Hamburg : Prozess um Doppelmord am Jungfernstieg – Wichtiger Zeuge kommt nicht

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine Ex-Partnerin und die gemeinsame einjährige Tochter am Hamburger S-Bahnhof Jungfernstieg nach Sorgerechtsstreitigkeiten erstochen zu haben.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine Ex-Partnerin und die gemeinsame einjährige Tochter am Hamburger S-Bahnhof Jungfernstieg nach Sorgerechtsstreitigkeiten erstochen zu haben.

Der Zeuge ist der letzte Lebensgefährte des Opfers. Er gilt nicht als tatverdächtig, war aber nach der Tat untergetaucht.

shz.de von
06. November 2018, 16:47 Uhr

Hamburg | Im Prozess um den Mord an einer Mutter und ihrer Tochter am Hamburger Jungfernstieg hat ein Zeuge am Dienstag schreckliche Details des Verbrechens geschildert. Der Angeklagte habe sich mit einem orangenen Gegenstand in der Hand über den Buggy des Mädchens gebeugt, sagte ein Ingenieur, der am Tattag beruflich in Hamburg war, im Hamburger Landgericht. „Ich hielt das für eine Mohrrübe.“

Doch der Gegenstand sei nicht zum Mund, sondern mit einer Schnitt-Bewegung zur Kehle geführt worden. „Plötzlich spritzte das Blut. Erst da habe ich realisiert, dass es ein Messer war.“ Unmittelbar danach habe der Täter ihn direkt angeschaut, berichtete der Mann weiter. „Ich habe noch nie einen solchen Blick gesehen.“ Entschlossen und kaltblütig habe er gewirkt  „Mein Gedanke war: Der bringt uns alle um.“ Aus Angst um sein Leben sei er weggerannt und habe auf seinem Weg Passanten und Mitarbeiter eines Geschäfts gebeten, die Polizei zu rufen.

Angeklagt ist ein früherer Partner der getöteten Frau. Der 34-Jährige aus dem westafrikanischen Niger hatte zum Prozessauftakt Anfang Oktober gestanden, seine Ex-Freundin und die gemeinsame Tochter am 12. April mit einem Messer getötet zu haben.

Lebensgefährte der Mutter erscheint nicht

Am Morgen hatten die Richter eigentlich einen anderen wichtigen Zeugen befragen wollen: den letzten Lebensgefährten der Mutter, der auch am Tatort war. Doch für eine Aussage erschien der ebenfalls aus Afrika stammende Mann nicht, das Gericht konnte ihn nicht erreichen.

Weiterlesen: Einjähriges Kind und Mutter sterben bei Messerangriff – Tatwaffe gefunden

Deshalb wurde stattdessen ein Beamter gehört, der Ende April bei der Vernehmung des Mannes bei der Polizei dabei war. Er habe den Beamten geschildert, wie der Vater des Mädchens plötzlich zu ihnen in die S-Bahn gestiegen sei. Die Frau und ihr Ex-Partner sollen sich gestritten haben. Alle seien am S-Bahnhof Jungfernstieg ausgestiegen, sagte der Polizist.

Die Mutter habe ihre Tochter für einen Augenblick aus den Augen gelassen und sei zu ihrem Partner gegangen, um ihn zu warnen. Er müsse weglaufen, da er sich illegal in Deutschland aufhalte. Denn sie wolle nun die Polizei rufen, weil der Vater nur mit dem Mädchen Kontakt haben dürfe, wenn die Termine zuvor mit dem Jugendamt vereinbart seien. Schon in den Monaten vor der Tat soll der Angeklagte die Frau wegen Sorgerechtsstreitigkeiten bedroht haben.

In diesem Moment habe der Angeklagte den Buggy festgehalten und eine Bewegung gemacht. Der Zeuge habe im ersten Moment geglaubt, der Mann spiele mit seiner Tochter. Die Einjährige habe ihren Vater angeschaut. Plötzlich habe der ihren Kopf festgehalten und sie mit einem Messer attackiert. „Er sah sofort Blut bei dem Kleinkind“, gab der Beamte den Bericht des Zeugen wieder. Danach habe der Angeklagte die Mutter angegriffen. Die Frau starb wenig später im Krankenhaus.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert