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Schiller Bikes in Hamburg : Pedale, Propeller, Fahrradkorb: Unterwegs mit dem Fahrrad auf der Alster

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Mit dem Rad statt mit Kanu oder Tretboot über die Alster: Eine Hamburgerin hat den Trend in die Hansestadt gebracht.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 16:34 Uhr

Ein Ehepaar winkt vom Alsterufer und Martina Franken winkt fröhlich zurück. Sie ist mal wieder die Attraktion auf der Alster. Nicht unbedingt sie, sondern vielmehr ihr Fahrrad, mit dem sie auf dem Wasser fährt, als sei es das Normalste auf der Welt. Das sogenannte Schiller-Bike ist halb Katamaran, halb Fahrrad. Martina Franken tritt in die Pedale und nimmt Fahrt auf. Der kleine Propeller am Heck dreht sich im Wasser.

Fahrradrahmen und Sattel, Lenker, Pedalen und sogar einen Fahrradkorb: Ihr Schwimmrad hat fast alles, was ein Normales auch hat, nur eben keine Räder. Stattdessen ist der Rahmen auf Kufen montiert, zwei länglichen Schwimmkörpern, die mit Luft gefüllt sind. Ganz selbstverständlich gleitet die Unternehmerin über das Wasser.

Wie Tretboote oder Kanus auch lassen sie sich stundenweise ausleihen – ein in Deutschland bislang einmaliges Angebot. Die Ausfahrt mit dem Schiller-Bike ist nicht ganz preiswert. Die Mindestmietdauer beträgt eine Stunde und kostet 23 Euro, zwei Stunden 35 Euro. Wer mag, kann in dieser Zeit die Kanäle und die Alster auf eigene Faust erkunden. Aber auch geführte Touren mit einem Guide gibt es bei den Alsterradlern ab 49 Euro/90 Minuten.

Martina Franken hatte vor zweieinhalb Jahren durch Zufall einen Fernsehbericht über den US-Amerikaner Judah Schiller gesehen. Der ehemalige Rennsportler aus San Francisco hatte die Räder entworfen, mit denen es sich auf dem Wasser fahren lässt. „Ich dachte mir: Das ist es. Das braucht Hamburg auch“, erzählt Martina Franken. Sie kündigt ihren Job in einer Boutique und macht sich gemeinsam mit ihrem Mann an die Realisierung. Mittlerweile sind sie Deutschland-Generalimporteure der Schiller-Bikes. Zehn Schiller-Bikes stehen zum Ausleihen in Hamburg.

Fred Franken ist Profi, wenn es darum geht ungewöhnliche Fahrzeuge aufs Wasser zu bringen. Mit seinem Hafencity RiverBus hat er bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Sein Amphibienfahrzeug fährt an Land und auf Wasser. Seit eineinhalb Jahren betreibt er gemeinsam mit seinem Kollegen Jan Peter Mahlstedt die ungewöhnliche Stadt-Wasser-Rundfahrt. Mit ihren Alsterradlern haben die Betreiber nun in diesem Sommer wieder für eine Neuheit in Hamburg gesorgt. Noch trägt sich das neue Unternehmen nicht von alleine. „Im Sommer hat es viel geregnet.“

Das Fahren ist kinderleicht. Wer Fahrradfahren gewohnt ist, dürften mit den Wasserfahrrädern kein Problem haben. Alle anderen ebenso wenig. Denn: Wer vorwärts fahren will, tritt gewohnt in die Pedale, wer rückwärts fahren will, rückwärts in die Pedale, so wird auch gebremst. Wer den Lenker nach Rechts dreht, fährt rechts. Und Umkippen ist ausgeschlossen. Wer Probleme mit dem Gleichgewicht hat, kann auf dem Wasser entspannt fahren. „Wir sprechen viele ältere Gäste Ü60 an“, erzählt Martina Franken. Damit hatte sie zu Beginn gar nicht gerechnet. Doch es macht Sinn. Wer erst einmal ein paar Minuten gefahren ist, fühlt sich sicher. Es ist eine gemütliche, entspannte, nicht zu anstrengende Art sich fortzubewegen. „Vor allem Frauen lieben es“, meint die gebürtige Horneburgerin. Mit 20 Jahren zog sie in die Großstadt Hamburg und fühlt sich seitdem von Elbe und Alster gleichermaßen angezogen.

Zehn Schiller-Bikes stehen am Hamburger Anleger in Winterhude. Doch letztendlich lassen sie sich überall fahren. „Wir bringen sie dem Kunden auch an ein anderes Gewässer“, so Martina Franken. Ob Bille, Dove/Gose Elbe, Trave, Lühe, Plöner See, Stör, Schlei, Eider oder Ostsee – die Schiller-Bike-Nutzung kennt keine Grenzen. Denn wie fürs Fahrrad auch, braucht es für die Alsterradler keine Genehmigung. „Wir waren ganz überrascht, dass es so einfach ist.“ Lediglich für den maschinenangetriebenen Schiffsverkehr auf der Alster bedarf es einer Erlaubnis zur Benutzung durch die zuständige Behörde.

Zu beachten sind natürlich die Verkehrsregeln der Wasserschutzpolizei Hamburg. Doch das erklärt sich von selber: Kommt ein Alsterdampfer, heißt es Platz machen. Gefahren wird rechts. Mittlerweile sind nicht mehr so viele Alsterdampfer auf der Alster unterwegs. Sowieso ist es nicht mehr so voll auf dem Gewässer. Viele Anbieter und Kanuverleihs haben sich schon in den Winterurlaub verabschiedet. Die Schiller-Bikes bleiben, lassen sich bei gutem Wetter auch in der kalten Jahreszeit noch mieten.

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