Hamburg : Ökostrom: Wie Hamburg endlich das Netzproblem lösen will

Das neue Forschungs-Speicherregelkraftwerk soll den Ökostrom aus den Windfarmen der Nordsee zwischenspeichern und ins Netz liefern.

shz.de von
10. November 2018, 14:23 Uhr

Hamburg | Es ist eine der Gretchenfragen der Energiewende: Wie lässt sich das Stromnetz stabil halten, obwohl Wind- und Solarstrom unregelmäßig fließen? Einer Antwort wollen Wissenschaftler und Unternehmen nun in Hamburg ein ganzes Stück näher kommen. Im Beisein von Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) gaben sie am Freitag im östlichen Stadtteil Curslack den Startschuss für ein Forschungs-Speicherregelkraftwerk. Dessen Mission: Ökostrom aus den Windfarmen der Nordsee zwischenspeichern und immer dann buchstäblich in Windeseile ins Netz liefern, wenn dieses labil zu werden droht. Bislang erledigen das konventionelle Kraftwerke.

Für Westhagemann – seit gut einer Woche Senator und bis zum vorigen Jahr Chef von Siemens Norddeutschland mit Schwerpunkt Windenergie – war es kein x-beliebiger Einweihungstermin. Fortschritte bei der Systemumstellung auf Ökonergie sind sein erklärtes Ziel. Mit dem Batteriespeicher zeige die Region nicht nur „Innovationsfähigkeit und Kreativität“, befand Westhagemann, sondern auch „den absoluten Willen, die Energiewende umzusetzen.“  

Das Speicherregelkraftwerk ist Teil des Großprojekts NEW 4.0 – Norddeutsche EnergieWende, mit dessen Hilfe Hamburg und Schleswig-Holstein bis 2035 ihren Energiebedarf zu 100 Prozent aus Erneuerbaren decken wollen. Aus den Windparks im nördlichen Nachbarland kommt dabei der Ökostrom, Hamburg liefert als Windkraft-Metropole Dienstleistungen zu, nicht zuletzt mit seinem Competence Center für Erneuerbare Energien und Energie-Effizienz (CC4E) der Hochschule HAW. Für dieses Zukunftslabor drehen sich seit drei Wochen fünf eigene Groß-Forschungswindräder. 

Die Curslacker Turbinen liefert ihren Strom direkt an das Speicherregelkraftwerk, das aus 24 Lithium-Ionen-Batterien von BMW besteht, wie sie auch in Elektrofahrzeugen verwendet werden. Sie stecken in drei Containern mit je acht Modulen. Leistung (720 Kilowatt) und Speicherkapazität (792 Kilowattstunden) sind zwar gering, doch für die Ergründung des Funktionsprinzips spielt das keine Rolle. Weitere Beteiligte des Projekts sind der Energiekonzern Vattenfall und der Windrad-Hersteller Nordex.

„Das Speicherregelkraftwerk ist die Blaupause, um flexibel auf verschiedenste Kundenanforderungen hinsichtlich der Integration von Speichern in Windparkprojekte reagieren zu können und liefert gleich den Praxisbeweis“, sagte Ilya Hartmann, Chef von Nordex Europa.

Die Integration eines Batteriespeichers im eigenen Windpark und neben einem Forschungscampus sei eine „einzigartige Konstellation“, schwärmte CC4E-Leiter Werner Beba. Das Projekt solle nicht zuletzt dazu beitragen, Windstrom wirtschaftlicher zu machen - indem künftig deutlich weniger Windstrom abgeregelt werden muss.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen