Prozess in Hamburg : Partnerin zu Tode gequält - Angeklagter schweigt

Eine Frau wurde von ihrem Lebensgefährten gefesselt und geschlagen. Stunden später erstickte sie an ihrem eigenen Blut.

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17. Dezember 2014, 17:49 Uhr

Hamburg | Zahlreiche grausame Details hat am Mittwoch der Prozess gegen einen 50 Jahre alten Mann offenbart, der seine 39-jährige Partnerin zu Tode gequält haben soll. Der wegen Totschlags vor dem Hamburger Landgericht angeklagte Gärtner schwieg am vierten Verhandlungstag weiter zu den Vorwürfen.

Laut Staatsanwältin war die asthmakranke Frau bei der Tat im Mai ans Bett gefesselt. Der Angeklagte habe ihr in der gemeinsamen Hamburger Wohnung die Kleidung vom Leib gerissen, sie geschlagen und ihr mehrfach Wäsche aufs Gesicht gedrückt.

Eine Polizistin berichtete vor Gericht: „Der Mann sprach von Fesselspielen.“ Darüber sei es dann zum Streit gekommen. Ein Polizist sagte aus, die Frau habe aus Angst vor dem Angeklagten bereits früher Hilfe gesucht. Was in der Tatnacht wann genau passierte, blieb trotz all dieser Aussagen zunächst weiter unklar.

Der Rechtsmediziner konnte den Todeszeitpunkt nicht genau eingrenzen, da es in der Wohnung sehr warm gewesen war und die Frau möglicherweise Fieber gehabt hatte. Er konnte auch nicht sagen, ob die Frau gefesselt war, als sie starb. Fest steht: Stunden nach den Faustschlägen erstickte die von Alkohol und Schlafmitteln betäubte Frau am eingeatmeten Blut. Sie hatte mehrere Brüche im Gesicht erlitten.

Der 13-fach vorbestrafte Angeklagte hatte 1998 im Gefängnis einen rechtlichen Betreuer bekommen. Dieser zeigte sich am Mittwoch überrascht von der Tat, die sein Klient begangen haben soll. Er beschrieb den Mann als jemanden, der zuletzt ein kleinbürgerliches Leben versucht habe. Nachdem die Ehe des Angeklagten vor wenigen Jahren jedoch scheiterte, wusste der Betreuer: „Jetzt wird es kompliziert.“

Der Angeklagte wuchs in einem Heim auf, besuchte die Sonderschule und war in den 80er und 90er Jahren drei Mal wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern verurteilt worden. Anschließend hatte er sich einer triebhemmenden Therapie unterzogen. Er ist alkoholkrank, HIV-positiv und gab an, als Kind von seinem älteren Bruder auf den Strich geschickt worden zu sein. Seit wann der Mann mit dem 39-jährigen Opfer eine Beziehung führte, konnte das Gericht bislang nicht feststellen.

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