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Entführung vor 20 Jahren : Reemtsma-Millionen: Jagd nach Lösegeld eingestellt

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Die Ermittler machen sich keine Hoffnungen mehr, noch Lösegeld aus der Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma zu finden.

Hamburg | Das Geld zerrann ihm wie Sand durch die Finger: 20 Jahre nach der Reemtsma-Entführung steht Haupttäter Thomas Drach offensichtlich mit leeren Händen da. Die Jagd nach dem Lösegeld ist offiziell beendet, von umgerechnet einst 15 Millionen Euro ist vermutlich alles ausgegeben oder wiedergefunden worden. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ mit Hinweis auf das Hamburger Landeskriminalamt (LKA) und auf die Sicherheitsfirma Espo. Diese hatte im Auftrag des Hamburger Milliardärs Jan-Philipp Reemtsma weltweit die Spur der vermissten Millionen verfolgt. Und das mit erhöhter Aufmerksamkeit, seit Drach 2013 die JVA Fuhlsbüttel nach 15 Jahren Haft als freier Mann verlassen konnte. Zum Verbleib der größten Lösegeldsumme der deutschen Kriminalgeschichte hatte der Kidnapper stets eisern geschwiegen.

Doch auf versteckte Beute-Millionen darf der Berufskriminelle offenbar nicht mehr hoffen. Laut „Welt am Sonntag“ räumten die Fahnder sein wohl letztes Geld-Depot in Uruguay ebenfalls bereits im Jahr 2013 aus. In einer geheimen Aktion hätten Espo-Ermittler damals für Reemtsma 459.900 US-Dollar (417.000 Euro) aus einem Bankschließfach im Badeort Punta del Este gepfändet. Drach hatte sich nach der Entführung bis 1998 zwei Jahre lang in dem südamerikanischen Land versteckt und dort ein Luxusleben geführt. Dabei verprasste er vermutlich bereits Millionen.

Nach jahrelanger Detektivarbeit sind die privaten wie staatlichen Ermittler nun sicher: Was Drach nicht selbst vor seiner Festnahme auf den Kopf haute, ging für die Bezahlung seiner Mittäter, von diversen Geldwäschern und bei dubiosen Geschäften drauf. In einem späteren Prozess in Hamburg hatte Drach angegeben, sein Bruder Lutz habe „Geld falsch angelegt“ und schulde ihm deshalb fünf bis sechs Millionen Euro. Thomas Drach hatte versucht, aus dem Gefängnis heraus eine Entführung seines Bruders zu organisieren. Nach seiner Haftentlassung war der 54-Jährige zunächst in der Villa eines Freundes auf Ibiza unterkommen. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

Tabak-Erbe Jan-Philipp Reemtsma war im März 1996 vor seiner Blankeneser Villa verschleppt und 33 Tage in einem Kellerverlies bei Bremen gefangen gehalten worden. Seine Familie zahlte aus Privatvermögen 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken für die Freilassung am 26. April 1996. Literaturwissenschaftler Reemtsma hat seine Entführung im Buch „Im Keller“ auf eindrucksvolle Weise verarbeitet. Seinen Kidnappern verziehen hat er nie. Nach Drachs Freilassung im Oktober 2013 betonte das Opfer den Willen, die Restbeute zu finden. Damals sagte Reemtsma über seinen Peiniger: „Es ist ein störender Gedanke, dass er sich möglicherweise von dem Geld, was er auf die Seite gebracht hatte, ein gutes Leben machen kann.“

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erstellt am 06.Mär.2016 | 15:43 Uhr

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