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Totes Baby in Hamburg : Obduktion: Tayler wurde zu Tode geschüttelt

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Der einjährige Junge starb an schwersten Hirnschäden. Der genaue Todeszeitpunkt soll erst in drei Wochen feststehen.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 11:47 Uhr

Hamburg | Der kleine Tayler aus Hamburg ist infolge schwerster Hirnschäden gestorben. Das ergab die Obduktion seiner Leiche, teilte die Hamburger Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. „Es besteht der hochgradige Verdacht auf ein sogenanntes Schütteltrauma“, sagte Oberstaatsanwalt Carsten Rinio.

Der Tod des einjährigen Kindes weckt Erinnerungen an ähnlich tragische Fälle in der Hansestadt in der jüngeren Vergangenheit. In Politik und Medien wird die Frage diskutiert, ob strukturelle Probleme bei den Hamburger Jugendämtern zum Tod mehrere Kinder beigetragen haben.

Das Ergebnis erhärte die Annahme der Ermittlungsbehörde, wonach das einjährige Kind von seiner Mutter oder deren Lebensgefährten heftig geschüttelt wurde. Gegen die 22-Jährige und ihren 26 Jahre alten Freund, der nicht der Vater des Jungen ist, wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt.

Zum genauen Zeitpunkt der Tat konnte Rinio noch keine Angaben machen. Es würden noch weitere Untersuchungsergebnisse der Obduktion erwartet, die frühestens in drei Wochen vorliegen sollen. 

Gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten wurde bislang kein Haftbefehl erlassen, der Mann befindet sich derzeit im Urlaub in Spanien. Ausreichende Haftgründe gegen die beiden oder einen von ihnen liegen laut Staatsanwaltschaft derzeit nicht vor. Erkenntnisse über den Tatzeitpunkt wären wichtig, um eventuelle Widersprüche in den bisherigen Aussagen aufdecken zu können. Daraus könnte sich möglicherweise ein Haftgrund ergeben.

Tayler war am 12. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden und sieben Tage später gestorben.

Babyleichen: Grausige Funde in der Vergangenheit

Oktober 2015: Passanten entdecken an einer Bushaltestelle in Sülfeld nördlich von Hamburg eine Babyleiche. Ersten Erkenntnissen zufolge war das Kind tot, als es dort abgelegt wurde.

April 2015: Im Müllcontainer eines Supermarktes in der Oberpfalz wird eine Babyleiche entdeckt.

September 2014: Die Polizei findet zwei tote Neugeborene in einem Schließfach des Hamburger Hauptbahnhofs. Der Mutter war schon vor einigen Jahren eine Babyleiche zugeordnet worden. Damals konnte nicht ermittelt werden, ob das Kind schon tot zur Welt kam. Die Frau begibt sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik.

August 2014: In den Wohnungen einer 32-Jährigen in Siegen und Bonn werden in Gefrierschränken versteckte Babyleichen entdeckt. Die Frau wird zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Mai 2014: In München wird in der Toilette eines Reisezugs ein totes Neugeborenes gefunden. Einen Tag zuvor war in der Uckermark in Brandenburg auf einer Wiese ein totes Baby entdeckt worden.

Oktober 2013: In Oberfranken werden bei Bauarbeiten im Garten eines Mehrfamilienhauses zwei Babyleichen entdeckt. Die Mutter soll sie in den 80er Jahren unversorgt gelassen und vergraben haben. Das Landgericht Hof urteilt 2014, dass ihr die Taten nach mehr als 25 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden können.

März 2013: Eine 28-Jährige aus Husum in Schleswig-Holstein gesteht die Tötung ihrer fünf Kinder. 2006 war in Nordfriesland eine Babyleiche gefunden worden, 2007 eine weitere im Kreis Schleswig-Flensburg. Im Keller der Frau wurden später drei weitere Leichen entdeckt. Die Frau muss für neun Jahre ins Gefängnis.

Februar 2011: Polizisten finden die Überreste eines toten Babys in einem Garten in Jüterbog in Brandenburg. Die Mutter und ihr Ex-Partner hatten es nach der Geburt 2009 vergraben. 2012 wurden sie zu lebenslanger Haft verurteilt.

Juli 2005: In einer Garage in Brieskow-Finkenheerd (Brandenburg) werden bei einer Entrümpelung neun Babyleichen entdeckt. Die Mutter der Kinder hatte sie in Eimern und Blumenkübeln versteckt.

 
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