Mordversuch im Jahr 1980 : Prozessbeginn 37 Jahre nach der Tat – Angeklagter schweigt

Der Angeklagte (li.) steht vor dem Prozessauftakt neben seinem Verteidiger Jan Jacob.

Der Angeklagte (li.) steht vor dem Prozessauftakt neben seinem Verteidiger Jan Jacob.

Der Mann soll im November 1980 in Hamburg-Steilshoop eine 16-Jährige fast umgebracht haben.

shz.de von
06. August 2018, 17:51 Uhr

Hamburg | Gut 37 Jahre nach einem Mordversuch an einer Jugendlichen hat vor dem Landgericht Hamburg der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Angeklagt ist ein heute 54-Jähriger. Am späten Abend des 1. November 1980 soll er nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Hamburg-Steilshoop eine 16-Jährige, die sich auf dem Heimweg befand, heimtückisch mit einem Messer angegriffen haben. Er habe sie zu Boden gerissen und auf sie eingestochen.

Anschließend soll der Angeklagte das Mädchen, das sich tot stellte, in ein Gebüsch gezerrt und versucht haben zu vergewaltigen, wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte. Er sei dabei jedoch von Passanten gestört worden und geflüchtet. Die Jugendliche konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

Auflagen für die Berichterstattung

Die Polizei war dem Angeklagten erst Anfang des Jahres auf die Spur gekommen. Weil er zur Tatzeit ebenfalls erst 16 Jahre alt war, findet der Prozess vor dem Jugendgericht statt. Um die erzieherische Entwicklung von Angeklagten im Jugendalter nicht zu gefährden, finden solche Verhandlungen grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Gericht ließ in diesem Fall jedoch ausgewählte Pressevertreter zum Prozessauftakt zu, erteilte aber Auflagen für die Berichterstattung.

Der Angeklagte schweigt

Der Angeklagte, schlank, leicht gebeugt und mit kurzen grauen Haaren, erschien in einer dunklen Hose, und einem hellgestreiften Hemd. Auf dem Kopf trug er eine schwarze Basecap mit dem Aufdruck „Hamburger Jung“. Sein Verteidiger Jan Jacob erklärte vor Gericht: „Mein Mandant bestreitet die Tat. Ansonsten wird er sich schweigend verteidigen.“

Die Ermittlungen hatte die Soko Cold Cases der Hamburger Polizei geführt. Nach neuen Zeugenhinweisen konnte der arbeitslose Mann im Februar dieses Jahres festgenommen werden. Er blieb einige Zeit in Untersuchungshaft, ist inzwischen aber wieder auf freiem Fuß.

Wie die Staatsanwältin erklärte, soll der Angeklagte bei der Tat mindestens zwölf Mal mit einem Messer auf das Mädchen eingestochen haben. Die 16-Jährige erlitt acht schwere Verletzungen in der Herzgegend und verlor zwei Liter Blut. Sie habe sich in akuter Lebensgefahr befunden. Die versuchte Vergewaltigung ist inzwischen verjährt.

Über Umwege auf die Spur gekommen

Auf die Spur des Mannes war die Polizei über ein anderes Ermittlungsverfahren gekommen. Dabei meldete sich eine Zeugin, die berichtete, ein Mann habe sie im Spätsommer 1980 in Steilshoop vergewaltigen wollen. Doch die damals ebenfalls 16-Jährige konnte sich in eine Gaststätte flüchten. Die Frau nannte einen Namen. Der Fall zeigt viele Parallelen zu dem Verbrechen wenige Monate später.

Der Polizei gelang es, den heute 54-Jährigen zu ermitteln und im Januar dieses Jahres zu vernehmen. Dabei bestritt der Verdächtige jedoch die Taten.

Die Ermittler hatten aber ein wichtiges Beweisstück: Nach dem blutigen Angriff auf die 16-Jährige hatten die Beamten ein Fahrtenmesser mit Horngriff gefunden, das der Täter auf der Flucht versteckt hatte. Das Messer mit 15 Zentimeter langer Klinge konnte schon damals eindeutig als Tatwaffe identifiziert werden. Das Messer sei aber heute bei der Polizei nicht mehr vorhanden, sagte ein Gerichtssprecher. Doch es gebe Bildmaterial des Originals.

Keine DNA des Angeklagten auf der Tatwaffe

Berichte, wonach an dem Messer DNA-Spuren gefunden wurden, die dem Angeklagten zugeordnet werden konnten, seien aber falsch, betonte Richterin Anne Meier-Göring. Das Gericht hat 18 Verhandlungstage bis Dezember anberaumt.

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