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Hamburger Container-Reederei : Preiskampf hält Hapag-Lloyd in der Verlustzone

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Trotz steigender Transportmenge ging der Umsatz der Linienreederei Hapag-Lloyd im ersten Halbjahr 2014 zurück.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2014 | 08:40 Uhr

Hamburg | Seinen Start auf der Brücke von Deutschlands größter Reederei hatte sich Rolf Habben Jansen vermutlich anders gewünscht. Der Niederländer, seit 1. Juli Vorstandschef der Hapag-Lloyd AG in Hamburg, musste gestern eine überaus ernüchternde erste Zwischenbilanz vorlegen. Von Januar bis Juni dieses Jahres ist das Traditionsunternehmen noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust hat sich im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt - trotz Kostensenkungen, und obwohl die rund 150 Hapag-Lloyd-Frachter mehr Container durch die Welt transportierten.

Das Bilanzminus wuchs von 73 Millionen im gleichen Vorjahrszeitraum auf 173 Millionen Euro, berichtete Hapag-Lloyd. Hauptursache sei der anhaltende Preiskampf unter den Containerreedereien. Vorstandschef Jansen: „Dass wir trotz deutlicher Kosteneinsparungen unter dem Strich dieses unbefriedigende Ergebnis haben, lag an der enttäuschenden Entwicklung der Raten in allen Fahrtgebieten.“ Im ersten Halbjahr sind die Preise (Frachtraten) für den Transport von Containern erneut erheblich gefallen. Für eine 20-Meter-Einheit (TEU) kassierten die Reedereien durchschnittlich nur noch 1424 US-Dollar (1063 Euro), fast 100 Dollar weniger als ein Jahr zuvor. So konnte selbst die Zunahme des Transportaufkommens den Hamburgern nicht zu schwarzen Zahlen verhelfen. Im Berichtszeitraum beförderten Hapag-Lloyd-Schiffe 2,9 Millionen TEU, ein Plus von 5,8 Prozent. Zugleich senkte das Unternehmen die eigenen Kosten pro TEU um 57 Dollar. Dennoch blieb unter dem Strich ein operativer Verlust von 74 Millionen Euro. Ein Großteil zum Gesamtminus von 173 Millionen hätten zudem die Aufwendungen für das Zusammengehen mit der chilenischen CSAV beigetragen, so Habben.

Nach dieser Fusion wird Hapag-Lloyd zur weltweit viertgrößten Reederei aufsteigen – es soll ein Befreiungsschlag sein. Habben: „Wir werden weiter die Kosten senken und durch den Zusammenschluss mit CSAV künftig Synergien von mindestens 300 Millionen US-Dollar (rund 200 Millionen Euro) jährlich realisieren.“ Der Vollzug der Elefantenhochzeit ist für den Jahreswechsel angepeilt. Allerdings rechnen die Hapag-Manager schon für die zweiten sechs Monate 2014 mit einem Aufwärtstrend. Der Vorstandsvorsitzende: „Trotz des unverändert angespannten Umfeldes erwarten wir wir im zweiten Halbjahr ein besseres Ergebnis.“

Die roten Zahlen des Traditionshauses sind ein erneuter Schreck für den Hamburger Senat. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren für insgesamt 1,15 Milliarden Euro Anteile an Hapag-Lloyd erworben, um eine feindliche Übernahme zu verhindern. 2014 dürfte es für den größten Teileigner erneut keine Dividende geben. Die Ankündigung von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) von 2011 bleibt damit auf absehbare Zeit unerfüllt: „We want our money back.“

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