Hamburg : Olaf Scholz-Nachfolge? Ein Fall für Krisenmanager Andreas Dressel

Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Andreas Dressel (SPD) in Hamburg. /Archiv
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Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Andreas Dressel (SPD) in Hamburg. /Archiv

Noch ist nicht klar, ob Scholz nach Berlin geht. Ein möglicher Bürgermeister-Nachfolger scheint bereits gefunden.

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02. Februar 2018, 21:32 Uhr

Hamburg | Für die Hamburger Opposition ist die Hängepartei ein gefundenes Fressen. Über den „noch amtierenden Bürgermeister Scholz“ spöttelte AfD-Innenexperte Dirk Nockemann am Mittwoch in der Bürgerschaftsdebatte zur „Roten Flora“ genüsslich. Und auch die CDU lässt keine Gelegenheit aus, Olaf Scholz (SPD) als Senatschef mit Verfallsdatum zu betiteln.

Was denn nun, Herr Bürgermeister, fragen sich selbst in der eigenen Partei immer mehr Genossen. Kehrt der 59-Jährige der Hansestadt den Rücken und wird Minister in Berlin? Oder bleibt er an der Elbe und tritt zur Bürgerschaftswahl in zwei Jahren wieder an? Die Antwort scheint offener denn je und ist abhängig vom Verlauf des GroKo-Ringens. Letzte Klarheit, ob der Hamburger ernste Ambitionen und Chancen auf einen Posten im Bundeskabinett hat, gibt es ohnehin erst, wenn die SPD-Mitglieder über einen Koalitionsvertrag abgestimmt haben.  

Zwar beteuert Scholz immer, er wolle sein Amt im Rathaus behalten. Allerdings fällt auf, dass die Dementis nie kategorisch formuliert sind. Parteifreunde an der Elbe gehen davon aus, dass der ehrgeizige und tendenziell unterforderte Scholz unter gewissen Voraussetzungen ins Merkel-Kabinett wechseln würde. Dass es so kommt, darauf könnten die laufenden Koalitionsverhandlungen hindeuten, bei denen er als SPD-Verhandlungsführer zu Steuern und Finanzen verhandelt.

Der kühle Rechner sieht in der Steuer-, Renten- und Arbeitsmarktpolitik den entscheidenden Hebel  für mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit im Sinne der SPD. Das dazugehörige Wahlkampfkonzept der Sozialdemokraten stammte aus seiner Feder. Als Bundesfinanzminister hielte Olaf Scholz die Fäden für eine Umsetzung in der Hand.  

Geht der Hamburger Regierungschef in die Bundespolitik, stünde sein Nachfolger als Bürgermeister wohl schon fest. Rathaus-Beobachter und SPD-Funktionäre sind sich weitestgehend einig, dass Fraktionschef Andreas Dressel (43) übernehmen würde. Der Jurist aus Volksdorf führt nicht nur die Bürgerschaftsfraktion seit sieben Jahren geräuschlos, er hat sich auch als emsiger Scholz-Ausputzer bewährt.

Wann immer landespolitische Probleme die rot-grüne Senatsarbeit zu gefährden drohen, ist Dressel an der Seite seines Grünen-Amtskollegen Anjes Tjarks (das „A-Team“) als Krisenmanager und Kompromissfinder in der Spur. Geschickt befriedete der Allround-Politiker Auseinandersetzungen mit Wutbürgern zu Flüchtlingsunterbringung, Ganztagsbetreuung an Schulen, Inklusion und andere.

Dressel traut sich den Bürgermeister-Job zu. Und er ließe sich dem Wahlvolk ohne Weiteres als Bürgermeister-Anwärter präsentieren. Dressel ist Hamburger Jung durch und durch: Geburt, Abi, Studium, Job als Oberregierungsrat - der beredte 43-Jährige hat eine makellose Hamburg-Biografie. Selbst sein politisches Vorbild ist Hanseat: Helmut Schmidt.

Gleichwohl sind auch zwei andere Namen als mögliche Scholz-Nachfolger zu hören. Andy Grote, seit zwei Jahren respektierter Innensenator, sowie Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit, die als erste Frau an die Spitze des Senats rücken könnte. Allerdings: Beide werden es auf einen Machtkampf mit Dressel nicht ankommen lassen. Sie wissen, dass ihnen der Zwei-Meter-Mann nicht nur an Körperlänge einiges voraushat.

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