Nur noch Kartenzahlung : „Public Coffee Roasters“: Deutschlands erstes bargeldloses Café in Hamburg

In zwei Cafés der „Public Coffee Roasters“ in Hamburg können Kunden nicht mit Bargeld zahlen. Ein Novum in Deutschland.
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In zwei Cafés der „Public Coffee Roasters“ in Hamburg können Kunden nicht mit Bargeld zahlen. Ein Novum in Deutschland.

In anderen Ländern ist es längst Usus - nun verabschiedet man sich auch bei uns mehr und mehr von Münzen und Scheinen.

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17. November 2017, 14:27 Uhr

Hamburg | Ein Cappuccino – 2,90 Euro. Während es in anderen Ländern mittlerweile ganz normal ist, auch kleine Beträge mit der EC-Karte zu zahlen, kramen die meisten Deutschen dafür eher noch im Portemonnaie. Am besten hat man es sogar passend. Nur Bares ist Wahres? Nicht bei den „Public Coffee Roasters“ in Hamburg.

In Schweden erwartet man, dass Münzen und Scheine im Jahr 2021 keine Rolle mehr spielen. Schon jetzt machen sie nur noch zwei Prozent des Zahlungsverkehrs aus. Sogar in vielen Kirchen wurde der traditionelle Klingelbeutel durch einen sogenannten Kollektomaten ersetzt. Hierzulande werden dagegen nach Angaben des Handelsverbands (HDE) mehr als die Hälfte aller Ausgaben an den Ladenkassen noch immer bar bezahlt.

Bargeld braucht man hier nicht: Im Mai 2017 eröffnete das Café am Goldbekplatz in Winterhude.
Michaela Kompala/Dörte Miller
Bargeld braucht man hier nicht: Im Mai 2017 eröffnete das Café am Goldbekplatz in Winterhude.

Umso bemerkenswerter, dass es in Hamburg nun das erste bargeldlose Café Deutschlands gibt. Bei den „Public Coffee Roasters“ am Goldbekplatz in Winterhude und an der Brandstwiete im alten Spiegel-Haus weist ein Schild darauf hin: „Nur Kartenzahlung möglich.“ Das kennt man sonst eigentlich nur andersherum. Auch Trinkgeld kann hier natürlich elektronisch hinterlassen werden.

„Das Geldzählen kostete meine Mitarbeiter jeden Tag 30 Minuten“, sagt Argin Keshishian, Gründer der „Public Coffee Roasters“. „Außerdem ist es hygienischer und wir tun etwas gegen Schwarzgeld“, betont der 27-Jährige, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Arameh (25) leitet. Bei den meisten Kunden komme es gut an.

Das Konzept ist also eines für die Zukunft. Selbst im Bargeldland Deutschland. Denn auch hier ist der elektronische Zahlungsverkehr unaufhaltsam auf dem Vormarsch – vor allem bei jüngeren Menschen. So ergab eine gemeinsame Studie des Anbieters von iPad-Kassensystemen Orderbird und des Kreditkartenanbieters Mastercard zum Zahlungsverhalten in der Gastronomie, dass 63,8 Prozent der 18- bis 34-Jährigen immer mit Karte zahlen wollen. Für sie ist die Zukunft bargeldlos.

Und was ist, wenn die Technik versagt?

Trotzdem: insgesamt ist die Skepsis in der deutschen Bevölkerung noch groß. Häufige Befürchtungen sind etwa fehlende Kontrolle über die Ausgaben, Angst vor Cyberkriminalität und natürlich die Abhängigkeit von der Technik – die kann ja schließlich streiken.

Alles kein Problem, meint Keshishian. In den vergangenen sieben Monaten habe es erst einmal ein Verbindungsproblem mit dem Router gegeben. „Dann startet man das System einfach kurz neu und gut.“ Und wenn es Schwierigkeiten mit dem Internetanbieter gibt? „Auch dann ist die Lösung ganz einfach. Wir nehmen unsere Notfallkasse. Wir sind ja nicht dogmatisch“, so der Jungunternehmer.

 
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