Testlauf : Optische Täuschung: 3D-Zebrastreifen sollen in Hamburg für mehr Sicherheit sorgen

3D_Zebrastreifen

In Österreich können Fußgänger bereits einen 3D-Zebarstreifen überqueren.

Die FDP will einen Antrag für eine Testphase des dreidimensional wirkenden Fußgängerüberweges stellen.

Lorenz 4,5x6-1.jpg von
05. Februar 2018, 17:49 Uhr

Hamburg | Ein Hingucker sind 3D-Zebrastreifen allemal. Sie sehen aus, als würden weiße Blöcke über der Straße schweben – eine höchst beeindruckende optische Täuschung. Autofahrer, die sich dem vermeintlichen Hindernis nähern, sind irritiert – und genau das sollen sie auch. „3D-Zebrastreifen können aufgrund ihrer besonderen Optik zu mehr Aufmerksamkeit beitragen“, glaubt Ewald Aukes, Verkehrsexperte der Hamburger FDP-Bürgerschaftsfraktion, der den Senat deshalb zu einem Testlauf an mehreren Orten der Stadt bewegen möchte. Einen entsprechenden Antrag werde die FDP demnächst ins Landesparlament einbringen. Unterstützung kommt von CDU-Kollege Dennis Thering, der auf eine „Sensibilisierung“ von Autofahrern hofft.

Dass die dreidimensional wirkenden Fußgängerüberwege über Parteigrenzen hinweg Befürworter haben, belegt ein Beschluss der Bezirksversammlung Bergedorf, die sich Ende November bereits für einen 3D-Test ausgesprochen hat. Der Antrag dazu kam von der SPD, zugestimmt haben alle Fraktionen des Bezirksparlaments. Die Bergedorfer Lokalpolitiker wünschen sich ein Pilotvorhaben für den Überweg Curslacker Heerweg/Curslacker Deich. Das letzte Wort dazu spricht allerdings die Innenbehörde, die den Vorstoß noch prüft.

3D-Zebrastreifen sorgen derzeit weltweit für Furore. Den Anfang hatte im vorigen Jahr das isländische Fischerstädtchen Ísafjörður gemacht, die Idee kam aus Indien. Inzwischen denken mehrere deutsche Kommunen über Tests nach. Im österreichischen Linz läuft ein solcher schon. Allerdings ziehen die Verantwortlichen dort eine ernüchternde Zwischenbilanz. „Für uns ist dieser 3D-Zebrastreifen mehr ein Marketinggag“, gestand der Linzer Verkehrsstadtrat Markus Hein gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“. Eine Erhöhung der Sicherheit sei in der österreichischen Stadt jedenfalls nicht feststellbar. 

Hamburgs ADAC-Sprecher Christian Hieff überrascht das nicht. Er sieht ohnehin keine Notwendigkeit für eine Veränderung an Hamburgs Zebrastreifen. Von 1440 Unfällen mit Fußgängern in der Hansestadt 2016 hätten sich lediglich 57 an Zebrastreifen ereignet. Hieff hält die täuschend echt wirkenden 3D-Blöcke sogar für gefährlich. Beim erstmaligen Anblick könnten Autofahrer unkontrolliert abbremsen, Auffahrunfälle wären die Folge.

Braucht Hamburg 3D-Fußgängerüberwege?

 
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