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Projekt Collins : Online-Handel: Otto setzt auf digitale Generation

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Das geheimnisumwitterte Projekt Collins der Otto Group ist enthüllt. Mit einer offenen Plattform für externe Entwickler und Ideengeber sollen junge Käufer gewonnen werden. E-Commerce stehe am Anfang „einer neuen digitalen Epoche“.

Hamburg | Die umworbene Kundschaft ist die Generation I-Phone, die Konkurrenten heißen Amazon und Zalando: Der Hamburger Versandhauskonzern Otto will mit einem neuartigen Online-Shop-Konzept sein Internetgeschäft entscheidend vorantreiben. Nach rund einjähriger Vorbereitung und Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro hat das Unternehmen am Montag in der Hansestadt sein Projekt Collins vorgestellt. „Wir wollen Shopping für die junge Generation so individuell und inspirierend gestalten, wie es ihre digitale Welt längst ist“, sagte Geschäftsführer Chef Benjamin Otto. E-Commerce stehe am Anfang „einer neuen digitalen Epoche“. Und dabei will das Bramfelder Traditionsunternehmen kräftig mitmischen.

Beispielhaft verkörpert Benjamin Otto den Sprung des einstigen Kataloghaus-Unternehmens in die virtuelle Verkaufswelt des 21. Jahrhundert. Der Collins-Chef ist ein Enkel des legendären Unternehmensgründers Werner Otto und der Sohn des Eigentümers und Aufsichtsratsvorsitzenden der Otto Group, Michael Otto. Nun soll der 38-Jährige versuchen, den Familienkonzern im immer härteren Ringen gegen globale Netz-Giganten wie Amazon konkurrenzfähig zu halten.

Die am Montag präsentierten ersten Shop-Marken sind aboutyou.de und edited.de. Sie richten sich an jüngere und modebegeisterte Kunden, vorwiegend weiblichen Geschlechts, die via Tablet und Smartphone shoppen gehen. Aboutyou.de nimmt die Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ins Visier, edited.de Käuferinnen im Teenager-Alter. Neu ist die Öffnung der Plattformen für Nicht-Otto-Firmen; die Manager sprechen von „Open Commerce“. Dabei sind externe Software-Entwickler, Kreative, Markenanbieter und Händler eingeladen, in selbst gestalteten Apps Angebote zu vermarkten. Tarek Müller, 25 Jahre jung und Co-Geschäftsführer von Collins: „Die besten Ideen entstehen nicht in einem Unternehmen allein, sondern oft durch einzelne kreative Köpfe. Diesen bieten wir eine Plattform, auf der sie ihre Ideen verwirklichen können.“

An starken Worten fehlte es bei der Vorstellung des Konzepts nicht. Die digitale Generation sei gerade dabei, „den Handel zu revolutionieren“, befand Benjamin Otto. Collins verbinde Dynamik und Einfallsreichtum von Start-up-Firmen mit der „Power“ der Otto Group. Es gehe um eine „Demokratisierung des E-Commerce“.

Das unternehmerische Risiko teilt Otto bei dem Geschäftsmodell mit den Fremd-Anbietern, die am Umsatz beteiligt werden. Aktuell sind 29 Apps online, die Zahl soll sich noch deutlich erhöhen. Den Anfang bilden „Promi-Mode zum Nachstylen“, „Club-Dresscodes deutscher Großstädte“ sowie ein Blick in die „Kleiderschränke von Stylisten“. Überdies soll sich die Digital-Kundschaft auf den Verkaufsportalen wie in sozialen Netzwerken registrieren und Profile anlegen.

Wie viel Umsatz Otto mit seiner Digital-Shop-Offensive erzielen will, ließen die Verantwortlichen gestern allerdings offen. Immerhin lässt sich das Unternehmen den Aufbau seiner Internetstrategie bis 2015 rund 300 Millionen Euro kosten; allein bei Collins sind 140 Mitarbeiter beschäftigt. Im Internet-Handel sind die Hamburger ohnehin längst kein unbeschriebenes Blatt mehr und hinter Amazon weltweit die Nummer zwei. In mehr als 100 Online-Shops machte Otto 2013 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro.

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erstellt am 05.Mai.2014 | 18:40 Uhr

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