Mission der „Aldebaran“ : Plastikmüll zieht Gift magnetisch an - Gefahr für den Menschen

An Bord der Aldebaran: Das Forschungsteam um Frank Schweikert, Geschäftsführer der Aldebaran (Dritter von links), und Professorin Gesine Witt (Mitte). Sie legten dabei mehr als 1000 Seemeilen zurück. Besonders in der Weser- und der Elbmündung fanden sie an den Plastikteilen erhöhte Ablagerungen krebserregender Stoffe.
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An Bord der Aldebaran: Das Forschungsteam um Frank Schweikert, Geschäftsführer der Aldebaran (Dritter von links), und Professorin Gesine Witt (Mitte). Sie legten dabei mehr als 1000 Seemeilen zurück. Besonders in der Weser- und der Elbmündung fanden sie an den Plastikteilen erhöhte Ablagerungen krebserregender Stoffe.

Forschungsergebnis: Mikroteilchen in Flüssen und Meeren binden deutlich mehr Schadstoffe im Schlick als bislang vermutet

shz.de von
01. August 2016, 17:43 Uhr

Hamburg | Fisch essen ist gesund? Diese landläufige und von Ernährungsexperten propagierte Empfehlung muss nach den jüngsten Forschungsergebnissen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg zumindest relativiert werden. Dort hat ein Forschungsteam herausgefunden, dass kleinste Teilchen von Plastikmüll, die über Kläranlagen ins Meer und in Flüsse gelangen, Giftstoffe aus dem Schlick geradezu magnetisch anziehen.

Die alarmierenden Ergebnisse ihrer Untersuchung im Sediment der Elbe, Weser, Trave, der Boddengewässer und der Nord- und Ostsee stellten die Wissenschaftler am Montag im Magdeburger Hafen in Hamburgs Hafencity vor.

Demzufolge sind die Plastikteilchen drei- bis viermal stärker mit teils krebserregenden Schadstoffen belastet als das ohnehin schon kontaminierte Sediment. Über den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten wie Muscheln gelangen diese Giftcocktails in die menschliche Nahrungskette.

Professorin Gesine Witt von der HAW Hamburg, die das vom Bund geförderte Projekt leitete, sagte, sie sei selbst überrascht gewesen, wie viel höher die Konzentration in den Plastikpartikeln tatsächlich sei. In dem Maße habe sie das nicht erwartet. Mit dem jetzt vorliegenden Forschungsergebnis gebe es erstmals „zuverlässige Informationen, wie hoch die Konzentration von Schadstoffen im Mikroplastik im Sediment tatsächlich ist“. Bekannt war bislang lediglich, dass sich die winzigen Plastikteile wie ein Magnet für Schadstoffe verhalten, je länger sie im Wasser herumtreiben.

Hintergrund: Das Forschungsschiff „Aldebaran“

Das Forschungsschiff Aldebaran − das einzige in Hamburg − braucht einen Tiefgang von lediglich 80 Zentimetern und eignet sich deshalb für den Einsatz auf der Elbe und den Küstengewässern. Das 14 Meter lange und privat betriebene Forschungs-Segelschiff ist seit knapp 25 Jahren im Dienste der Wissenschaft. Es ist mit einem Mini-Labor und einem kleinen Radio-Studio ausgestattet. Die Aldebaran präsentiert sich auch auf dem Tag der offenen Tür der Bundesregierung Ende August in Berlin.

 

Das Forschungsteam um Gesine Witt hatte sich im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Hamburger Forschungsschiff Aldebaran aufgemacht, um in der Elbe und den Küstengewässern die Plastikmüll-Verunreinigungen aufzuspüren.

Laut Witt enthalten vor allem  Kosmetikprodukte wie Körperpeeling und Zahnpasta die Plastikpartikel, die dann ungefiltert über die Kläranlagen in die Gewässer gelangen, oder sie entstehen aus größeren Plastikteilen, die von Wind und Wetter zersetzt werden. Den Verbrauchern empfiehlt die Umweltchemikerin und -toxikologin, beim Einkauf darauf zu achten, keine plastikhaltigen Kosmetikprodukte zu kaufen. Eine gute Hilfe sei der Einkaufsratgeber des Natur- und Umweltschutzbundes BUND. „Und dann heißt es: Mit der Lupe das Kleingedruckte auf den Verpackungen lesen“, so Gesine Witt.

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