Hamburger Innenstadt : „Park and Joy“: App soll in Hamburg die Parkplatzsuche erleichtern

20 Minuten dauert die Parkplatzsuche in der Hansestadt durchschnittlich. Die Telekom-App „Park & Joy“ soll das Procedere verkürzen.

20 Minuten dauert die Parkplatzsuche in der Hansestadt durchschnittlich. Die Telekom-App „Park & Joy“ soll das Procedere verkürzen.

Wer in Hamburg sein Auto abstellen will, braucht starke Nerven. Eine App soll Nutzern nun verraten, wo mit freien Plätzen zu rechnen ist.

shz.de von
29. Januar 2018, 19:25 Uhr

Hamburg | Die Suche nach einem Parkplatz in Hamburg ist wahrlich nicht Vergnügungsteuer-pflichtig. Zumal die Aussicht, tatsächlich zügig eine Stellfläche zu ergattern, Jahr für Jahr kleiner wird. In der Innenstadt seien erfahrungsgemäß drei von zehn Autofahrern auf Parkplatzsuche, im Schnitt dauere diese 20 Minuten, berichteten am Montag Vertreter der Innenbehörde – und präsentierten sogleich einen Befreiungsschlag: „Park and Joy“ heißt eine Smartphone-App, mit der die Telekom und die Stadt Hamburg das Problem entschärfen wollen. 

Die Anwendung sagt dem Nutzer, wo dieser mit welcher Wahrscheinlichkeit eine freien Parkplatz finden kann. „Die Vorhersagewahrscheinlichkeit liegt bei 96 Prozent“, versprach Oliver Bahns, Leiter des Bereichs Connected Mobility bei der Telekom-Tochter T-Systems.

Ob Flächen frei sind, weiß die App dank Messtechnik, die in den kommenden zwei Jahren nach und nach im Straßenbelag verankert werden soll. „Die Sensoren ermitteln optisch und per Magnetfeld, ob ein Fahrzeug auf der Fläche steht“, erläuterte T-Systems-Mitarbeiter Mario Riedel. Die ersten knapp 80 Parkplätze rund um den Wandsbek Markt sind inzwischen entsprechend ausgestattet, doch das ist erst ein zarter Anfang für ein gigantisches Sensorennetz. Bis Ende 2019 sollen bis zu 11.000 öffentliche Stellflächen in der Hansestadt angeschlossen sein, Mitte dieses Jahres allein 3000 in der Innenstadt. 

Freie Parkmöglichkeiten werden via Sensor und Funknetz in Echtzeit sofort ans Smartphone gemeldet. Zudem stützt sich die App auf weitere 40 Datenquellen – wie Wetter, Wochentag, Tageszeit – um die Auslastung fortlaufend aktualisiert vorherzusagen. 

Wer „Park and Joy“ nutzen will, muss sein Autokennzeichen angeben, damit Knöllchenschreiber vor Ort abfragen können, ob der Parker seine Gebühr bezahlt hat. Das bargeldlose Bezahlen übernimmt die App auf Wunsch gleich mit, sofern der User seine Zahlungsdaten hinterlegt hat. Vernetzt werden ausschließlich kostenpflichtige Stellflächen.

Die App ist kostenlos, das gilt auch für die Parkplatzprognose. T-Systems plant indes zusätzliche „Premium-Dienste“ wie eine Navigation zum nächsten freien Stellplatz. Bahns: „Mit den Einnahmen aus solchen kostenpflichtigen Angeboten wollen wir die Investitionen amortisieren.“ Die liegen bundesweit im zweistelligen Millionenbereich. Perspektivisch soll die App auch in vielen anderen deutschen Städten anwendbar sein. 

Hamburg sieht die Neuerung als Baustein im Leitbild „digitale Stadt“. Innenstaatsrat Bernd Krösser: „Als Gastgeber des ITS-Weltkongresses 2021 wollen wir alle technischen Möglichkeiten nutzen, um den Parksuchverkehr für die Bürgerinnen und Bürger zu minimieren.“

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