zur Navigation springen

Hamburg-Harburg : Prozess um Mord an Autofahrer: Angeklagter gibt Schüsse zu

vom

Ein 22-Jähriger soll den Vater seiner Freundin erschossen haben. Hintergrund ist wohl ein Familienstreit.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2016 | 15:36 Uhr

Hamburg | Im Prozessauftakt um einen Mord an einem Autofahrer in Hamburg-Harburg hat der Angeklagte die Tat am Montag vor dem Hamburger Landgericht eingeräumt. Der Verteidiger des 22-Jährigen las zu Beginn der Verhandlung eine Erklärung seines Mandanten vor. „Ich zog die Waffe und drückte ab, zweimal“, hieß es darin. Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann vor, dem 43-Jährigen am 9. Juni dieses Jahres aufgelauert und ihn in seinem Auto erschossen zu haben. Nach zwei gezielten Schüssen in Kopf und Lunge, abgegeben aus einer halbautomatischen Waffe, starb das Opfer noch am Tatort.

Der Angeklagte muss sich wegen Mordes und Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten. Laut Anklageschrift soll er die Tat zuvor dem mitangeklagten Cousin angekündigt und gesagt haben, jetzt gehe er ihn töten. „Wenn ich von der Polizei gefangen werde, passt bitte auf meine Geschwister auf!“ Hintergrund der Tat soll eine Liebesbeziehung zwischen dem Angeklagten und der Tochter des Opfers gewesen sein. Die Familien der beiden, die sich ursprünglich sehr nahe gestanden hätten, seien darüber in Streit geraten. In der Erklärung des Angeklagten hieß es, das spätere Opfer habe seine Tochter wegen der Beziehung zu dem Angeklagten verprügelt und eingesperrt. Der habe seine Tochter für 20.000 Euro an einen Serben verkaufen wollen, damit dieser nach einer Heirat Aufenthaltsrecht in Deutschland bekomme. Der Vater habe wegen seines Hauses Schulden gehabt.

Außerdem habe der 43-Jährige den Vater des Angeklagten bedroht: „Wegen deinem Sohn wirst entweder du oder ich sterben!“ Im Dezember 2015 seien sein Vater und seine Stiefmutter dann vor einem Supermarkt mit Eisenstangen zusammengeschlagen worden, hieß es in der Erklärung des 22-Jährigen weiter. Er selbst habe sich zunehmend in Alkohol und Kokain geflüchtet und „immer mehr die Kontrolle verloren“. Seine Freundin habe sich unter dem Druck ihres Vaters von ihm getrennt. „Die Trennung hat mich sehr getroffen.“ Auch am Tattag habe er massiv unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden. In einem Bordell im Stadtteil Jenfeld habe er am Abend zuvor zwei Männer kennengelernt, die ihm erzählt hätten, der Vater seiner Freundin suche nach Auftragskillern, um ihn umbringen zu lassen. Danach habe er beschlossen, seine Waffe zu holen und den 43-Jährigen zu töten.

Mitangeklagt ist der 21 Jahre alte Cousin des Angeklagten. Ihm wird vorgeworfen, von der geplanten Tat gewusst und dem Angeklagten bei der Suche nach der Waffe geholfen zu haben. Ein ebenfalls mitangeklagter 27-Jähriger soll sich um die Entsorgung der Pistole gekümmert und dem Cousin bei der Säuberung des Tatfahrzeugs geholfen haben. Das Gericht hat zehn weitere Termine bis zum 17. Januar angesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert