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Prozess in Hamburg : Polizist wegen Verbreitung von Kinderpornografie angeklagt

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Ein Polizeibeamter soll Kinderpornografie verbreitet und selbst auch gespeichert haben. Doch der homosexuelle Mann bestreitet das. Stattdessen sollen Bekanntschaften aus der Stricherszene dafür verantwortlich sein.

Hamburg | Zum Prozessauftakt gegen einen Polizisten wegen der Verbreitung von Kinderpornografie hat der 57 Jahre alte Angeklagte alle Vorwürfe zurückgewiesen. „Als Polizeibeamter verabscheut mein Mandant Kinderpornografie“, sagte Rechtsanwalt Jan Jütting am Mittwoch vor dem Amtsgericht Hamburg. „Er hat derartiges Material weder runter- noch hochgeladen.“

Der Angeklagte sei homosexuell, sagte der Anwalt. Regelmäßig seien flüchtige Bekanntschaften in seiner Wohnung gewesen - darunter auch Männer aus der Stricherszene. Nach dieser Darstellung ist einer dieser Sexualpartner für das Vergehen verantwortlich. Der Beschuldigte habe nicht aktiv gehandelt.

Die Anklage wirft dem 57-Jährigen vor, an 100 Tagen zwischen Ende 2009 und September 2013 Videos über eine Internettauschbörse anderen Nutzern zur Verfügung gestellt zu haben. Laut Staatsanwaltschaft zeigen die digitalen Aufnahmen zum Teil schwere Missbrauchsfälle von Kindern im Alter zwischen 4 Monaten und 13 Jahren.

Zudem habe der Mann 25 Bild- und Videodateien mit kinderpornografischem Inhalt aus dem Internet heruntergeladen. Weitere 5351 derartige Dateien soll er auf seinem Rechner, einer Festplatte, einer CD und auf DVD gespeichert haben.

Nach der Aussage einer Zeugin, die bei den Ermittlungen dabei gewesen ist, wurden die Datenträger in der Wohnung des Angeklagten sichergestellt. Tränengas und Messer seien auch beschlagnahmt worden.

Am Arbeitsplatz habe man nichts gefunden. „Bei der Wohnungsdurchsuchung sagte er, dass ihn die „Stricherjungen“ immer wieder bestehlen würden“, schilderte die 39-Jährige.

Einer dieser Männer ist ein 37-jähriger weiterer Zeuge, der 2009 nach einer gemeinsamen Nacht mit dem Angeklagten eine Kamera gestohlen haben soll. Der Lkw-Fahrer konnte sich an den Vorfall nur vage erinnern, da er unter Drogeneinfluss stand. Damals habe er den 57-Jährigen bei der Verhaftung wegen des Diebstahls beschuldigt, Kinderpornografie zu besitzen. „Ich kann mich nur vage daran erinnern“, sagte er. Einem Polizeibericht zufolge gab der Zeuge folgende Drohung des Angeklagten wieder: „Wir sehen uns vor Gericht. Wer sitzt dann wohl am längeren Hebel.“

Der Prozess gegen den Polizisten war Ende Juni nach dem Auftakt zunächst ausgesetzt worden, weil Aussagen des Angeklagten weitere Ermittlungen erforderten. Das Verfahren wird im Dezember fortgesetzt.

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erstellt am 28.Okt.2015 | 16:17 Uhr

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