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Kliniken in Hamburg : Profit contra Patientenwohl? Asklepios streitet mit Montgomery

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Aus der Onlineredaktion

Der Asklepios-Klinikkonzern ließ sich mehr als eine Woche Zeit. Doch am Montag folgte die Antwort auf den Ärztekammer-Präsidenten.

Hamburg | In Hamburg tobt ein heftiger Streit zwischen Ärztefunktionären und dem Klinikkonzern Asklepios. Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery wirft dem Krankenhausriesen „Hire and Fire“-Mentalität vor. Wer die strengen wirtschaftlichen Vorgaben nicht erfülle, dem drohe der Rauswurf. Nach Medienberichten hatte Montgomery beim Ärztetag vor zwei Wochen in Hamburg Kollegen deshalb dazu aufgerufen, keine derartigen Verträge bei Asklepios mehr zu unterschreiben. „So wie bei Asklepios kann man nicht mit Ärzten umgehen.“

Asklepios führt seit 2004 sieben große Kliniken in der Hansestadt. Auch in Schleswig-Holstein gibt es Standorte in Bad Oldesloe, Bad Schwartau und Westerland.

Am Montag folgte der Konter der Asklepios-Chefetage. „Es ist eine drastische Wettbewerbsverzerrung, wenn der Ärztekammer-Präsident davor warnt, bei Asklepios zu arbeiten“, empörte sich der Vorsitzende der Hamburger Konzerngeschäftsführung, Dr. Thomas Wolfram. Das Unternehmen prüfe rechtliche Schritte gegen den Kammerfunktionär. In einem Brief werfen die Ärztlichen Direktoren norddeutscher Asklepios-Kliniken Montgomery indirekt vor, seine Angriffe stünden im Zusammenhang mit dem scharfen Konkurrenzkampf um fähige Ärzte in Hamburg und anderswo. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Mit Erstaunen haben wir einen Tag später eine ganzseitige Anzeige wahrgenommen, in der Sie für den Ärzteberuf werben, unter anderem begleitet durch eine Stellenanzeige des UKE.“ Montgomery ist als Radiologe in der Uniklinik Eppendorf (UKE) beschäftigt.

Unterstützung für den Ärztekammer-Chef kam vom Präsidenten der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands, Prof. Hans Fred Weiser. Es gebe Fehlanreize in den Verträgen von Chefärzten, monierte dieser. Zwar müssten auch Krankenhausärzte wirtschaftlich handeln, „es darf aber keine Boni für Stückzahlen geben“. Asklepios nannte Weiser dabei zwar nicht beim Namen, sprach aber von schlimmen Praktiken eines „großen privaten Hamburger Klinikbetreibers“.

Vehement wiesen Wolfram und seine Kollegen die Vorwürfe angeblich unethischer Vorgaben, übermäßigen Profitstrebens und wirtschaftlichen Drucks zurück. „Bei uns gibt es ein hohes Maß an Arbeitszufriedenheit.“ Die Fluktuation von Ärzten liege im Konzern bei acht Prozent pro Jahr und damit unter dem Durchschnitt. „Und die meisten Kollegen, die gehen, tun dies von sich aus“, betonte Prof. Dr. Hagenmüller, Chefarzt Gastroenterologie der Asklepios Klinik Altona. In den Zielvereinbarungen mit leitenden Ärzten gehe es ausschließlich um „Qualität, Effizienz und Sachkosten“, versicherte Wolfram. Er kenne keinen Kollegen, der einen Vertrag mit „Boni für Stückzahlen“ unterschreiben würde. Im Übrigen bleiben Montgomery und Weiser jegliche Belege für ihre Behauptungen schuldig.

Montgomery hat inzwischen Meldungen dementiert, er habe abgeraten, bei Asklepios zu arbeiten. In der Sache bleibt der Kammerchef indes bei seinen Aussagen. Asklepios wolle um jeden Preis gute Zahlen erreichen. „Leute, die da stören, werden dann schon mal aus laufenden Verträgen heraus entfernt. Andere werfen von sich aus das Handtuch.“

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erstellt am 06.Jun.2016 | 16:56 Uhr

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