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Nach Maersk-Übernahme : Reederei Hamburg Süd: Jeder zehnte Job fällt weg

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Maersk will im operativen Bereich von Hamburg Süd Synergien mit eigenen Aktivitäten heben. 112 Arbeitsplätze fallen weg.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 19:05 Uhr

Hamburg | Freitag, der 13. – für viele Mitarbeiter der Traditionsreederei Hamburg Süd war das tatsächlich kein guter Tag. Bei einer Betriebsversammlung hat die Geschäftsführung am Vormittag den Wegfall etwa jeder zehnten der knapp 1000 Stellen am Standort Hamburg angekündigt. Der Jobabbau ist Folge der Übernahme durch den dänischen Weltmarktführer Maersk. Der will im operativen Bereich von Hamburg Süd Synergien mit eigenen Aktivitäten heben.

Teilnehmer der nicht öffentlichen Versammlung im Kreuzfahrtterminal Altona berichteten im Anschluss, Noch-Reederei-Geschäftsführer Ottmar Gast habe die Streichung von exakt 131 Stellen angekündigt. Zugleich wolle Maersk durch Verschiebungen im Konzern 19 neue Posten an der Elbe schaffen. Unter dem Strich verliert der Standort damit 112 Arbeitsplätze.

Maersk hatte sich Ende vorigen Jahres mit Oetker-Gruppe auf einen Kauf von Hamburg Süd geeinigt. Nach Zustimmung der Kartellbehörden dürfte der Deal in den kommenden Monaten endgültig vollzogen werden. Der Preis soll 3,7 Milliarden Euro betragen. Maersk-Chef Søren Skou will nach eigenen Aussagen durch die Übernahme bis zu 365 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Die 1871 gegründete Hamburger Reederei steuert eine Flotte von 189 Schiffen, davon befinden sich 48 im eigenen Besitz. Angaben zum Geschäftsergebnis macht die Oetker-Tochter grundsätzlich nicht, zuletzt dürfte die Nummer sieben in der weltweiten Containerschifffahrt allerdings in die roten Zahlen gerutscht sein.

Nach der zweistündigen Betriebsversammlung herrschte bei vielen Mitarbeitern Ernüchterung. Andere urteilten, es hätte noch schlimmer kommen können. Die Betriebsratsvorsitzende Sabine Fischbach kündigte an, die Arbeitnehmervertretung werde um den Erhalt möglichst vieler Jobs kämpfen. Sie sei nach Enthüllung des Zukunftsplanung „nicht ganz hoffnungslos“, dass es gemeinsam mit der Geschäftsleitung gelingen könne, „die schlimmen Nachrichten zumindest abzumildern“.

Offen ließ Ottmar Gast am Freitag, ob die Hamburg-Süd-Schiffe auch künftig unter deutscher Flagge fahren werden. Das müsse Maersk erst noch entscheiden. Auch herrscht weiterhin keine Klarheit darüber, welche Auswirkungen der Verkauf auf die Umschlagmengen im Hamburger Hafen hat, wo Hamburg Süd bisher Kunde am Burchardkai der HHLA ist. Maersk hält Beteiligungen an Terminals in Rotterdam, Bremerhaven und Wilhelmshaven. Marktbeobachter erwarten, dass die Dänen bevorzugt ihre eigenen Kapazitäten in den anderen Häfen auslasten und weniger Schiffe des aufgekauften Konkurrenten nach Hamburg schicken werden.

Der langjährige Reederei-Chef Gast geht Ende des Jahres in Ruhestand und wechselt in den Aufsichtsrat. Nachfolger wird der bisherige Hamburg-Süd-Vorstand Arnt Vespermann.

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