„Cold Cases“ in Hamburg : Polizei sucht nach 36 Jahren mit Phantombild zweifachen Kindermörder

Die Leichen von Haluk und Michael wurden 1981 in einem Gebüsch gefunden – doch ihr Mörder blieb auf freiem Fuß.

shz.de von
05. März 2018, 17:22 Uhr

Hamburg | Mehr als 36 Jahre hat es gedauert, jetzt hat der Doppelkindermörder von Hamburg-Ochsenwerder ein Gesicht: Die Polizei sucht seit Montag mit einem Phantombild nach einem Unbekannten, der 1981 zwei Jungen im Alter von acht und neun Jahren getötet haben soll. Die Aufnahme zeige einen etwa 30-Jährigen, den zwei Zeugen damals in Begleitung der Kinder gesehen hätten, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die stark verwesten Leichen von Haluk (8) und Michael (9) waren 44 Tage nach ihrem Verschwinden im Hamburger Naturschutzgebiet Die Reit entdeckt worden.

Der rätselhafte Fall hat die Hamburger Mordermittler nie wirklich losgelassen, weshalb sich die Ermittlungsgruppe „Cold Cases“ die Akten nun nochmals vorgenommen hat und früheren Spuren nachgeht. 

Haluk und Michael waren im Juni 1981 mit ihren Fahrrädern von zu Hause in Mümmelmannsberg zum Spielen aufgebrochen, aber nie zurückgekehrt. Ein Zeuge beobachtete damals, wie die Jungen am Abend auf dem Parkplatz in den Boberger Dünen zu einem Mann gingen, der an einem Fahrzeug stand. Ebenfalls in den Abendstunden sah eine Zeugin einen Unbekannten, der sich mit zwei Jungen in der Nähe des Naturschutzgebietes Die Reit in Ochsenwerder an der Reitdeicher Schleuse mit selbst gebauten Angeln aufhielt; bei diesen Jungen habe es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Opfer gehandelt. Ihre toten Körper entdeckten Vogelschützer gut sechs Wochen später im Gebüsch.  

Mit diesem Phantombild suchen die Ermittler nach dem mutmaßlichen Täter.
Polizei Hamburg

Mit diesem Phantombild suchen die Ermittler nach dem mutmaßlichen Täter.

 

Nach den Angaben jener Zeugin von der Reitdeicher Schleuse ist nun das Phantombild entstanden. Die Personenbeschreibung stimmt laut Polizei mit der des Unbekannten vom Parkplatz Boberger Dünen überein. Demnach war der Gesuchte 1,80 bis 1,85 Meter groß, hatte eine normale Figur sowie dunkles Haar, das im Nacken rund geschnitten war. Es bestehe Grund zur Annahme, dass der Täter aus der damaligen Hamburger Pädophilenszene komme, sagte die Sprecherin. Staatsanwaltschaft und Polizei Hamburg ermittelten nun auch gezielt in diesem Bereich.

Kurz nach der Tat war ein damals 40-Jähriger ins Visier der Mordkommission geraten, in dessen Auto Haare gefunden worden waren. Zwar ordnete ein Gutachter diese einem der vermissten Jungen zu, doch zwei weitere Expertisen bestätigten dies nicht. Die Polizei ließ den Verdächtigen laufen.

Zeugen, die Angaben zu dem Mann auf dem Phantombild machen können, werden gebeten, sich bei der Polizei unter Telefon 040/4286 56789 oder bei einer anderen Polizeidienststelle zu melden. Auch anonyme Hinweise werden entgegengenommen. Für die Ergreifung des Täters hat die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 3000 Euro ausgelobt.

Blaulichtmonitor

Was ist der Blaulichtmonitor?

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert