Ausgleichsgebiet : Planunterlagen für Elbvertiefung sorgen für neuen Streit mit Umweltschützern

Hier soll der Schierlings-Wasserfenchel die Elbvertiefung überleben: In der oberen Hälfte der Luftaufnahme sind vier ehemalige Absetzbecken der Wasserwerke zu erkennen. Die Planer wollen die beiden oberen per Kanal unter der A1 hindurch mit dem Holzhafen verbinden, um für die seltene Wasserpflanze neuen Lebensraum mit Ebbe und Flut zu schaffen.

Hier soll der Schierlings-Wasserfenchel die Elbvertiefung überleben: In der oberen Hälfte der Luftaufnahme sind vier ehemalige Absetzbecken der Wasserwerke zu erkennen. Die Planer wollen die beiden oberen per Kanal unter der A1 hindurch mit dem Holzhafen verbinden, um für die seltene Wasserpflanze neuen Lebensraum mit Ebbe und Flut zu schaffen.

Die neuen Pläne für ein Öko-Gebiet auf der Billwerder-Insel liegen aus – und basieren offenbar auf veralteten Daten.

shz.de von
05. März 2018, 20:19 Uhr

Hamburg | Sie kommen einfach nicht zueinander: Im Ringen um die Elbvertiefung bahnt sich neuer Streit zwischen der Stadt Hamburg und Umweltschützern an. Das Aktionsbündnis Lebendige Tideelbe aus BUND, Nabu und WWF hat den jetzt vorgelegten Plan für ein neues Ausgleichsgebiet als fehlerhaft abgelehnt. Nach erster Durchsicht der umfangreichen Unterlagen bemängelte das Bündnis, „dass wesentliche Planungsgrundlagen auf veralteten Daten basieren“. Die Behörden hätten für die Berechnung der Wasserstände Modelle von 2010 und älter benutzt. Das sei „eine Missachtung entsprechender Standards", die auch das Bundesverwaltungsgericht für notwendig halte.

Mit der Elbvertiefung soll der Fluss so ausgebaut werden, dass künftig große Containerschiffe mit einem Tiefgang bis zu 13,50 Meter unabhängig von der Flut und bis zu 14,50 Meter auf der Flutwelle den Hamburger Hafen erreichen können. Zudem sollen die Schiffe durch den Ausbau einander beim Ein- und Auslaufen besser passieren können. Die Hafenwirtschaft hält die Elbvertiefung für unverzichtbar - auch für den Erhalt von rund 150.000 Arbeitsplätzen, die direkt und indirekt am Hamburger Hafen hängen.

Die Wirtschaftsbehörde und der Bund haben die mit Spannung erwarteten Pläne für ein neues Öko-Gebiet auf der Billwerder Insel am Montag öffentlich ausgelegt. In dem Areal zwischen Norderelbe und Dove Elbe im Osten der Stadt sollen zwei ehemalige Absetzbecken der Wasserwerke an das Tidegeschehen angeschlossen werden. In den umgebauten Bassins soll ein Elbwatt als Lebensraum für etwa 200 Exemplare des vom Aussterben bedrohten Schierlings-Wasserfenchels entstehen. Es handelt sich um eine Auflage des Bundesverwaltungsgerichts, das die Elbvertiefung wegen insgesamt drei Mängeln beim Naturschutz für nicht vollziehbar erklärt und Nachbesserungen verlangt hatte.

Ob die Billwerder Insel im Stadtteil Rothenburgsort überhaupt als Heimat für den Schierlings-Wasserfenchel tauge, müsse die genauere Lektüre der Planunterlagen erst noch zeigen, sagte Hamburgs BUND-Geschäftsführer Manfred Braasch. Klar sei aber schon, dass die Planer ihre Annahmen zu den Wasserständen auf untaugliches Material stützten. „So wird für den Ist-Zustand der Tideelbe auf eine veraltete Topographie aus 2010 zurückgegriffen und keine neue langfristige 3D-Modellierung zu den Auswirkungen der geplanten Elbvertiefung vorgenommen, obwohl dies mittlerweile möglich ist.“ Die zugrunde gelegte Modellierung stamme gar von 2006. Seither habe sich die Morphologie der Elbe laut Braasch entscheidend verändert. Für den Schierlings-Wasserfenchel seien die richtigen Wasserstände überlebenswichtig.

Ob die Naturschützer gegen die geänderten Pläne nochmals vor Gericht ziehen, ließen sie offen. Die Verbände haben bis Anfang Mai Zeit für eine Stellungnahme. Die Behörden prüfen anschließend die Einwände und erlassen sodann den Planfeststellungsbeschluss – gegen den erneut geklagt werden könnte.

Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) hegt keinerlei Zweifel an der Eignung des neuen Schutzgebietes. Er hofft darauf, bis Ende 2018 Baurecht für den Flussausbau zu erhalten. Zuvor müssen Stadt und Bund noch die beiden anderen Hausaufgaben des Bundesverwaltungsgerichts erledigen. Diese betreffen neue Gutachten zum Salzgehalt des Elbwassers zwischen Wedel und Glückstadt sowie zu Ausgleichsflächen in Niedersachsen.

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