50.000 Besucher : Reeperbahn Festival bleibt eine Bereicherung für Hamburg

Die diesjährige Gewinnerin des Newcomerpreises ist die ukrainische Rapperin alyona alyona.

Die diesjährige Gewinnerin des Newcomerpreises ist die ukrainische Rapperin alyona alyona.

Viele Einheimische und Touristen ließen sich am Wochenende musikalisch durch St. Pauli treiben.

Avatar_shz von
22. September 2019, 16:31 Uhr

Da steht sie nun, alyona alyona, und sieht ein bisschen aus, als könnte sie es selbst noch nicht fassen. Die ukrainische Rapperin ist die diesjährige Gewinnerin des Anchors – jener Newcomerpreis, der im Rahmen des Reeperbahn Festivals verliehen wird. Wie sie mit irrem Flow über die Situation der jungen Generation in ihrer Heimat rappt, hat nicht nur die prominente Jury um Produzenten-Legende Tony Visconti nachhaltig beeindruckt, sondern sorgt auch bei der toll inszenierten Preisverleihung im St. Pauli Theater für lauten Jubel.

Die sechs Nominierten hätten unterschiedlicher kaum sein können: Die britische Soul-Sängerin Celeste, die chinesische Punk-Pop-Frauenband The Hormones, das Post-Punk-Trio DRAHLA, Songwriterin Moyka aus Norwegen, das Dream-Pop-Duo Feng Suave und eben alyona alyona. Zusammen sind sie ein gutes Beispiel dafür, was die rund 50.000 Besucher bei der 14. Auflage des Reeperbahn Festivals alles erleben konnten.

600 Konzerte von 412 Acts aus 51 Nationen

Schon bei der Eröffnungsveranstaltung „Doors Open“ lobte Kultursenator Dr. Carsten Brosda das Festival für seine Diversität, und tatsächlich wirkt das Programm jedes Jahr noch ein bisschen vielfältiger. Rund 600 Konzerte von 412 Acts aus 51 Nationen standen dieses Mal auf dem Programm.

Auftritt des Folk-Duos „Pierce Brothers“.
Christoph Eisenmenger

Auftritt des Folk-Duos „Pierce Brothers“.

 

Wir haben in der Hauptkirche St. Michaelis anmutig dem Indie-Pop von Mighty Oaks gelauscht und im Fanshop des FC St. Pauli zwischen Kleiderständern den an Ben Howard erinnernden britischen Songwriter Nathan Ball entdeckt. Wir haben uns beim Showcase der Country Music Association im Thomas Read angehört, wie Blanco Brown HipHop und Country verbindet, und beim Aussie BBQ im Molotow einen Eindruck von der abwechslungsreichen Musikszene des diesjährigen Partnerlandes Australien gemacht – von dem Folk-Duo The Pierce Brothers bis zu dem lauten Punk von DZ Deathrays.

Mando Diao sprengt den Bahnhof Pauli

Überzeugen konnte auch die irische Rock-Band Inhaler, bei der der Sohn von U2-Sänger Bono am Mikrofon steht. Obendrauf gab es ein spontanes Wiedersehen mit Mando Diao: Der Auftritt der schwedischen Band wurde erst einen Tag vorher bekannt gegeben, doch der Bahnhof Pauli, der gerade mal 400 Leute fasst, platzte aus allen Nähten. Mando Diao präsentierten ein paar Stücke ihres im Oktober erscheinenden Albums „Bang“, mit dem sie wieder zur Rockmusik zurückkehren. Es waren aber vor allem alte Stücke wie „Dance With Somebody“ und „Down In The Past“, die das Publikum in Begeisterung versetzten.

Mando Diao bringen im Oktober ein neues Album heraus.
Christian Hedel

Mando Diao bringen im Oktober ein neues Album heraus.

 

Zwischen den Konzerten flanierten wir über die Poster-Ausstellung „Flatstock“ auf dem Spielbudenplatz und probierten im Festival Village beim Music Makers Playground Instrumente namenhafter Hersteller aus. Wir drehten ein paar Runden bei der Rollerdisco und weinten bei der Lesung von Anja Rützel vor Lachen. Die Autorin, die für ihre lustigen Dschungel-Camp-Betrachtungen auf Spiegel Online bekannt ist, hat für eine Reihe im KiWi Verlag ein höchst amüsantes Buch über ihre Lieblingsband Take That geschrieben.

Spontankonzerte auch ohne Ticket

Selbst Menschen ohne Ticket konnten an diesem Wochenende übrigens vom Reeperbahn Festival profitieren. Felix Kummer von Kraftklub parkte am Donnerstag mit einem Truck an der Bushaltestelle vor Burger King und spielt Stücke seines kommenden ersten Soloalbums.

Am Freitag derweil gaben Deichkind vor dem Millerntor ein Spontankonzert. Die 45-minütige Show wurde zur riesen Party inklusive Konfettikanonen und Neonlicht. Und der Spielbudenplatz verwandelte sich mit seinen zahlreichen Open-Air-Bühnen wieder einmal zum schönsten Platz der Stadt. Das Reeperbahn Festival ist und bleibt eine Bereicherung für Hamburg.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen