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Nach tödlicher Messerattacke : Ohne Messer, mit Security: Supermarkt in Hamburg-Barmbek wieder geöffnet

vom

Am Montag geht der Betrieb in der Edeka-Filiale weiter. Die Mitarbeiter brauchen nun Zeit, das Erlebte zu verarbeiten.

shz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 10:56 Uhr

Hamburg | Erstmals seit der Messerattacke mit einem Toten und mehreren Verletzten im Hamburger Stadtteil Barmbek ist der betroffene Edeka-Markt am Montagmorgen wieder geöffnet - und gut besucht. „Wir sind nach wie vor erschüttert über diese schreckliche Tat“, sagt Unternehmenssprecher Gernot Kasel, der vor dem Laden steht.

Das Motiv des in den Vereinigten Arabischen Emiraten geborenen Palästinensers, der im März 2015 nach Deutschland kam, ist laut Ermittlern noch unklar. Sein Asylantrag war 2016 abgelehnt worden. Er befand sich bereits im Ausreiseverfahren. Der 26-Jährige war den Sicherheitsbehörden als Islamist bekannt. Sie gingen aber nicht davon aus, dass von ihm eine unmittelbare Gefahr ausging.

Drinnen erinnert auf den ersten Blick nichts mehr an das schreckliche Verbrechen, bei dem am Freitag ein 26-Jähriger unvermittelt mit einem Küchenmesser auf Kunden eingestochen hatte. Aber etwas ist anders: In der Hauswaren-Abteilung sind auf Bitte der Mitarbeiter alle Messer weggeräumt. Der Täter hatte sich aus diesem Regal ein Messer geschnappt und seine Opfer attackiert.

Um Kunden und Angestellten ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, sind am ersten Öffnungstag nach der grausigen Tat zwei Security-Mitarbeiter im Einsatz. Im Laden arbeiteten auch Kollegen, die am Tattag im Supermarkt waren, berichtet Kasel. „Es ist für die Mitarbeiter natürlich schwer, wieder an diesen Arbeitsplatz zurückzukehren.“ In einem an der Eingangstür der Filiale angebrachten Schreiben bittet das Unternehmen, von Fragen an die Beschäftigten abzusehen. Sie brauchten Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, erklärt Kasel. „Allen Mitarbeiten wurde psychologische Unterstützung angeboten, einige haben das auch schon in Anspruch genommen.“ Da nicht alle Kollegen bereits wieder arbeiten könnten, unterstützten andere Edeka-Händler die Filiale an der Fuhlsbüttler Straße, auch mit Personal.

Vor dem Markt bleiben immer wieder Menschen stehen, schauen sich die vielen Blumen, Kerzen, Fotos und Zettel an, die im Gedenken an die Opfer abgelegt wurden. Viele halten die Szene mit einem Handyfoto fest. Der Bürgersteig ist bemalt mit bunter Kreide - „Warum?“ und „Gemeinsam gegen den Hass“ ist zu lesen. Die Anwohner diskutieren, wie es zu der Messerattacke kommen konnte. Welche Verantwortung hat die Politik, warum war der Täter noch in Deutschland, welchen Anteil an der Tat hatten möglicherweise psychologische Probleme? - diese Fragen beschäftigen die Menschen.

„Barmek ist multikulturell und wir halten zusammen“, sagt Angelika, die ihren Nachnamen nicht nennen will. Wie jeden Tag trifft sie sich mit ihren Bekannten in einem Café-Bereich vor dem Geschäft - und das soll auch nach der Tat so bleiben. „Ich lasse mir keine Angst machen“, betont die Frau.

Anwohner Volker Kuschnereit war während der Tat im Supermarkt. Er packte nahe der Kasse gerade seine Einkäufe ein, als er einen Schrei hörte und den Täter mit dem Messer in der Hand sah, der auf die Straße lief. Das Geschehene beschäftige ihn sehr, berichtet der 49-Jährige. Es sei ein seltsames Gefühl, wieder in diesem Supermarkt einzukaufen - aber verzichten will er darauf nicht. „Man muss damit fertig werden.“

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