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Witwer klagt vor Gericht : Prozess zum Tod von „Sexy Cora“: Gutachter kritisiert Narkoseärztin

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„Sexy Cora“ starb bei einer Schönheitsoperation, ihr Witwer fordert Millionen. Am Freitag kam der Fall vor Gericht.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2016 | 18:21 Uhr

Hamburg | Sie war der Star der Amateurpornoszene, mit ihren wasserstoffblonden Haaren und großen Brüsten. Für „Sexy Cora“ war ihr Körper ihr Kapital - und das ihres Ehemanns Tim Wosnitza (30). Vor fünf Jahren, am 20. Januar 2011, starb die Pornodarstellerin mit nur 23 Jahren. Bei ihrer fünften Brustvergrößerung erlitt sie während der Operation in der Hamburger Alsterklinik einen Herzstillstand – fiel ins Koma und starb neun Tage später an einer Hirnlähmung im Universitätskrankenhaus Hamburg Eppendorf (UKE). Seit heute klagt ihr Mann vor Gericht. Er fordert Schadensersatz von der Privatklinik.

Bei ihrer fünften Brustvergrößerung sollte ihre Körbchengröße von 70F auf 70G wachsen. „Sexy Coras“ Tod löste nicht nur in der Amateurpornoszene große Trauer aus, sondern entfachte eine Debatte über den Schönheitswahn und die Frage: Welches Risiko ist uns die eigene Schönheit wert?

Das Geschäftsmodell sah nach seinen Angaben so aus: Männer konnten sich zum Sex mit Carolin Wosnitza - wie „Sexy Cora“ mit bürgerlichem Namen hieß - verabreden. Einzige Bedingung für das Treffen mit der auch als „Big Brother“-Kandidatin bei RTL II bekannt gewordenen Porno-Darstellerin: Sie mussten sich dabei filmen lassen. Die Videos vermarktete Tim Wosnitza für viel Geld. „Wir haben die Idee gehabt, die kein anderer hatte“, sagt Wosnitza am Freitag im Hamburger Zivilgerichtsgebäude.

Kläger Tim Wosnitza (Mitte) klagt vor dem Hamburger Landgericht gegen die Privatklinik, in der seine Frau verstarb.
Kläger Tim Wosnitza (Mitte) klagt vor dem Hamburger Landgericht gegen die Privatklinik, in der seine Frau verstarb. Foto: dpa
 

Seit dem Tod seiner Frau nach einer Schönheitsoperation ist alles anders. Er müsse heute 80 Stunden pro Woche im Marketing arbeiten, um das Geld zu verdienen, das er damals in zehn Stunden zusammenbekam. Darum fordert er nun Schadensersatz von der Privatklinik. Sauerstoffmangel führte zu einem Herzstillstand bei der damals 23-Jährigen. Sie erlitt schwerste Hirnschäden, an denen sie wenige Tage später starb. 2013 verurteilte das Landgericht die an der Operation beteiligte Narkoseärztin wegen fahrlässiger Tötung zu 14 Monaten Haft auf Bewährung.

Es könnte um eine Million Euro gehen

Wosnitza klagt auf Erstattung der Behandlungskosten nach der Schönheitsoperation, die Zahlung eines Schmerzensgeldes und vor allem auf Unterhaltsleistungen, die ihm seine Ehefrau noch gezahlt hätte, würde sie noch leben. Der Gesamtbetrag soll sich nach Angaben der Gerichtspressestelle auf eine knappe Million Euro belaufen. Wosnitza will nicht sagen, wie viel Geld genau er fordert. Er betont nur: „Es steht mir zu.“ Dass er eine Entschädigung bekommen wird, scheint klar zu sein. „Die hier involvierten Versicherungsgesellschaften werden einen berechtigten Schadensausgleich vornehmen und Herrn Wosnitza soweit das möglich ist, finanziell über den Verlust seiner verstorbenen Ehefrau hinweghelfen“, erklärt der Geschäftsführer der Klinik, Peter Henscheid, schon vor Beginn der Verhandlung. Die in der Presse kolportierten Millionenzahlungen spiegelten aber eine unrealistische Wunschvorstellung des Witwers wider. „Tatsächlich liegt der bislang nachvollziehbare Schaden im hohen fünfstelligen Bereich.“

Gutachter: Narkoseärztin hat Fehler gemacht

Die Zivilkammer hört am Freitag einen Gutachter. Die Hamburger Privatklinik kommt bei dem Hildesheimer Anästhesie-Experten Prof. Georg von Knobelsdorff nicht gut weg. „Es hat sich bei ihr um eine gesunde junge Frau gehandelt“, sagt er über Carolin Wosnitza. Zum Tod habe der Sauerstoffmangel während der Operation geführt. „Es ist überhaupt keine andere Ursache denkbar“, sagt von Knobelsdorff. Der Herzstillstand sei eine Folge des Sauerstoffmangels gewesen. Zwar sei die 23-Jährige schließlich erfolgreich reanimiert worden, aber die Hirnschäden waren bereits so schwer, dass sie keine Überlebenschance mehr hatte.

Er bestätigt die schweren Fehler der Narkoseärztin, die im Strafverfahren bereits festgestellt worden waren. Die Anästhesistin hatte an einem Gerät den Alarm ausgeschaltet, der vor einer mangelnden Sauerstoffversorgung warnt. Der Gutachter bemängelt zudem die fehlende Dokumentation der medizinischen Maßnahmen während der Operation. „Im Grunde hat so gut wie alles gefehlt.“ Auch durch das vorgeschriebene Protokollieren hätten die Pannen vermieden werden können. „Wenn man etwas aufschreibt, merkt man, wenn etwas fehlt“, erklärt von Knobelsdorff.

Die Fehler der Narkoseärztin hätten auch dem Operateur auffallen müssen, sagt der Gutachter. Der Arzt bekennt aber in der Verhandlung: „Mitbekommen habe ich es leider nicht.“ Er habe operiert, bis er von dem Herzstillstand erfuhr. Eine Anästhesie-Schwester, die die Narkoseärztin hätte unterstützen können, gab es nicht. Das sei ein Verstoß gegen personelle Mindeststandards, sagt von Knobelsdorff.

Der Vorsitzende Richter der Zivilkammer, Hermann Antony, gibt den Parteien Gelegenheit zur gütlichen Einigung. Bis zum 1. April sollen sie dem Gericht mitteilen, ob sie sich verständigen wollen. Wenn nicht, soll am 27. Mai eine Entscheidung verkündet werden.

Er sei von Anfang an gegen die Operation gewesen, sagt Tim Wosnitza noch. Doch seine Frau habe die Brustvergrößerung unbedingt gewollt. Warum, kann er nicht sagen. Nur: „Ich glaube, das Geschäft, das sie gemacht hat, hatte null mit der Brustvergrößerung zu tun.“

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