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Tödliche Messerattacke in Hamburg : Pressekonferenz: Täter war den Sicherheitsbehörden als Islamist bekannt

vom

Der Palästinenser (26) war abgelehnter Asylbewerber und ausreisepflichtig. Es gab Hinweise auf eine Radikalisierung.

shz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 13:27 Uhr

Hamburg | Der mutmaßliche Messer-Angreifer von Hamburg ist den Sicherheitsbehörden als Islamist bekannt gewesen. Es habe Anzeichen für eine Radikalisierung gegeben, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) am Samstagmittag bei einer Pressekonferenz. Die Staatsanwaltschaft will gegen den Messer-Angreifer wegen Mordes und fünffachen versuchten Mordes einen Antrag auf Haftbefehl stellen.

Der Mann hatte am Freitagnachmittag einen 50-Jährigen getötet. Fünf Menschen wurden nach Angaben der Polizei durch Messerstiche schwer verletzt, ein weiterer wurde verletzt, als er half, den Tatverdächtigen zu überwältigen. In der Fuhlsbüttler Straße - einer belebten Einkaufsmeile - im Stadtteil Barmbek war der mutmaßliche Täter in das Geschäft gekommen und hatte laut Polizei mit einem Küchenmesser wahllos auf Kunden eingestochen. Anschließend flüchtete er, wurde aber von Passanten verfolgt und schließlich festgenommen.

Weitere Aussagen der Beteiligten bei der Pressekonferenz im Überblick:

Innenminister Andy Grote:

  • Grote hofft, dass der Täter schnell einer hohen Straße zugeführt wird.
  • Zum Motiv sagte Grote, dass es Hinweise auf islamistische Motive gebe, aber auch auf eine psychische Labilität. Die Polizei gehe bei dem Tatmotiv von einer Gemengelage aus und wisse noch nicht, was letztlich den Ausschlag für den Messerangriff gegeben habe.
  • Grote sagte weiter: "Der Täter war den Sicherheitsbehörden bekannt. Es gab Hinweise auf eine Radikalisierung." Der Mann sei als Islamist in die entsprechenden Dateien aufgenommen worden. Man sei aber nicht zu der Einschätzung einer unmittelbaren Gefährlichkeit gelangt.
  • Es gebe aktuell aber keine Hinweise auf Hintermänner. Es werde aber weiter ermittelt.

Kathrin Hennings (Landeskriminalamt):

  • Laut Hennings wollte der Täter einkaufen, stieg anschließend erst in einen Bus, kehrte dann aber doch in den Supermarkt zurück. Dort habe er ein Messer aus einem Regal genommen, es ausgepackt und dann ohne Vorwarnung auf einen 50-Jährigen und weitere Personen eingestochen.

Generalstaatsanwaltschaft Jörg Fröhlich:

  • Mutmaßlicher Täter war laut Fröhlich den Behörden nach einem Ladendiebstahl im April 2017 bekant. Das Verfahren wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.
  • Fröhlich liegen keine Hinweise von ausländischen Behörden auf den Beschuldigten vor - zumindest nicht unter der bisher bekannten Identität.
  • Die Staatsanwaltschaft will einen Haftbefehl wegen vollendeten Mordes aus Heimtücke und niederen Beweggründen und wegen fünffachen Mordversuchs stellen.
  • Der Beschuldigte hat sich bislang noch nicht zu seinen Taten geäußert. Als Grund dafür habe er angegeben, Kopfschmerzen zu haben.

Torsten Voß, Leiter Landesamt für Verfassungsschutz:

  • Der 26-Jährige sei kein Dschihadist.
  • Aufmerksam gemacht wurde man auf ihn zunächst von einem Bekannten, der sich Sorgen machte, weil er eine starke Persönlichkeitsveränderung wahrgenommen hatte.

Folgende Details wurden noch zum Beschuldigten bekanntgegeben:

  • Nach Angaben der Hamburger Sicherheitsbehörden wurde der Mann in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren und gehört der Volksgruppe der Palästinenser an. Bei seiner Einreise hatte er demnach keine Ausweispapiere bei sich, aber eine Geburtsurkunde. An seiner Identität habe es wegen dieser Urkunde keine Zweifel gegeben, sagte Krösser.
  • Der Hamburger Innenstaatsrat Bernd Krösser erklärte, der mutmaßliche Angreifer sei 2015 nach Deutschland eingereist. Zuvor habe er Stationen in anderen europäischen Ländern gehabt: in Norwegen, Schweden und Spanien. Über Norwegen sei der Mann im März 2015 nach Deutschland gekommen, zunächst nach Dortmund. Von dort aus sei er im klassischen Asylverteilungsverfahren nach Hamburg weitergeleitet worden. Hier sei er im gleichen Monat eingetroffen und habe schließlich im Mai 2015 einen Asylantrag gestellt.
  • Das Ausreiseverfahren lief. Der Mann habe gegen seinen negativen Asylbescheid keine Rechtsmittel eingelegt und auch bei der Organisation von Passersatzpapieren mitgewirkt. Noch am Freitag habe sich der Mann bei der Ausländerbehörde erkundigt, ob seine Passersatzpapiere eingetroffen seien. "Es war damit zu rechnen, dass diese Papiere demnächst eintreffen würden", sagte Grote. Der 26-Jährige sei auch willens gewesen auszureisen. Polizeipräsident Ralf Meyer sagte, der Mann sei in dieser Hinsicht eine "fast vorbildhafte Person" gewesen.
  • Im November oder Dezember 2016 habe das zuständige Bundesamt den Asylantrag des Mannes abgelehnt. „Seitdem läuft im Grunde genommen das Ausreiseverfahren, das wegen der notwendigen Passersatzpapierbeschaffung bisher nicht abgeschlossen werden konnte.“
  • Erste Hinweise auf eine Radikalisierung gab es bereits am 29.8.2016.

Was weiß man über die Verletzten?

Bei den Verletzten handelt es sich um eine 50-jährige Frau und vier Männer im Alter von 19, 56, 57 und 64 Jahren. Ein 35 Jahre alter Mann wurde zudem bei der Überwältigung des Messerstechers verletzt.

Flüchtlingsunterkunft durchsucht

In der Nacht wurde eine Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Langenhorn durchsucht. Dort soll der 26-jährige Angreifer gelebt haben.

<p>In dieser Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Langenhorn soll der Täter gelebt haben.</p>

In dieser Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Langenhorn soll der Täter gelebt haben.

Foto: dpa

Einsatzkräfte der Polizei stehen bei einer Durchsuchungsaktion auf einem Gang.
Einsatzkräfte der Polizei stehen bei einer Durchsuchungsaktion auf einem Gang. Foto: Bodo Marks
Die Polizei hat ein Hinweisportal für Uploads von Fotos und Videos des Tatgeschehens eingerichtet. Es ist unter der Internetadresse https://hh.hinweisportal.de erreichbar.
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