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Döner, Elbphilharmonie und Sido : Olympia-Vergleich: Berlin besser als Hamburg?

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Berlin und Hamburg wollen die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 austragen. Was kommt Touristen in den Sinn, wenn sie an die Städte denken? Ein paar Vermutungen.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2014 | 12:10 Uhr

Sehenswürdigkeiten

 

Der Hamburger Hafen zieht jedes Jahr massenhaft Touristen an. Sie machen sich unter anderem per Fahrt mit einer Barkasse ein Bild des riesigen Hafens. Aber zugegeben: Wer als Tourist nach Berlin kommt, bekommt deutlich mehr zu sehen als in der Hansestadt. Das hängt natürlich mit der Geschichte zusammen. Vor allem der Mauerbau und später deren Fall bleiben in der Weltgeschichte einzigartig.

 

Es ist viel passiert, es gibt viel zu erkunden. Das Spannende an der Hauptstadt: Es gibt so viele Gebäude und Bauten, die die Geschichte widerspiegeln. Allein Unter den Linden sammelt sich die spektakuläre Historie aus mehreren Jahrhunderten. Verstecken muss sich Hamburg aber dennoch nicht.

Fazit: Vorteil Berlin

 

Kulinarisches

 

Die Currywurst stammt aus Berlin. Oder doch aus Hamburg? Nein, die Herkunft lässt sich kaum abstreiten. Herta Heuwer soll als Erste in Berlin-Charlottenburg im Jahr 1949 die erste Currywurst angeboten haben. Allerdings sorgte eine Novelle von Uwe Timm mit dem Titel „Die Entdeckung der Currywurst“ für Aufruhr, weil dort Hamburg als Entstehungsort reklamiert wurde. Dennoch: Berlin ist auch die Hauptstadt der wohl beliebtesten Wurst der Deutschen. Gleiches gilt auch für ein weiteres „Leibgericht“: Wo der Döner genau erfunden wurde, ist nicht ganz sicher. Doch dass er in Deutschland zunächst in der heutigen Hauptstadt auftauchte, lässt sich nicht abstreiten. Hamburg kann sich kulinarisch hingegen mit seinen Fischbrötchen behaupten. Die schmecken doch auch nur im Norden, oder?

Wer sich in Hamburg auf die Suche nach Fischbrötchen macht, wird schnell fündig. Foto: Imago
Wer sich in Hamburg auf die Suche nach Fischbrötchen macht, wird schnell fündig. Foto: Imago

Fazit: Vorteil Berlin

 

Baudebakel

 

 

Der neue Hauptstadtflughafen BER sollte schon längst eröffnet sein. Doch das prestigeträchtige Vorhaben zieht sich in die Länge. Peinlicher geht es kaum für eine Hauptstadt. Bis 2024 oder 2028 müsste der Airport aber schon stehen. Wo sollen denn sonst die Gäste und Sportler aus aller Welt landen? Mit Hohn und Spott muss aber auch Hamburg leben. Denn viel besser sieht es da auch nicht aus. In der Elbphilharmonie sollten eigentlich schon seit 2000 Konzerte gegeben werden. Daraus wurde bekanntlich nichts.

 

Jetzt soll der Bau im Hamburger Hafen 2017 eröffnet werden. Die Kosten stiegen von ursprünglich 77 Millionen auf 789 Millionen Euro. Für Baudebakel sind also mittlerweile beide mögliche Olympia-Bewerber bekannt. Doch die Sache mit dem Flughafen ist doch noch eine größere Peinlichkeit.

Fazit: Vorteil Hamburg

 

Fußball

 

Der HSV macht zurzeit mehr Reden von sich als die Hertha. Der Bundesliga-„Dino“ ist seit Monaten in den Schlagzeilen. Das ist aber keineswegs ein gutes Zeichen. Denn Hamburg glänzt in der jüngsten Vergangenheit mit Trainerentlassungen (Fink, van Marwijk und Slomka sitzt auch alles andere als sicher im Sattel). Der Grund: die schlechten Leistungen der Mannschaft in der Bundesliga, die fast zum Abstieg geführt hätten. Und jetzt treiben sich die Hanseaten wieder im Tabellenkeller umher. Berlin hat zwar auch schwere Zeiten hinter sich – inklusive Abstieg. Doch seitdem Trainer Jos Luhukay die Hertha trainert, herrscht Konstanz und auch mehr Ruhe im Verein. Die Berliner können wohl als mittelklassig bezeichnet werden. Das trifft auf den HSV noch nicht zu.

Und dann wären da noch die Zweitliga-Vereine der Städte: St. Pauli erfreut sich bundesweit großer Beliebtheit, auch wegen des Kampfes gegen Rechts. Anders als Pauli und der HSV verbindet die Hertha und Union Berlin eine Fan-Freundschaft, die allerdings mittlerweile eher ein Relikt aus der Vergangenheit zu werden scheint. Zu DDR-Zeiten reisten die Anhänger – soweit geopolitisch möglich – zu Auswärtsspielen des anderen Vereins, um diesen anzufeuern.

Die Alte Försterei ist die Heimat von Union Berlin.
Die Alte Försterei ist die Heimat von Union Berlin. Foto: Hannibal Hanschke

Fazit: Unentschieden

 

Noch mehr Sport

 

Blicken wir aber auch noch auf die anderen Sportvereine der Städte. Auch beim Handball lief es für den HSV in den vergangenen Monaten nicht optimal. Der Verein entkam nur knapp der Insolvenz und erhielt nur mit reichlich Glück die Lizenz. 2013 gewann er noch die Champions League. Die Füchse Berlin spielen seit einigen Jahren in der Handball-Bundesliga oben mit – wie der HSV.

Beim Basketball hat Berlin ganz deutlich die Nase vorn. Alba stand viele Jahre für deutschen Ausnahme-Basketball. Mittlerweile hat ihnen zwar unter anderem Bayern München den Rang abgelaufen, aber Vize-Meister dürfen sie sich trotzdem nennen. In Hamburg ist Basketball ein Fremdwort. Zumindest im Profibereich.

Im Eishockey sieht das anders aus: Die Hamburg Freezers gehören in der Bundesliga zu den Top-Mannschaften. In der vergangenen Saison war erst im Halbfinale der Playoffs Schluss. Die Eisbären Berlin gewannen allerdings ein Jahr zuvor den Titel.

Fazit: Vorteil Berlin

 

Die Menschen

Wer an Hamburger denkt, hat nicht selten ein bestimmtes Klischee im Kopf. Foto: Imago
Wer an Hamburger denkt, hat nicht selten ein bestimmtes Klischee im Kopf. Foto: Imago

 

Wer an Hamburg denkt, hat nicht selten hochnäsige und versnobte Menschen im Kopf, die mit ihrem Schoßhündchen den Jungfernstieg entlang stolzieren. In der Hauptstadt stößt einigen die „Berliner Schnauze“ auf. Alle unfreundlich, denkt so manch einer. Mit Vorurteilen sind also sowohl Hamburger als auch Berliner behaftet. Aber macht das nicht alles auch den Charme der Städte aus? Und wo leben die „hipperen“ Menschen? Auch das ist Geschmackssache. Fragt man die Mehrheit, lautet die Antwort wohl Berlin. Denn diesen Ruf hat sich die Hauptsstadt in den vergangenen Jahren aufgebaut.

Fazit: Unentschieden

 

Persönlichkeiten und Promis

Das Wort von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat immer noch Gewicht.
Das Wort von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat immer noch Gewicht. Foto: dpa

 

Das ist schwierig. Die Promi-Dichte ist natürlich in beiden Städten enorm groß. Fangen wir mit Hamburg an. Der angesehenste Hamburger ist wohl ohne Zweifel Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Auch diverse Musiker stehen für Hamburg. Allen voran Udo Lindenberg, der als Dauergast im Hotel Atlantic lebt. Mit Jan Delay schwärmt er von seiner Perle Hamburg. Unvergessen bleibt Schauspieler und Sänger Hans Albers – unter anderem deshalb, weil er die Reeperbahn besang. Berlin brachte Weltstars wie Marlene Dietrich oder Horst Buchholz hervor. Auch Schwimmstar Franziska van Almsick ist Berlinerin. Musikalisch geben mittlerweile Peter Fox und Sido den Ton an.

Fazit: Unentschieden

 

Olympia-Begeisterung

 

Sind die Hamburger etwa begeisterungsfähiger als die Berliner? Laut Umfragen stehen einer Olympia-Bewerbung 73 Prozent der Hamburger positiv gegenüber. In Berlin ist die Bevölkerung gespalten. Nur 52 Prozent befürworten dort eine Bewerbung.

Fazit: Vorteil Hamburg

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will im Dezember oder Anfang 2015 entscheiden, ob sich Deutschland um die Sommerspiele 2024 bewirbt. Wenn ja, geht entweder Berlin oder Hamburg ins Rennen. Wenn sich der DOSB erst für die Spiele im Jahr 2028 bewerben sollte, zieht sich die Entscheidung für Hamburg oder Berlin noch in die Länge.

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