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„Liberation Tigers of Tamil Eelam“ : Prozess in Hamburg: Verdacht der „LTTE“-Terrormitgliedschaft

vom

Der Angeklagte steht im Verdacht, in Deutschland Geld zur Unterstützung von Terroranschlägen in Sri Lanka gesammelt zu haben. Ab Montag muss er sich vor Gericht beantworten.

shz.de von
erstellt am 18.Jan.2016 | 11:39 Uhr

Hamburg | In einem Prozess vor dem Oberlandesgericht in Hamburg muss sich seit Montag ein 53-jähriger Tamile wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung verantworten. Der Angeklagte sei ein Funktionär der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) in Deutschland gewesen, erklärte der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft. Er habe von März 2007 bis Mai 2009 Spendengelder bei tamilischen Emigranten aus Sri Lanka eingetrieben.

Als Verantwortlicher des Bezirks Nord 3, zu dem Hamburg und Umgebung gehörten, habe er insgesamt 81 160 Euro an das Tamil Coordination Committee (TCC) in Oberhausen (NRW) überwiesen. Das Geld habe zur Finanzierung der Kampfhandlungen und Terroranschläge der LTTE gedient.

Der Staatsanwalt erwähnte einige der spektakulärsten Anschläge der Befreiungstiger, so den Mord am indischen Premierminister Rajiv Gandhi am 21. Mai 1991, bei dem auch 18 weitere Menschen starben, die Ermordung des srilankischen Präsidenten Ranasinghe Premadasa und weiterer 24 Menschen am 1. Mai 1993 sowie ein Bombenattentat auf die Zentralbank in der Hauptstadt Colombo am 31. Januar 1996, der 91 Tote und 1400 Verletzte gefordert habe. Die LTTE-Führung habe auch prominente Tamilen töten lassen, so einen Parlamentsabgeordneten des Inselstaates im Indischen Ozean und einen Bürgermeister der Stadt Jaffna. Zwischen 1991 und 2009 hätten mindestens 457 Zivilpersonen durch die Anschläge auf zivile Einrichtungen ihr Leben verloren, erklärte der Anklagevertreter. Die LTTE habe dabei häufig Selbstmordattentäter eingesetzt.

Die Tamilen stellen etwa 20 Prozent der Bevölkerung Sri Lankas, 72 Prozent sind Singhalesen. Seit Mai 2009 ist die LTTE militärisch besiegt, ihre Anführer kamen bei den Kämpfen mit der srilankischen Armee ums Leben. Der 1983 ausgebrochene Bürgerkrieg wurde beendet.

Der Angeklagte, der nach eigenen Angaben seit 2007 deutscher Staatsbürger ist, äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Er lebe von seinen Einkünften als Mitarbeiter in einem Schnellimbiss und einer Reinigungsfirma, erklärte er über einen Dolmetscher. Er wohne mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Hamburg. Für den Prozess sind weitere sieben Verhandlungstermine bis zum 7. März angesetzt.

 

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