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Mit Kommentar aus der Redaktion : Radwanderrouten: Die Region will Velo-Schnellwege

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sternförmiges Netzwerk: Die TU Harburg hat im Auftrag der Metropolregion 33 Korridore untersucht.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Hamburg | Die Radler-Highways kommen: In der Metropolregion Hamburg soll ein Netz aus breiten Radschnellwegen entstehen, die Pendlern das umweltfreundliche Verkehrsmittel schmackhaft machen soll. „Perspektivisch sollten aus allen vier Himmelsrichtungen Radschnellwege nach Hamburg führen“, sagte Hamburgs Fahrradbeauftragte Kirsten Pfaue gestern bei der Vorlage einer Potenzialanalyse der Metropolregion. Pionier der Turbo-Radrouten will der Kreis Pinneberg werden, der sich grundsätzlich schon für den Bau einer Schnellwegs von Elmshorn nach Hamburg ausgesprochen hat.

Um die Möglichkeiten solcher neuen Routen für den gesamten Großraum Hamburg zu prüfen, hat die TU Harburg (TUHH) im Auftrag der Metropolregion 33 Korridore untersucht. Sie führen von größeren Orten des Speckgürtels in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen sternförmig in die Millionenstadt. Untersucht wurde, wie sich die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen und Schulen im Vergleich zu konventionellen Radwegen verändert. TUHH-Verkehrsplaner Marcus Peter: „Unsere Untersuchungen zeigen, dass ausgehend vom Wohnort die Erreichbarkeit um bis zu 75 Prozent verbessert werden kann.“ Besonders groß sei dieser Effekt auf den Korridoren, die Hamburg mit Schenefeld, Wedel, Quickborn, Elmshorn und Ahrensburg verbinden. Sie dürften damit am ehesten für eine Umsetzung in Frage kommen.

„Wir werden anhand der Potenzialanalyse nun prüfen, für welche der Korridore wir Machbarkeitsstudien in Auftrag geben“, sagte Jakob Richter, Geschäftsstellenleiter der Metropolregion. Erst in den vertieften Untersuchungen sollen Trassenverläufe festgelegt und Kosten ermittelt werden. Nach Erfahrungen anderer Bundesländern schlägt ein Kilometer Radschnellweg mit 260.000 bis 1,5 Millionen Euro zu Buche. Grünes Licht der Politik könnte es erst nach Vorliegen dieser und anderer Einzelheiten geben.

Der ADFC begrüßt Radschnellwege

Radschnellwege im Kreis Pinneberg: Beim Ortsgruppenverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs  (ADFC) in Pinneberg trifft diese Idee auf große Zustimmung. „Das ist eine tolle Möglichkeit, schnell und bequem mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen“, sagt Sprecher Ulf Brüggmann (Foto) und verweist dabei auf den entlastenden Effekt, den solche Schnellwege auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hätten. So stoße dieser an seine Kapazitätsgrenzen. Gleiches gelte für die A23. „Wir brauchen daher  weitere Transportwege. Das Fahrrad bietet da eine attraktive Option“, betont Brüggmann. Als Beispiel führt er Kopenhagen an. Die dänische Hauptstadt setzt bereits seit längerer Zeit auf Fahrräder als alternative Transportmittel.
„Im Großraum Kopenhagen macht der Radverkehr bereits  bis zu 45 Prozent des Gesamtverkehrs aus“, erklärt Brüggmann. Auch hierzulande würde er immer wieder Anfragen von Menschen erhalten, die auf der Suche nach Wegen sind, um schnell mit dem Fahrrad nach Hamburg zu kommen.
Für Brüggmann ein Indiz dafür, dass etwa die geplante Trasse zwischen Elmshorn und der Hansestadt  in der Bevölkerung auch nachhaltig Anklang finden wird. (pax)

 

Zweck des Konzepts ist ein deutlich zügigeres Vorankommen, vor allem für radelnde Pendler. Liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Radwegen sonst bei 14 Kilometern pro Stunde, erhöht sie sich auf den Tempotrassen auf 20 km/h. Die Turboradler sollen Privilegien in Form von „keinen oder nur geringen Wartezeiten an Kreuzungen“ erhalten. Wissenschaftler Peter: „Das kann durch Vorrangschaltungen an Ampeln sowie Über- und Unterführungen geschehen.“ Für Radschnellwege gilt eine Standardbreite von vier Metern, geradelt wir im Begegnungsverkehr. Pedelecs sind zugelassen, die bis zu 45 km/h schnellen E-Bikes nicht.

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Die Nase vorn hat der Kreis Pinneberg, wie Ulrich Rahnenführer (SPD) aus dem Wirtschaftsausschuss des Kreistages betont: „Wir haben einstimmig eine Machbarkeitsstudie für die Strecke Elmshorn-Hamburg beschlossen.“ Diese solle in diesem Jahr in Auftrag gegeben werden, so dass der Bau 2018 beginnen könnte. Die Trasse verläuft entlang der S-Bahnstrecke von Elmshorn über Tornesch, Pinneberg und Halstenbek bis an die Landesgrenze. Rahnenführer: „Die Kosten sind deshalb geringer, wir rechnen mit 200.000 Euro pro Kilometer.“ Die Autofahrer-Lobby vom ADAC Hansa begrüßt das Schnellrad-Konzept grundsätzlich. Allerdings schränkte Sprecher Carsten Willms ein: „Es fehlen Angaben dazu, wie viele Menschen solche Schnellwege nutzen würden.“

Kommentar: Radwege bleiben die günstigeren Verkehrswege

„Fahrrad-Autobahnen“? Die Radfahrer-Lobby in Hamburg und Umgebung hört diese Bezeichnung für die geplanten Radschnellwege ungern. Es gehe ja gerade nicht um Autos, sondern um die umweltfreundliche und obendrein gesunde Alternative per Pedaltritt. Und doch macht der Begriff deutlich, worum es geht: Auch Radfahrer sollen eine moderne Infrastruktur vorfinden, die ihnen ein deutlich zügigeres und weitgehend unterbrechungsfreies Fortkommen ermöglicht.
Denn wer gern schnell und weit strampelt, weiß ein Lied von all den Bremsklötzen entlang der Strecke zu singen: Schlaglochpisten strapazieren Felgen und Nerven, an jeder Grundstückseinfahrt runter mit dem Tempo, an vielen Ampeln ganz anhalten, womit die sauer investierte Muskelkraft verloren ist.
Ja, auch Radler haben ein Recht darauf, möglichst rasch, sicher und bequem zum Ziel zu kommen. Die bemerkenswerte Idee eines Radschnellwegenetzes in der Metropolregion Hamburg weist über die Landesgrenze hinaus den richtigen Weg. Nicht alle Blütenträume der 33 geprüften Korridore werden reifen, aber wenn nur die wesentlichen vier oder fünf Strecken kommen, wäre das ein großer Schritt nach vorn.
Nur Mut also, gründlich und kostenseitig ehrlich planen und dann umgehend beschließen, bitte. Die Finanzen taugen jedenfalls nicht für Miesmacherei. Gewiss: Der Bau der Schnellrouten würde sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag summieren. Im Vergleich zu den Milliardeninvestitionen für Autobahnen und den ÖPNV der Region ist das aber immer noch wenig. (Markus Lorenz)

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