Genuss statt Diskriminierung : Redhead Days: Europas Rothaarige feiern gemeinsam in Hamburg

<p>Unbeschwert ist die Gegenwart der Rotschöpfe.</p>

Unbeschwert ist die Gegenwart der Rotschöpfe.

Beim internationalen Stelldichein pflegen die Rotschöpfe ihre kollektive Identität und freuen sich auf ein Gruppenfoto.

shz.de von
06. September 2018, 07:15 Uhr

„Natürlich ist man im Alltag als Rothaariger immer in der Minderheit. Deshalb ist es so schön zu sehen, wie viele es von uns noch gibt“, sagt Jan Meier. Er ist einer von rund 150 Millionen Rothaarigen auf der Welt und will gemeinsam mit hunderten anderen an diesem Wochenende beim großen Rothaarigentreffen in Hamburg teilnehmen. Rothaarige aus ganz Europa treffen sich in der Hansestadt, feiern gemeinsam und möchten ein positives Zeichen setzen. „Es ist witzig, und man zeigt, wie irrelevant äußere Eigenschaften sind“, sagt Tristan Rodgers, Veranstalter des Treffens und selbst rothaarig.

Naturrote Haare sind selten

Höchstens zwei Prozent der Weltbevölkerung sind echte Rotschöpfe; zu den prominentesten gehören Popstar Ed Sheeran oder Prinz Harry. Die auffällige Haarfarbe ist das Resultat einer Mutation in dem Gen mc1r und wird nur vererbt, wenn beide Elternteile sie in sich tragen. Das Gen steuert die Bildung von Eumelanin und ist bei den meisten Rothaarigen funktionslos. Das führt dazu, dass bei ihnen in Haut, Haaren und Augen statt des dunklen Eumelanin das hellere Pigment Phäomelanin vorkommt. Rothaarige sind auf der ganzen Welt in der Minderheit und kämpfen mit Klischees, die ihre Wurzeln in der westlichen Kultur des Mittelalters haben und noch heute von Medien und Werbung teils aufrecht erhalten werden.

„Die Leute assoziieren die Haarfarbe mit Problemen, was es dann eigentlich erst zu einem Problem macht“, erklärt Rodgers. Er ist Herausgeber des „MC1R“-Magazins für Rothaarige. Doch es gebe Gegenbewegungen. „Das Zeitalter der Probleme ist Vergangenheit“, sagt der 33-Jährige. Das Rothaarigentreffen in Hamburg ist nur ein Teil davon.

Keine Probleme mehr

Beginnend in den Niederlanden gibt es inzwischen überall auf der Welt Redhead Days mit Tausenden Teilnehmern. In Italien, Irland und Großbritannien zelebrieren sie ihre Haarfarbe. Während die einen schon immer ihre Einzigartigkeit mochten, litten andere unter der Kindheit als Karottenkopf. Kennen tun sie sie aber alle, die Klischees und Spitznamen. „Man fällt auf, lernt aber damit umzugehen. Wir diskutieren am Wochenende keine Probleme, wir genießen es einfach. Und falls doch einer mal ein Problem hat, sind da andere, die einem das Gefühl geben, nicht allein zu sein“, erklärt Rodgers. Natürlich spiele man an diesem Tag mit seinen äußeren Eigenschaften.

Die Aussage sei aber: „Es ist ungewöhnlich, aber lasst es uns einfach feiern und keine Vorurteile aufgrund körperlicher oder kultureller Merkmale haben.“ Die Idee kam Tristan Rodgers im Sommer 2017. Er habe gemerkt, dass es in Hamburg viele Rothaarige gebe und das Interesse an einem Treffen vorhanden sei. Er lud zu einem Picknick am Altonaer Balkon am Hafen ein. Zwei Wochen später kamen rund einhundert Rothaarige und hatten „unfassbar viel Spaß“, erzählt Rodgers. In diesem Jahr solle es ein bisschen größer werden, um dann Schritt für Schritt noch weiter zu wachsen.

Jan Meier freut sich besonders auf das gemeinsame Foto, als optisches Statement, und auf die Party. „Das hat ein bisschen was von einer Mottoparty, bei der man zusammen kommt ohne sich verkleiden zu müssen“, lacht er. Meier will seine Frau und seine beiden Kinder mitnehmen. Alle drei sind brünett. „Vielleicht ist es für die Kinder eine schöne Erfahrung zu sehen, dass es noch viel mehr von Papas Sorte gibt“, witzelt er.

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