Vor zwei Wochen waren schon rund 15 Geschäfte dabei. Mittlerweile gibt es bereits 35 Refill-Stationen von Osdorf bis Barmbek, von Fuhlsbüttel bis Billbrook. Neben klassischen Cafés und Restaurants haben sich auch Hostels, eine Apotheke und ein Weinladen gemeldet, selbst Kosmetikshops bieten das Auffüllen der Trinkflasche an. Dazu kommen Refill-Stationen von „Hamburg Wasser“, dem Unternehmen, das für Hamburgs Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung zuständig ist. Seit einem halben Jahr gibt es am Hamburger Flughafen kostenloses Trinkwasser. An insgesamt vier Spendern von „Hamburg Wasser“ können Passagiere ihre mitgebrachten Trinkflaschen mit Leitungswasser auffüllen. Zwei Trinkwasserspender stehen im Sicherheitsbereich des Flughafens bei den Gates, zwei weitere bei der Gepäckausgabe. Auch diese Orte sind auf Wiermanns Karte verzeichnet.

Stephanie Wiermann hat die „Refill“-Initiative nach Hamburg geholt.
Stephanie Wiermann hat die „Refill“-Initiative nach Hamburg geholt. Foto: Mona Adams
 

Stephanie Wiermann ist überzeugt von ihrem Lebensstil und versucht zu überzeugen. Die gebürtige Hamburgerin gibt VHS-Kurse und Workshops. Auf ihrem Blog gibt es Praxis- und Einsteigertipps zum plastikfreien Leben. Seit einigen Jahren lebt Wiermann ohne Plastikmüll. Ihr Wissen will sie teilen. „Es ist unser Planet. Gutes Wissen muss sich verbreiten“, sagt die 50-Jährige. Auf ihrer Webseite gibt es Tipps zum Nachmachen. So lassen sich beispielsweise Aufkleber für andere Städte generieren. In Chemnitz und Bonn wurde die Idee vor einigen Tagen kopiert, erste Anfragen kamen auch aus Kiel und Köln, Leipzig und Bremen.

Weitere Informationen und die Karte unter www.refill-hamburg.de.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen