Landgericht Hamburg : P+S-Werftenpleite: Schadenersatz-Klage wird wohl abgewiesen

Blick auf das ehemalige Betriebsgelände der P+S-Werft Volkswerft in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern). /Archiv
Blick auf das ehemalige Betriebsgelände der P+S-Werft Volkswerft in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern). /Archiv

Die Pleite der P+S-Werften in Stralsund und Wolgast liegt Jahre zurück, beschäftigt aber noch immer die Gerichte.

shz.de von
22. November 2018, 15:33 Uhr

Hamburg/Stralsund | Im Streit um die Millionenpleite der vorpommerschen P+S-Werften vor sechs Jahren wird das Hamburger Landgericht eine Schadenersatz-Klage der Bremer Hegemann-Gruppe gegen die Unternehmensberatung KPMG voraussichtlich abweisen. Das machte die Vorsitzende Richterin, Carola Klaassen, in dem zivilrechtlichen Prozess am Donnerstag deutlich. Die endgültige Entscheidung soll am 24. Januar 2019 fallen.

Die P+S-Werften waren Ende 2012 in die Insolvenz gegangen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern verlor etwa 270 Millionen Euro durch Bürgschaften. Nach der Pleite waren Forderungen von insgesamt 1,22 Milliarden Euro angemeldet worden.

Die Kammer begründete ihrer vorläufige Einschätzung mit einer Unterbrechung der „Kausalitätskette“. Terminverzögerungen beim Schiffbau, Zahlungsausfälle oder Lieferschwierigkeiten seien später aufgetretene Probleme, die man nicht KPMG zurechnen könne. „Es kam eins zum anderen“, sagte die Vorsitzende Richterin. Aus Sicht der Hegemann-Anwälte ist eine Unterbrechung nur durch außergewöhnliche Umstände gegeben, nicht aber bei produktionstypischen Problemen. Sie werfen KPMG vor, für das Gutachten von unrealistischen Voraussetzungen ausgegangen zu sein. Hegemann geht von einem Schaden von mehr als 300 Millionen Euro aus. KPMG verlangt, die Klage abzuweisen.

Die Richterin forderte die Parteien auf, einen Vergleich zu schließen, um einen langwierigen und kostspieligen weiteren Prozess zu vermeiden. Nächste Instanz wäre das Hanseatische Oberlandesgericht.

Klaassen erklärte, dass das KPMG-Sanierungsgutachten Mängel aufweise. Es sei mit sehr optimistischen Konditionen gerechnet worden. „Wir können nicht sagen, dass alles Top-Arbeit war.“ Allerdings seien Pflichtverletzungen kein alleiniger Grund für Schadenersatzansprüche.

Die Schiffbaugruppe aus Bremen war nach Angaben des Gerichtes mit Darlehenssicherheiten bei P+S engagiert, die zur Jahreswende 2009/10 zur Verlängerung anstanden. Dies sei auf Grundlage eines positiven Sanierungsgutachtens der Beratungsgesellschaft KPMG auch erfolgt.

Auslöser der Insolvenz war der Bau von zwei Fähren für die Reederei Scandlines, von denen sich herausstellte, dass sie mehrere Hundert Tonnen zu schwer waren. Dieser Auftrag war nicht Gegenstand im Sanierungsgutachten, wie vor Gericht deutlich wurde. „Man hat Scandlines gemacht, weil man in den Markt wollte“, sagte die Richterin. Die KPMG-Verteidiger bekräftigten, Hinweise gegeben zu haben, dass die Fähren nicht finanzierbar wären. „Werften haben eine Eigenverantwortung, wenn sie Schiffbauaufträge annehmen“, ergänzte die Richterin.

Die Hegemann-Klage ist nicht die einzige: Auch Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann fordert Schadenersatz von KPMG – wegen Fehlern im Sanierungsgutachten. In diesem Fall soll nach Gerichtsangaben am 14. Februar 2019 wieder verhandelt werden.

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