Hamburg-Lurup : Radfahrer überrollt und getötet – Bewährungsstrafe für 56-Jährige

Der Prozess fiel in eine Zeit leidenschaftlicher Auseinandersetzungen um die Sicherheit von Radfahrern auf Hamburgs Straßen.
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Der Prozess fiel in eine Zeit leidenschaftlicher Auseinandersetzungen um die Sicherheit von Radfahrern auf Hamburgs Straßen.

Das Amtsgericht Altona sah es als erwiesen an, dass die Frau im Dezember 2016 für den Tod eines 69-jährigen Radlers verantwortlich war. 

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17. Mai 2018, 20:51 Uhr

Hamburg | Nach einem tödlichem Fahrradunfall in Hamburg-Lurup vor anderthalb Jahren ist eine Autofahrerin (56) am Donnerstag wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Das Amtsgericht Altona sah es als erwiesen an, dass die Frau im Dezember 2016 für den Tod eines 69-jährigen Radlers verantwortlich war. 

Für die Schuldfrage sei der Umstand unerheblich, dass der Rentner den Radweg auf der linken und damit falschen Seite benutzt habe, hieß es in der Begründung. Die Verteidigung hatte mit Hinweis auf das verkehrswidrige Verhalten des Radfahrers auf Freispruch plädiert. Die Hausfrau habe den Mann überhaupt nicht sehen können. 

Laut Anklage war die Golf-Fahrerin in einer 30er-Zone mit mindestens Tempo 42 unterwegs. Beim Rechtsabbiegen von der Franzosenkoppel auf die Ueckerstraße hatte die 56-Jährige den Radfahrer offenkundig übersehen. Der Frontalzusammenstoß war so heftig, dass der 69-Jährige elf Meter durch die Luft geschleudert wurde und auf den gegenüberliegenden Gehweg prallte. Dort wurde er nochmals von dem Golf überrollt. Der Mann starb noch am Unfallort.

Debatte um Sicherheit von Radfahrern

Der Prozess fiel in eine Zeit leidenschaftlicher Auseinandersetzungen um die Sicherheit von Radfahrern auf Hamburgs Straßen. Vergangene Woche war eine 33-jährige Radlerin in Eimsbüttel von einem abbiegenden Kühllaster überrollt und getötet worden. Am Mittwochabend gedachten mehrere hundert Teilnehmer eines „Ride of Sielende“ an die Getötete.

Der Unfallort an der Kreuzung Osterstraße/Eppendorfer Weg ist mittlerweile zur Gedenkstätte geworden. Ein weißes „Ghostbike“ macht auf das Schicksal der zweifachen Mutter aufmerksam, an einem Briefkasten hängen mehrere Briefe. In einem davon schreibt der Sohn der 33-Jährigen: „Liebe Mama, ich vermisse dich, ich habe dich sehr lieb und ich werde jeden Tag an dich denken. Dein Sohn Niklas.“ Das Bezirksamt Eimsbüttel hat inzwischen zusätzliche Wartelinien auf der Kreuzung aufgebracht, um die Sicherheit zu erhöhen.

Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) wiederholte am Donnerstag seine Forderung, Lkw mit technischen Hilfsmitteln wie Abbiegeassistenten auszurüsten. Allerdings müssten die  rechtlichen Vorgaben vom Bund kommen. Die Groko hat angekündigt, Notbremssysteme und Abbiegeassistenten für Lkw und Busse verbindlich vorzuschreiben.

Unter der Überschrift „Stoppt das Töten auf den Straßen“ verlangt das Hamburger Bündnis Mobilität Sofortmaßnahmen von der Stadt. „Wir sind wütend und traurig über den Tod einer jungen Radfahrerin“, heißt es in einer Mitteilung des Bündnisses, an dem auch ADFC und VCD beteiligt sind. Der Senat müsse per Sofortprogramm binnen eines Jahres die gefährlichsten 50 Straßenkreuzungen entschärfen.

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