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Messerattacke in HH : Prozess gegen Mann aus Ghana - Polizeischüsse bei Festnahme

vom

Der Verteidiger des Angreifers nimmt den Beamten vor Gericht gegen die aufgekommenen Rassismusvorwürfe in Schutz.

Hamburg | Bei seiner Festnahme wurde ein Ghanaer durch Polizeischüsse verletzt. Er hatte einem Polizisten im Hamburger Stadtteil St. Georg mit einem Messer attackiert. Am Donnerstag muss er sich vor dem Amtsgericht in St. Georg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gefährliche Körperverletzung, versuchte Nötigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor.

Das Thema rassistisch motivierte Polizeigewalt beschäftigte nach dem Vorfall auch die Linken in der Bürgerschaft. Nach Einschätzung der Fraktion gebe es in Hamburg auch „Racial Profiling“ oder „Racial Profiling“-ähnliche Einsatzmuster. Anhaltspunkte für einen ,rassistisch motivierten Hinrichtungsversuch' sahen die Politiker im Fall der Schüsse auf den Ghanaer jedoch nicht.

Der 33-Jährige soll am 1. Februar zunächst eine Frau in der Nähe des Hauptbahnhofs mit einem Messer bedroht haben. Er habe ihr gesagt: „Ich werde dein Gesicht aufschlitzen!“ Ein Zivilpolizist wurde auf die Situation aufmerksam und hielt den Mann an. Der Ghanaer soll daraufhin in Richtung des Beamten gestochen haben. Dieser setzte mehrfach Pfefferspray ein, um den Mann zu stoppen. Nach einem Fluchtversuch habe der Beamte den Mann zu Boden gebracht, hieß es in einer Pressemeldung der Polizei. Der 33-Jährige zielte jedoch erneut mit dem Messer auf den Polizisten. Der Beamte schoss ihm daraufhin zweimal in die Beine.

In einer Erklärung, die der Verteidiger verlas, sagte der Angeklagte, er könne sich an den Vorfall nicht erinnern. „Wenn es stimmt, was Zeugen sagen, habe ich einen riesigen Fehler begangen.“ Er entschuldige sich dafür. Der Angeklagte war nach den Schüssen in einem Krankenhaus notoperiert und drei Tage später verhaftet worden. Zu Prozessbeginn trug er am linken Unterschenkel noch eine Manschette.

Der Zwischenfall sorgte für großes Aufsehen. Menschen versammelten sich zu einer Demonstration gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt. Zum Auftakt des Prozesses hat der Anwalt des Angeklagten die Hamburger Polizei gegen Rassismusvorwürfe in Schutz genommen. Im Vorfeld des Prozesses sei sehr viel Staub aufgewirbelt worden, sagte Verteidiger Matthias Wisbar. Es sei die Rede von einem rassistisch motivierten Mordversuch und ähnlichem gewesen. „Nach Aktenlage haben wir keinen Anlass davon auszugehen“, stellte der Anwalt fest. Das heiße aber nicht, dass so etwas nicht möglich wäre.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten noch zwei weitere Taten vor: Im Januar soll er bei einem Streit in einer Flüchtlingsunterkunft einem Mann eine Flasche auf den Kopf geschlagen haben. Im Februar soll er zwei Mitarbeitern der DB-Sicherheit vor dem S-Bahnhof Bergedorf gedroht haben, sie „abzustechen“, wenn sie ihn nicht wieder auf den Bahnsteig ließen. Das Urteil könnte am 11. Juli gesprochen werden.

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erstellt am 08.Jun.2017 | 10:24 Uhr

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