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Hamburg : Reederei Rickmers stellt Insolvenzantrag

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Die HSH Nordbank verweigert der Reederei Unterstützung für das Sanierungskonzept.

Die Hamburger Charterreederei Rickmers Group hat am Donnerstag einen Insolvenzantrag beim zuständigen Hamburger Amtsgericht gestellt. Das bestätigte ein Sprecher der Reederei. Der Insolvenzantrag war notwendig geworden, nachdem die HSH Nordbank am Vortag dem Sanierungskonzept für das Unternehmen die Unterstützung verweigert hatte.

Rickmers ist durch die lange und schwere Schifffahrtskrise in Bedrängnis geraten und steht am Rand der Pleite. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 2000 Mitarbeiter.

Der Vorstand hielt die Pläne für nicht tragfähig. Daraufhin war das Konzept hinfällig und keine positive Prognose für die Reederei mehr möglich. Rickmers strebt nun eine Insolvenz in Eigenverwaltung an und will den Geschäfts- und Schiffsbetrieb fortführen.

Die Gläubiger einer 275-Millionen-Euro-Anleihe der Rickmers Group kamen unterdessen in Hamburg zusammen, um einen gemeinsamen Vertreter zu bestimmen. Die ursprünglich geplante Abstimmung über das Sanierungskonzept war mit der Absage der HSH Nordbank hinfällig.

Das Sanierungskonzept hatte vorgesehen, dass die Banken ebenso wie die koreanische Hyundai-Werft und der Alleinaktionär Bertram Rickmers einen Betrag leisten. Bertram Rickmers sollte sich von drei Vierteln seiner Anteile trennen und einen zweistelligen Millionenbetrag aus seinem Vermögen nachschießen. Über eine zwischengeschaltete luxemburgische Holding sollte das Unternehmen erst saniert und dann verkauft werden. Insgesamt hätten sich die verschiedenen Sanierungsbeiträge durch Verzicht, Stundung und Sonstiges nach einer vorläufigen Übersicht auf 706 Millionen Euro belaufen.

Das vergangene Geschäftsjahr endete für Rickmers mit einem Verlust von 341 Millionen Euro, die Schulden liegen bei rund 1,5 Milliarden Euro. Dazu zählen auch 275 Millionen Euro, die Anleger der Reederei über eine hochverzinste Anleihe mit einem Coupon von 8,875 Prozent zur Verfügung gestellt haben. Davon werden sie einen Großteil verlieren.

Gegenwärtig liegt der Börsenkurs der Anleihe bei etwa 6,9 Prozent. In ähnlicher Höhe wäre mit 6,7 Prozent nach den Angaben aus dem nun geplatzten Sanierungskonzept auch eine Insolvenzquote zu erwarten.Die Kredit-Verbindlichkeiten entfallen nach früheren Angaben zu einem Großteil auf die HSH Nordbank und die Unicredit Bank AG.

Die Rickmers Gruppe besitzt oder managt mehr als 100 Containerschiffe sowie rund 30 weitere Massengut- oder Spezialschiffe. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 2000 Mitarbeiter.

Hintergrund: Die Reederei Rickmers

Die Rickmers Group, die am Donnerstag Insolvenzantrag stellte, wurde von Bertram Rickmers 1996 gegründet.

Zuvor hatte er gemeinsam mit seinem Bruder Erck Rickmers das Investmenthaus Nordcapital geführt. Beide stammen in fünfter Generation aus einer traditionsreichen Familie von Reedern, Händlern und Schiffbauern, die seit mehr als 180 Jahren in Bremerhaven und Hamburg ihre Spuren hinterlassen hat. Stammvater war der Fischersohn Rickmer Clasen Rickmers, der 1807 auf Helgoland geboren wurde und 1834 in Bremerhaven eine Werft gründete. Der 1896 gebaute Dreimaster „Rickmer Rickmers“, der als Museumsschiff im Hamburger Hafen liegt, ist nach seinem Enkel benannt. Er gehört einer Stiftung.

Die Rickmers Group hatte zum Ende des vergangenen Jahres 114 eigene und fremde Schiffe unter ihrem Management und war in 13 Ländern mit 16 Standorten präsent. Neben zahlreichen technischen und finanziellen Dienstleistungen gehörte auch eine eigene Linienreederei für Stückgut, Schwergut und Projektladung zum Konzern, die inzwischen verkauft wurde. Rickmers-Schiffe sind an Linienreedereien verchartert und tragen auch deren Namen und Farben, also zum Beispiel von Maersk.

Nach dem vorläufigen Geschäftsbericht erreichte die Rickmers Group im vergangenen Jahr einen Umsatz von 483 Millionen Euro und machte dabei 341 Millionen Euro Verlust. Die Netto-Finanzverschuldung wird mit 1,46 Milliarden Euro angegeben. Das Unternehmen beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter.

 
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erstellt am 01.Jun.2017 | 11:15 Uhr

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