Unternehmen aus Hamburg : Paketriese Hermes wächst und kündigt höhere Löhne für Fahrer an

Imago/Ralph Peters

Hermes-Fahrer sollen demnächst mehr Geld verdienen.

Der Boom des Online-Handels beschert auch den Paketdiensten goldene Zeiten und hohe Wachstumsraten.

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11. April 2018, 16:58 Uhr

Hamburg | Online-Shopping boomt - und der Hamburger Paketzulieferer Hermes boomt mit: Das Tochterunternehmen der Otto Group hat im vergangenen Jahr erneut zweistellig zugelegt, der Umsatz kletterte um zwölf Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. „Wir freuen uns sehr über das bisher erfolgreichste Geschäftsjahr unserer Firmengeschichte“, sagte Hermes-Europa-Chefin Carole Walker am Mittwoch bei der Vorlage der Rekordzahlen. Der Erfolg basiere auf einem „klaren Fokus auf kundennahe und flexible Services, Internationalisierung und Digitalisierung“. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben.

Hermes ist hinter DHL zweitgrößter Paketdienst hierzulande.

Die Hermes Gesellschaften in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Österreich, Italien und Russland transportierten 2017 mehr als 766 Millionen Sendungen zu Endkunden, ein Plus um 15 Prozent. Rund 80 Prozent des Liefervolumens entfällt das Drittkundengeschäft, also auf Geschäfte außerhalb der Otto-Firmen-Familie.

Die Hermes-Manager rüsten sich für ein weiteres stürmisches Branchenwachstum. „Allein in Deutschland wird sich der Markt in den kommenden sieben Jahren auf rund drei Milliarden Pakete verdoppeln“, sagte Deutschland-Chef Frank Rausch. Bis 2020 soll eine halbe Milliarde Euro in Expansionsmaßnahmen fließen.

Logistik-Probleme auf der letzten Meile

Rund 70 Prozent der Sendungen seien für urbane Ballungsgebiete bestimmt, was zu logistischen Problemen auf der „letzten Meile“ führe. Auf die starke Nachfrage hat das Unternehmen mit einem Programm zum Bau von neun riesigen Logistik-Centern in deutschen Metropolregionen reagiert. In Hamburg haben im vergangenen November die Arbeiten für ein 55 Millionen Euro teures Paketzentrum in Billbrook begonnen, das täglich 100.000 Sendungen umschlagen soll.

Die Niederlassung werde auch dazu dienen, die Fahrzeugflotte nach und nach auf Elektrobetrieb umzustellen, hieß es. Ziel sei es, die Kunden in der Hamburger Innenstadt bereits in einem Jahr flächendeckend emissionsfrei zu bedienen. Nach dem Test mit einem ersten Lieferroboter in der Hansestadt vor anderthalb Jahren denkt Hermes weiterhin über autonome fahrende Paketvehikel nach, aber auch über Lastenfahrräder.

Höhere Löhne angekündigt

Nach Angaben von Deutschland-Chef Rausch reagiert zudem der Paketriese auf den Mangel an Ausfahrern. So habe Hermes eine Anhebung der Preise um durchschnittlich 4,5 Prozent in Deutschland beschlossen. Die Mehreinnahmen würden großteils in Lohnkosten investiert, „insbesondere in die verbesserte Entlohnung der Zusteller“. Paketfahrer seien auf dem Arbeitsmarkt kaum zu finden. Rausch: „Wir müssen das Berufsbild verbessern.“ Hermes setzt etwa 12.000 Fahrer ein, die bei selbstständigen Subunternehmern beschäftigt sind. Sie erhalten einen mittleren Stundenlohn von rund 9,50 Euro. Markus Lorenz

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