Hamburger Modekonzern : Otto Group legt Bericht über schwaches Geschäftsjahr vor

Bei der Otto Group liefen in diesem Jahr einige Dinge nicht rund. Das ist vor allem bedauerlich für die Stiftung, die mittlerweile Eignerin des Konzerns ist. Sie erhält wohl keine Ausschüttung.

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21. Mai 2015, 08:20 Uhr

Hamburg | Erstmals in der Unternehmensgeschichte hat die Hamburger Otto Group ein Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen. Das Minus vor Steuern betrug 125 Millionen Euro zum Stichtag 28. Februar, berichtete Vorstandschef Hans-Otto Schrader am Mittwochvormittag. Im Vorjahr hatte der Familienkonzern noch 244 Millionen Euro Gewinn gemacht. Schrader: „Wir sind sehr unzufrieden.“ Auch die Umsatzentwicklung verlief enttäuschend. Mit einem Zuwachs um 0,5 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro trat Otto auf der Stelle.

Als Hauptgrund für die roten Zahlen nannte der Vorstandsvorsitzende erhebliche Probleme und Verluste auf den Märkten in Frankreich, den USA und Russland. Allein Währungsverluste durch den schwachen Rubel schlugen laut Schrader mit 60 Millionen Euro zu Buche. „Die politischen Turbulenzen haben uns das Geschäft in Russland und der Ukraine gründlich verhagelt.“ Dort ging fast ein Viertel des Umsatzes verloren.

Solider haben sich dagegen den Angaben zufolge die Geschäfte für Deutschland sowie bei Kerngesellschaften wie Bonprix, der Witt-Gruppe, der Finanzgruppe EOS sowie dem Logistikdienstleister Hermes Gruppe entwickelt.

Allerdings waren die Einbußen in den ausländischen Märkten damit nicht vollständig auszugleichen. Zumal das Wachstum auch hierzulande hinter dem der Konkurrenz zurückblieb. Zur Begründung verwies Schrader vor allem auf den schwächelnden deutschen Modemarkt, aber auch auf Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, unter anderem für den Ausbau des Internetgeschäfts.

Im Online-Handel legte die Otto Group zwar erneut um fünf Prozent zu, liegt damit aber unterhalb des Marktdurchschnitts von sieben Prozent. Dennoch sind die Bramfelder bei Mode, Möbeln und Wohnaccessoires weiterhin führender Onlinehändler in Deutschland. Mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Euro machte der Konzern inzwischen mehr als die Hälfte seines Gesamtumsatzes im Netz. 

Seine Zukunft sieht das Familienunternehmen ohnehin in neuen, jungen Konzepten im Handel per Mausklick. Ein Vorzeigeprojekt ist nach Überzeugung der Manager das vor einem Jahr gegründete Open-Commerce-Portal Collins mit den Marken About you, Edited und Sister Surprise. Dessen Start sei „hervorragend“, sagte der Otto-Chef. Collins habe inzwischen eine halbe Million Kunden und mache einen zweistelligen Millionenumsatz. 

Als Folge des Minusjahres will der Vorstand alle 123 Konzernunternehmen auf den Prüfstand stellen und sich von einigen trennen. Otto werde die Gesamtstrategie allerdings nicht verändern. Schrader: „Wir werden erneut dreistellige Millionenbeträge in unsere IT, Logistik sowie den Aufbau neuer Geschäftsmodelle investieren, um die Zukunftsfähigkeit der Otto Group langfristig zu sichern.“  Für das Geschäftsjahr 2015/2016 kündigte er ein Umsatzplus von drei Prozent sowie eine Rückkehr in die Gewinnzone an.

Weltweit ist die Zahl der Mitarbeiter in der Gruppe leicht auf 54.000 zurückgegangen. In Deutschland stieg die Zahl der Stellen dagegen nochmals um gut 550 auf 26.500 und in Hamburg um mehr als 100 auf 8600. Markus Lorenz

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