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Gute Nachrichten für Bewerberstadt Hamburg : Olympia 2024: Toronto verzichtet auf Kandidatur

vom

Hamburg, Rom und Paris haben ihre Bewerbungen eingereicht. Am Dienstag sollen Budapest und Los Angeles nachziehen. Überraschende Nachrichten kommen aus Kanada.

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2015 | 07:08 Uhr

Hamburg/Toronto | Toronto wird doch nicht als weiterer Gegner für Hamburg ins Rennen um die Olympischen Spiele 2024 einsteigen. Bürgermeister John Tory gab am Dienstag offiziell den Verzicht bekannt. Toronto sei ein guter Austragungsort für Olympische Spiele, nicht aber für 2024, sagte Tory. Am Dienstag endete auch die Bewerbungsfrist beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Hamburg hat seinen Brief am vergangenen Mittwoch mit einer feierlichen Zeremonie auf den Weg gebracht. Rom und Paris folgten. Auch Los Angeles und Budapest wollen kandidieren. Bevor aber Hamburg tatsächlich ins Rennen geht, muss am 29. November das Bürgervotum in der Hansestadt positiv ausfallen. Der erste Teil der verbindlichen Unterlagen zu Sportstätten und Infrastruktur in den Kandidatenstädten soll Anfang Februar 2016 beim IOC vorliegen. Im Sommer 2017 wählt das IOC den Austragungsort.

Kanadas größte Stadt war zuletzt immer wieder als möglicher Olympia-Kandidat im Gespräch, nachdem die Panamerikanischen Spiele in Toronto vor zwei Monaten ein großer Erfolg gewesen waren. Letztlich fehlte es jedoch an der Unterstützung der Bevölkerung in der Provinz Ontario sowie an Groß-Sponsoren.

Toronto hatte sich 1996 und 2008 vergeblich um die Austragung der Sommerspiele bemüht.

Die Bewerber im Überblick:

Hamburg

Bisherige Olympia-Austragungen: keine

Gescheiterte Bewerbungen: für die Spiele 2012 in der deutschen Vorauswahl unterlegen

Budget: keine Angabe

Bewerbung: Erst am 29. November steht fest, ob Hamburg tatsächlich in die entscheidende Phase der Olympia-Vergabe gelangt. In einem Referendum müssen die Bürger der Stadt entscheiden, ob sie tatsächlich „Feuer und Flamme“ für das Mega-Event sind. In den bisherigen Umfragen war die Bevölkerung stets mehrheitlich für eine Bewerbung. Im Konzept wirbt Hamburg für ein Olympia der kurzen Wege. 90 Prozent der Sportstätten sollen nicht weiter als zehn Kilometer um das olympische Zentrum auf der Insel Kleiner Grasbrook entfernt sein.

Dort entsteht auch das olympische Dorf. Spiele im Herzen der Stadt mit dem Olympiastadion auf einer Elbinsel sollen es sein. Hamburg setzt auf Kompaktheit, Bescheidenheit, überschaubare Kosten und Nachhaltigkeit und passt sich damit der neuen Ausrichtung des IOC an.

Die Segelwettbewerbe sollen vor Kiel ausgetragen werden. In Niedersachsen sind das Vielseitigkeitsreiten in Luhmühlen sowie die Wettbewerbe der Sportschützen in Garlstorf vorgesehen.

Paris

Bisherige Olympia-Austragungen: 1900, 1924

gescheiterte Bewerbungen: 1992, 2008, 2012

Budget: 6,2 Milliarden Euro

Bewerbung: Nach exakt 100 Jahre will Paris die Olympischen Spiele wieder beheimaten. Die französische Hauptstadt setzt darauf, dass ihr langer Atem belohnt wird, nachdem sie zuletzt dreimal in der Ausscheidung gescheitert war. Schon bei der Bewerbung um Olympia 2012 war Frankreichs Hauptstadt ganz dicht dran, verlor aber trotz der besten Noten durch die Evaluierungskommission knapp gegen London.

Diesmal hat sich Paris sogar Kommunikationsexperten aus England ins Boot geholt, die einst noch für London 2012 geworben hatten. „Je reve des Jeux“ („Ich träume von den Spielen“), heißt das Motto von der Seine-Metropole, die mit einer Top-Infrastruktur und Nachhaltigkeit wirbt. Zum Konzept gehört auch die Mittelmeer-Großstadt Marseille, vor deren Küste die Segelwettbewerbe stattfinden sollen. Die Triathleten sollen in der Seine ins Wasser gehen, die Radsportler in Versailles ihre Runden drehen.

Los Angeles

Bisherige Olympia-Austragungen: 1932, 1984

Gescheiterte Bewerbungen: 1924, 1928, 1948, 1952, 1956, 1976 and 1980.

Budget: 5,1 Milliarden Euro

Bewerbung: Erst nach dem Rückzug von Boston hat das Nationale Olympische Komitee der USA die kalifornische Metropole doch ins Bewerbungsrennen geschickt. Einen Nachteil sehen die Verantwortlichen darin nicht. „Das ist nicht unsere erste Bewerbung, das haben wir im Blut, in unserer DNA“, sagte Bürgermeister Eric Garcetti und verwies auf die beiden bisherigen Olympia-Austragungen. Die Spiele 1984 brachten einen Überschuss von 250 Millionen Dollar und waren der Startschuss für die Kommerzialisierung des Mega-Events.

Kosteneffektiv will Los Angeles die Spiele austragen. 80 Prozent der vorgesehenen Sportstätten seien bereits in Gebrauch, insgesamt werde die Renovierung und die Errichtung neuer Sportstätten nur 619 Millionen Euro verschlingen. Positiv kommt hinzu, dass der Flughafen für mehrere Milliarden Dollar derzeit sowieso aus- und umgebaut wird.

Gegenwehr aus der Bevölkerung, wie es in Boston geschah, ist zudem nicht zu befürchten. Eine jüngste Umfrage ergab, dass 81 Prozent der Bürger die Kandidatur unterstützen.

Rom

Bisherige Olympia-Austragungen: 1960

Gescheiterte Bewerbungen: 1924, 1936, 2004

Budget: 6 Milliarden Euro

Bewerbung: Die Bewerbung für die Sommerspiele 2020 wurde auf Anordnung des damaligen Regierungschefs Mario Monti aus finanziellen Gesichtspunkten zurückgezogen, was Italien innerhalb des IOC viel Kritik einbrachte. Diesmal genießt die Rom-Bewerbung die volle Unterstützung der Regierung um Staatschef Matteo Renzi. Die Verantwortlichen propagieren einen transparenten Finanzplan und wollen „keine Kathedralen in der Wüste“ bauen (Bürgermeister Ignazio Marino). Mehrere italienische Städte und Gebiete wie Florenz, Neapel oder Sardinien sollen in das Olympia-Konzept einbezogen werden. Auch Umweltgruppen wie Greenpeace wurden angehört. Nach den ersten Überlegungen könnten die Siegerehrungen im Colosseum stattfinden und für Bogenschießen ist der Petersplatz im Vatikan vorgesehen.

Bewerbungschef ist der frühere Ferrari-Präsident Luca di Montezemola, der bereits 1990 die Fußball-WM nach Italien geholt hatte.

Budapest

Bisherige Olympia-Austragungen: keine

Gescheiterte Bewerbungen: keine

Budget: 2,5 Milliarden Euro

Bewerbung: Budapest zeigte in der Vergangenheit schon häufig vages Interesse. Durch die Reformbewegungen innerhalb des IOC und der propagierten Abkehr vom Gigantismus sehen die Ungarn nun bessere Chancen. „Unsere olympische Formel: Agenda 2020 = Budapest 2024“, hieß es in der Absichtserklärung der Ungarn an das IOC. In der Nationalversammlung gab es eine satte Mehrheit von 80 Prozent für eine Olympia-Bewerbung. Innerhalb der Bevölkerung lag die Zustimmung im Juli bei 49 Prozent, 42 Prozent der Befragten waren dagegen. Bei einem Zuschlag soll das Mega-Event im südlichen Stadtteil Buda ausgetragen werden. Das Olympische Dorf könnte auf der Donau-Insel Csepel errichtet werden.

 
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