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Olympia 2024 in Hamburg und Kiel : Olympia-Referendum am Sonntag: Das müssen Sie jetzt wissen

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Am 29. November ist der Tag der Entscheidung. Die Kieler und Hamburger Bürger entscheiden, ob sich ihre Städte für Olympia 2024 bewerben. Fragen und Antworten zum Referendum.

Hamburg/Kiel | Wenige Tage vor dem Olympia-Referendum am Sonntag haben sich die Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein noch einmal demonstrativ zu der geplanten Bewerbung um das Sportgroßereignis 2024 bekannt. Nach einer gemeinsamen Kabinettssitzung am Dienstag in Hamburg zeigte sich Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) überzeugt, dass die Abstimmung am Sonntag trotz sinkender Olympia-Begeisterung im Sinne der Befürworter des größten Sportfests der Welt ausgehen wird. „Ich befürchte nicht, dass es eine Zustimmung nur knapp über 50 Prozent geben wird.“

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) betonte: „Ganz Schleswig-Holstein fiebert mit.“ Die Grundstimmung in der Stadt ist positiv. „Kiel wird der Bewerbung von Hamburg helfen“, sagt Kiels Olympiabotschafter Willi Holdorf, Zehnkampf-Olympiasieger von 1964. Im Falle eines Zuschlags durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) sollen die Segelwettbewerbe in Kiel ausgetragen werden.

shz.de hält Sie am Sonntag ab 18 Uhr über die Zwischenstände aus Kiel und Hamburg auf den Laufenden.

Wenn Sie sich noch unsicher sind, wie Sie sich entscheiden sollen: Hier geht es zu unserer Entscheidungshilfe.

shz.de beantwortet Fragen rund um Olympia 2024 in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Wie und wo kann ich abstimmen?

Die Hamburger Bürger können ihren Stimmzettel, auf dem sie eine Stimme für oder gegen die Bewerbung haben, entweder per Post portofrei schicken, direkt beim Bezirksamt abgeben oder am letzten Abstimmungstag (29. November) in eines der 200 Wahllokale gehen.

Auch in Kiel kann per Brief oder im Abstimmungslokal über das weitere Vorgehen entschieden werden. Das Referendum läuft bis 18 Uhr. Einen Plan mit dem Wahllokalen gibt es hier. Anträge zur Briefabstimmung wurden bis zum 27. November, 12 Uhr, im Rathaus, Fleethörn 9, entgegengenommen. So sieht ein Abstimmungszettel aus:

Foto:Screenshot www.kiel.de

 

Wann gilt das Referendum in Hamburg und Kiel als angenommen?

In Hamburg entscheiden rund 1,2 Millionen Wahlberechtigte über die Olympia-Bewerbung. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Hansestadt werden die Bewerbung nur weiter betreiben dürfen, wenn beim Volksentscheid mehr Ja- als Nein-Stimmen abgegeben werden und mindestens 259.883, das sind 20 Prozent, Abstimmungsberechtigte mit Ja gestimmt haben. Senat und Bürgerschaft müssen sich an das Ergebnis halten.

An die Bürgerabstimmung in Kiel sind strenge Auflagen geknüpft. Für eine Entscheidung muss die Mehrheit mit Ja oder Nein stimmen. Dabei müssen mindestens acht Prozent der Wahlberechtigten eine gültige Stimme abgeben. Das entspricht mindestens 15.849 Personen. Stimmberechtigt sind beim Bürgerentscheid am Sonntag rund 198.000 Menschen.

Wenn zwar mehrheitlich mit Ja oder Nein gestimmt wird, diese Mehrheit aber weniger als acht Prozent beträgt, muss die Kieler Ratsversammlung entscheiden.

Wann liegen die Ergebnisse vor?

In Kiel sollen nach Auskunft von Arne Ivers aus dem städtischen Pressereferat gegen 18.30 Uhr die ersten Ergebnisse vorliegen. Vermutlich seien bis 19.30 Uhr alle Stimmen ausgewertet. Zwischenstände können Sie unter www.kiel.de/olympia oder auf shz.de beobachten .

In Hamburg soll  es ab 18.30 Uhr erste Zwischenergebnisse geben. Spätestens um 22 Uhr soll das Endergebnis bekannt gegeben werden. Das Ergebnis des Referendums wird am 29. November vorläufig sein. Es wird danach überprüft und vom Senat am 15. Dezember endgültig festgestellt.

Gibt es Wahlpartys?

Ja, in Kiel wird ab 17.30 Uhr im Rathaus öffentlich gefeiert. Wer möchte, kann bei der Verkündung des Ergebnisses live im Ratssaal dabei sein. Live-Schaltungen ins Hamburger Rathaus, Diskussionen und Live-Musik runden die Veranstaltung ab.

In Hamburg wird es von den Olympia-Befürwortern ebenfalls eine Party geben - diese ist aber nur für geladene Gäste. Ab 18 Uhr gibt es eine große Veranstaltung mit Unterstützern, Promis, Bürgemeister Olaf Scholz und Presse in der Barclaycard-Arena.

Was passiert, wenn Hamburg für Ja stimmt und Kiel für Nein?

Bei dem Ergebnis wäre Kiel aus den Planungen raus. Hamburg müsste sich einen neuen Partner für die Ausrichtung der Segelwettbewerbe suchen. Neben Kiel hatten sich Rostock, Cuxhaven und Lübeck beworben.

Wie verbindlich ist das Referendum?

Sollte das Referendum in Hamburg im Sinne von Senat und Bürgerschaft, also mit einem Ja zur Olympia-Bewerbung ausgehen, kann diese Entscheidung innerhalb der laufenden Legislaturperiode - zumindest aber für drei Jahre - nicht durch ein neues Volksabstimmungsverfahren ausgehebelt werden. Verfassungsexperten hatten vor der Verabschiedung des Instruments „Referendum“ gewarnt, da Regierungen es dazu nutzen könnten, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Schließlich könnten sie im Falle des Scheiterns eines von ihr selbst zur Abstimmung gestellten Projekts sagen, sie könnten nichts dafür. Das Volk habe es schließlich so gewollt.

Was sagen die Umfragen?

Bei einer vor den Terroranschlägen in Paris gemachten Umfrage hatten sich 56 Prozent der Hamburger für eine Kandidatur ausgesprochen; bundesweit fiel die Zustimmung von 66 auf 60 Prozent. Um die Olympia-Stimmung in Deutschland nach den Attacken an der Seine einschätzen zu können, gab der DOSB eine weitere Umfrage in Auftrag. Ergebnis: ein Anstieg der Zustimmung auf 64 Prozent. „Zwei Drittel der Deutschen bewerten das Projekt so, dass nicht nur Hamburg sondern unser ganzes Land profitieren werden. Ein sehr erfreuliches Fazit“, sagte DOSB-Präsident Alfons  Hörmann.

Wie teuer würde Olympia 2024 werden?

Olympische Spiele 2024 in Hamburg würden nach Berechnungen der Stadt rund 11,2 Milliarden Euro kosten und sollen 3,8 Milliarden Euro an Erlösen einbringen. Die Differenz - 7,4 Milliarden Euro - soll aus Steuermitteln beglichen werden. Davon will die Stadt maximal 1,2 Milliarden tragen, den Rest soll der Bund übernehmen.

Der Bund und die Hansestadt haben sich noch nicht über eine Aufteilung der Kosten verständigt. Das Bundesinnenministerium fordert nach Angaben des WDR von Hamburg weitere Informationen zur Finanzplanung. Die dafür notwendigen Unterlagen aus der Hansestadt gingen „sukzessive ein; einige wichtige Informationen stehen noch aus“, hat das Ministerium nach Angaben des Senders der WDR-Sendung „sport inside“ auf Anfrage mitgeteilt. Die Gespräche darüber laufen noch.

Zusätzlich zu den veranschlagten Gesamtkosten erwartet die Stadt private Investitionen von 3,6 Milliarden Euro unter anderem in die Olympia-City, in die Medienanlage und den Segelstandort Kiel.

Die Kosten-Positionen im Einzelnen (in geschätzten Preisen von 2024):

- Olympische Stätten (Stadion, Halle, Schwimmbad): 1,97 Mrd. Euro

- Olympia-City (Einrichtung Olympia-Dorf): 1,66 Mrd. Euro

- Mobilität (Verkehrsinfrastruktur): 2,1 Mrd. Euro

- Hafen (Verlagerung Betriebe): 1,3 Mrd. Euro

- öffentliche Sicherheit: 0,46 Mrd. Euro

- übrige Sportstätten: 0,94 Mrd. Euro

- Maßnahmen in Kiel (Segelstandort): 0,146 Mrd. Euro

- Durchführung der Spiele: 2,6 Mrd. Euro

 

Die Erlös-Positionen im Einzelnen (gerundet in Preisen von 2024):

- Einnahmen Organisationskomitees (Sponsoring, Tickets, Lizenzen): 3,364 Mrd. Euro

- Verkauf Grundstücke Olympia-City: 352 Mio. Euro

- Verkauf Medienzentrum: 35 Mio. Euro

- Hafenpachten: 63 Mio. Euro

Die Kosten für die Segelwettbewerbe auf der Kieler Förde werden auf 146 Millionen Euro geschätzt. Allein das olympische Segeldorf schlägt mit 56 Millionen zu Buche. Davon entfalllen nach Aussagen von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer 41 Millionen Euro auf die Stadt. Der Restbetrag soll vom Land, dem Bund und Sponsoren aufgebracht werden.

Warum wurde die Hamburger Landesverfassung für das Olympia-Referendum geändert?

Um die Bevölkerung über die Bewerbung Hamburgs um Olympische Spiele 2024 abstimmen zu lassen, hat die Bürgerschaft eigens die Verfassung des Stadtstaats geändert. Denn zuvor war es nicht möglich, dass Senat oder Parlament von sich aus an das Volk herantreten, um es um eine Entscheidung zu bitten. Das ging nur andersherum - nämlich dann, wenn sich Bürger ihrerseits durch das Sammeln von Unterschriften in einer Volksinitiative zusammenschließen und über ein Volksbegehren zu einem Volksentscheid vorarbeiten.

Geregelt ist das Referendum seit Anfang Juni in Artikel 50, Absatz 4b der Hamburgischen Verfassung. Danach können Bürgerschaft und Senat einen „Gesetzentwurf oder eine andere politische Frage von grundsätzlicher und gesamtstädtischer Bedeutung“ dem Volk zur Abstimmung vorlegen - sofern mindestens zwei Drittel der Abgeordneten dem zustimmen. Um nicht bereits laufende Volksinitiativen unterlaufen zu können, können diese ihre Vorstellungen als Gegenvorlage zur Abstimmung stellen, wenn sie von fünf Prozent der Wahlberechtigten unterstützt werden.

Welche Sportstätten sind für Olympia im Norden geplant?

23 Sportstätten sind in Hamburg für die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele bereits vorhanden. Sie müssten aber saniert und modernisiert werden. Fünf Anlagen sollen neu gebaut werden, darunter drei auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook (Olympiastadion, Olympia-Halle, Schwimmhalle). Acht Austragungsorte sollen nur für den Wettkampf genutzt werden, darunter die Stadtpark-Wiese von den Bogenschützen.

Die Sportstätten und ihre Zuschauerkapazität:

- Olympiastadion (Kleiner Grasbrook): Eröffnungs- und Schlussfeier, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf (Neubau, 60.000 Sitzplätze)


- Olympia-Schwimmhalle (Kleiner Grasbrook): Schwimmen, Synchronschwimmen, Wasserspringen (Neubau,12.000 Sitzplätze)
- Olympia-Halle (Kleiner Grasbrook): Kunstturnen, Trampolin, Basketball, Rollstuhl-Basketball (Neubau, 15.000 Sitzplätze)
- Messehallen: Badminton, Para-Badminton, Rhythmische Sportgymnastik, Taekwondo, Judo, Ringen, Boxen, Basketball, Rollstuhl-Basketball, Rollstuhl-Rugby, Handball, Goalball Tischtennis (Bestand, je nach Halle zwischen 5000 - 10.000 Sitzplätze)
- Millerntor-Stadion (inkl. Nebenplätze): Hockey, Fußball (Bestand, 25.000 Sitzplätze)
- Rotherbaum-Stadion (inkl. Nebenplätze): Tennis, Rollstuhl-Tennis (Bestand, insgesamt 22.000 Sitzplätze)
- Sporthalle Hamburg: Fechten (Bestand, 4000 Sitzplätze)
- Volksparkstadion: Fußball (Finale), Rugby (Bestand, 50.000 Sitzplätze)
- Arena an Inselparkhalle: Wasserball (temporär, 5000 Sitzplätze)
- Inselparkhalle: Rollstuhl-Fechten (Bestand, 3000 Sitzplätze)
- Stadtpark: Bogenschießen (temporär, 4000 Sitzplätze)
- Klein Flottbek: Springreiten, Dressurreiten (Bestand, 16.000 Sitzplätze)
- Stellingen: Bahnrad, BMX (Neubau, 5000 Sitzplätze)
- Francop: Mountainbike (temporär, 2000 Sitzplätze)
- Dove-Elbe: Rudern, Kanu-Sprint, Para-Kanu (Bestand, 12.000 Sitzplätze)
- Barclaycard-Arena: Volleyball (Bestand, 15.000 Sitzplätze)
- Congress Center Hamburg, Halle H: Gewichtheben, Powerlifting (Bestand, 5000 Sitzplätze)
- Stadtgebiet: Triathlon, Marathon, Gehen, Straßenradrennen (Bestand)
- Beachvolleyball (temporär, 12.000 Sitzplätze) noch nicht festgelegt

Außerhalb Hamburgs:


- Golf: Gut Kaden in der Nähe Hamburgs (Bestand)
- Segeln: Kiel-Schilksee (Bestand, 20.000 Sitzplätze)
- Kanu: Markkleeberg bei Leipzig
- Schießen: noch nicht festgelegt

Welche Städte bewerben sich außer Hamburg noch für Olympia 2024?

Paris:

Bisherige Olympia-Austragungen: 1900, 1924

gescheiterte Bewerbungen: 1992, 2008, 2012

Budget: 6,2 Milliarden Euro

Bewerbung: Nach exakt 100 Jahren will Paris die Olympischen Spiele wieder beheimaten. Zuletzt war die Stadt dreimal in der Ausscheidung gescheitert. Schon bei der Bewerbung um Olympia 2012 war Frankreichs Hauptstadt ganz dicht dran, verlor aber trotz der besten Noten knapp gegen London. Zum Konzept gehört auch die Mittelmeer-Großstadt Marseille, vor deren Küste die Segelwettbewerbe stattfinden sollen.

Los Angeles:

Bisherige Olympia-Austragungen: 1932, 1984

Gescheiterte Bewerbungen: 1924, 1928, 1948, 1952, 1956, 1976 und 1980

Budget: 5,1 Milliarden Euro

Bewerbung: Erst nach dem Rückzug von Boston hat das Nationale Olympische Komitee der USA die kalifornische Metropole ins Rennen geschickt. „Das ist nicht unsere erste Bewerbung, das haben wir im Blut, in unserer DNA“, sagte Bürgermeister Eric Garcetti. Die Spiele 1984 brachten einen Überschuss von 250 Millionen Dollar. 80 Prozent der vorgesehenen Sportstätten seien bereits in Gebrauch.

Rom:

Bisherige Olympia-Austragungen: 1960

Gescheiterte Bewerbungen: 1924, 1936, 2004

Budget: 6 Milliarden Euro

Bewerbung: Für 2020 wurde die Bewerbung aus finanziellen Gesichtspunkten zurückgezogen. Diesmal genießt das Vorhaben die volle Unterstützung der Regierung. Die Verantwortlichen propagieren einen transparenten Finanzplan und wollen „keine Kathedralen in der Wüste“ bauen. Mehrere italienische Städte und Gebiete wie Florenz, Neapel oder Sardinien sollen in das Konzept einbezogen werden.

Budapest:

Bisherige Olympia-Austragungen: keine

Gescheiterte Bewerbungen: keine

Budget: 2,5 Milliarden Euro

Bewerbung: Budapest zeigte in der Vergangenheit schon häufig vages Interesse. Im Parlament gab es eine satte Mehrheit von 80 Prozent für eine Olympia-Bewerbung. Innerhalb der Bevölkerung ist die Zustimmung deutlich geringer. Bei einem Zuschlag soll das Mega-Event im südlichen Stadtteil Buda ausgetragen werden. Das Olympische Dorf könnte auf der Donau-Insel Csepel errichtet werden.

Wie viele Menschen haben schon abgestimmt?

Kurz vor Ablauf des Olympia-Referendums am Sonntag in Hamburg haben bereits mehr als 43 Prozent der Bürger per Briefwahl abgestimmt. Bis Freitagabend gaben mehr als 563.000 der 1,3 Millionen Wahlberechtigten ihr Votum zu einer Bewerbung um die Sommerspiele 2024 ab. (Stand: 28.11.2015).

„Bis Dienstagfrüh gaben bereits 2377 Kieler im Rathaus ihre Stimme ab, 11.849 weitere stellten einen Antrag auf Briefwahl“, sagte Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska am Dienstag (24.11.2015). „Wir hoffen, dass dies in den kommenden Tagen so weitergeht.“

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erstellt am 28.Nov.2015 | 11:43 Uhr

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