Gemeinschaftlicher Überfall : Prozessauftakt in Hamburg: Mann überfallen und sexuell misshandelt

Der Prozess ist nicht öffentlich, weil einer der vier Angeklagten mit seinen 19 Jahren als Heranwachsender gilt.

shz.de von
12. September 2018, 11:50 Uhr

Hamburg | Schwerer Raub, Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung – so lauten die Vorwürfe gegen vier Angeklagte in einem Prozess, der am Mittwoch vor dem Landgericht Hamburg begonnen hat. Es geht um einen Überfall in der Nacht zum 4. Februar auf einen Mann in Hamburg-Bergedorf. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten im Alter von 35, 31 und 19 Jahren vor, bewaffnet und maskiert in die Wohnung einer mitangeklagten Frau eingedrungen zu sein. Den dort anwesenden Mann sollen sie gefesselt, geschlagen und getreten haben. Die Angeklagten hätten den 24-Jährigen sexuell misshandelt und das Geschehen mit dem Handy aufgezeichnet, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Schließlich seien sie mit dem Mobiltelefon, 200 Euro Bargeld und der EC-Karte des Opfers geflüchtet.

Über die Hintergründe der Tat wurde zunächst nichts bekannt. Möglicherweise habe es sich um einen Racheakt gehandelt, sagte ein Gerichtssprecher. Wofür man sich rächen wollte, sei aber ebenso unklar wie das Verhältnis zwischen dem Opfer und der 25 Jahre alten Frau. Die mitangeklagte Syrerin soll die Ex-Freundin des 35 Jahre alten Angeklagten sein. Sie sei von den in Deutschland geborenen Haupttätern ebenfalls in der Wohnung gefesselt worden, aber offenbar nur zum Schein. Tatsächlich soll sie mit den drei Angreifern gemeinsame Sache gemacht haben.

Die drei Männer seien mit Sturmhauben maskiert gewesen und hätten schusssichere Westen getragen, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Ferner hätten sie Schreckschusswaffen, einen Elektroschocker, Panzertape und Handschellen dabei gehabt. In die Wohnung seien sie mit einem Trick gelangt. Sie hätten sich als hilfesuchende Nachbarn ausgegeben. Daraufhin habe ihnen das Opfer die Tür geöffnet.

Der 24-Jährige sei nach der Tat zur Polizei gegangen und habe Anzeige erstattet, sagte der Gerichtssprecher. Die Ermittler seien den mutmaßlichen Tätern aber erst auf die Spur gekommen, als sich der 19-Jährige bei der Polizei stellte und ein Geständnis ablegte. Der junge Mann ist noch wegen einer weiteren Straftat angeklagt: Er soll bei den Protesten gegen den G20-Gipfel in der Nacht zum 7. Juli 2017 eine Flasche gezielt auf Polizisten im Schanzenviertel geworfen haben.

Der Prozess findet vor einer Jugendstrafkammer statt, da der 19 Jahre alte Angeklagte als Heranwachsender gilt. Noch vor Verlesung der Anklage schloss das Gericht die Öffentlichkeit aus. Zur Begründung erklärte die Vorsitzende Richterin Anne Meier-Göring, dies sei im Interesse der Erziehung des 19-Jährigen geboten. Außerdem wäre durch die öffentliche Erörterung der Sexualstraftat der höchstpersönliche Lebensbereich aller vier Angeklagten und des Opfers betroffen. Das Gericht hat zwölf Verhandlungstermine bis zum 21. Dezember angesetzt. Ob zur Urteilsverkündung Zuschauer zugelassen werden, ist noch unklar.

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